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Kultur Rotwein mit Blut
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19:43 14.03.2014
Von Ronald Meyer-Arlt
Vampire gibt es: Sylvia Madsack hat ein Buch über ein unsterbliches Thema geschrieben.
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Zürich

Vampire sind unsterblich. Was auch heißt: Man kann viel von ihnen erzählen. Sylvia Madsack, die nicht nur Mitgesellschafterin der Mediengruppe Madsack, sondern auch Romanautorin ist, macht das schon seit einigen Jahren. Sie hat die „Graf-Stanislaw-Saga“ erfunden. 2008 kam „Melodie der Nacht“ heraus, zwei Jahre später folgte „Tausend Augen hat die Nacht“, und nun erscheint „Hymne an die Nacht“, der dritte und wohl auch letzte Roman um den Blut (gern aber auch schweren Rotwein) trinkenden Grafen Stanislaw von Lugosy. In Zürich wurde das neue Buch jetzt vorgestellt, passend zum Thema im Gewölbe des Theaters Stadelhofen im Zentrum der Stadt. Hier las der Schauspieler Siegmund Tischendorf ausgewählte Kapitel des neuen Romans. Tischendorf ist ein großartiger Sprecher, seine Stimme ist rau bis knarzig, sein Haar lang und angegraut, sein Blick wölfisch. Das alles passt bestens zum Helden des Romans.

In ihrem neuen Buch erzählt Sylvia Madsack von einer Reise in ein unbekanntes Land und einer neuen Liebe. Vampir Stanislaw hat Marbella und das nächtliche Treiben an der Costa del Sol verlassen und reist in sein Heimatland: nach Transsylvanien. Vor 400 Jahren ist er von dort geflohen. Seitdem er (gegen seinen Willen) zum Vampir wurde, bevorzugt der Graf die Nachtseite des Lebens. Dort allerdings bewegt er sich mit größter Eleganz. Kein Wunder, dass sich die Damen in ihn verlieben. Er allerdings verliebt sich auch: in die schöne Musikerin Daphne. Davon erzählt der erste Teil der Trilogie, im zweiten Teil taucht Joanna auf, bei der es sich um des unsterblichen Grafen schöne Tochter handelt.

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Sylvia Madsack ...

... wurde in Hannover geboren, sie studierte Psychologie, arbeitete als Journalistin und übersetzte für verschiedene Buchverlage aus dem Französischen und Englischen. 1993 siedelte sie von München nach Zürich über, wo sie heute als freie Autorin lebt. 2008 erschien „Melodie der Nacht“, der erste Roman der Graf-Stanislaw-
Saga. „Tausend Augen hat die Nacht“ folgte 2010.

Im dritten Teil nun beleuchtet Sylvia Madsack die Vater-Tochter-Beziehung. Graf Stanislaw reist zusammen mit Joanna durch Transsylvanien. Halb ist das eine Reise in die Vergangenheit, halb auch eine Flucht vor Stanislaws Widersacher, dem üblen Vampir Kyrill.

Der drohende Kampf zwischen den beiden Vampiren versorgt die Geschichte mit einer gewissen Grundspannung. Aber bevor es in einem alten Schloss zur letzten großen Auseinandersetzung kommt, muss erstmal ein anderer Kampf ausgefochten werden: ein Vater-Tochter-Konflikt.

Joanna, Tochter von Stanislaw und einer schönen Engländerin, verliebt sich ausgerechnet in Vadim, einen eitlen rumänischen Filmstar, in dessen saphirblauen Augen etwas schimmert, „das Verheißung und Versprechen bedeuten konnte und zugleich alles oder nichts“. Der Vater hat anfangs erhebliche Probleme mit der Wahl seiner Tochter – so etwas soll ja auch außerhalb von Blutsaugerkreisen vorkommen.

Die Bürgernähe des Vampirs ist beachtlich – und gibt der Geschichte ihren Reiz. Stets muss er gegen seine Natur ankämpfen, und nicht immer gelingt ihm das. Anders als die Bücher von Stephenie Meyers „Biss“-Reihe richten sich Sylvia Madsacks „Nacht“-Werke nicht ausschließlich an ein jugendliches Lesepublikum. Der Graf mit den guten Manieren, der seinen Rotwein gern mit einigen Tröpfchen Blut anreichert, vermag auch ein älteres Lesepublikum zu bezaubern.
Das gelang auch Siegmund Tischendorf bei der Lesung zur Buchpremiere in Zürich. Die Zuschauer applaudierten begeistert. Und der Schauspieler sollte seine markant heisere Stimme schon mal fürs Hörbuch schonen.

Was in diesem Fall heißt: gerade nicht schonen.

Hymne an die Nacht“ ist bei Hoffmann und Campe erschienen, hat 336 Seiten und kostet 19,99 Euro.

„Es ist eine Liebe für die Ewigkeit“

Frau Madsack, mit „Hymne an die Nacht“ haben Sie Ihre Trilogie um Graf Stanislaw, einem mächtigen Vampir mit vollendeten Manieren, zum Abschluss gebracht.

Ja, leider.

Wieso leider?

Nun ja, mir sind die Figuren schon sehr ans Herz gewachsen.

Warum schreiben Sie dann nicht einfach weiter an der „Graf Stanislaw“-Saga?

So einfach ist das nicht. Das Ganze war von Anfang an als Trilogie geplant. Jetzt heißt es für mich, von den Figuren Abschied zu nehmen.

Sie haben sich ja schon früh für das Genre Vampirroman entschieden. Ärgert es Sie eigentlich, dass das Genre mit Stephenie Meyers „Biss“-Romanen derart viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat?

Nein. Vielleicht hätte man denken können, ich sei auf den Zug aufgesprungen. Das war aber nicht der Fall. Ich habe schon zuvor an meiner Vampirsaga gearbeitet. Und im Gegensatz zu Stephenie Meyers „Biss“-Geschichten richten sich meine Romane eher an ein erwachsenes Publikum. Im Ganzen habe ich von diesem Aufmerksamkeitsschub sogar etwas profitiert.

Was ist Ihrer Meinung nach der Grund für den großen Erfolg von Vampirgeschichten?

In unsicheren Zeiten ist der Hang zum Eskapismus meist groß. Man flüchtet sich dann gern in Fantasiewelten.

Stimmt es, dass Ihr erster Vampirroman ursprünglich als Satire angelegt war?

Ja, das ist richtig. Die Satire hat mir beim Schreiben sehr viel Spaß gemacht. Der Roman ruht nun bei mir in der Schublade. Nachdem ich diesen ersten Roman beendet hatte, habe ich mir gedacht, dass das Thema eigentlich zu schade dafür ist, nur als Satire behandelt zu werden. So habe ich einen neuen Vampirroman begonnen – das war dann der Beginn der Trilogie.

Wussten Sie da schon, dass zwei weitere Bände folgen würden?

Nach dem ersten Band war klar, dass es mit dem Grafen von Lugosy weitergehen würde.

Nun habe Sie die Trilogie beendet. Leider taucht Daphne, die schöne Flötistin, mit der der erste Roman begann, jetzt nur noch am Rande auf.

Dafür gibt es einen Grund: Die Geschichte zwischen Stanislaw und Daphne ist an einem Endpunkt angelangt. Es ist eine Liebe für die Ewigkeit. Ich erzähle jetzt von einer Vater-Tochter-Beziehung, und von der Liebe der Tochter zu einem Schauspieler.

Dieser Schauspieler ist recht exaltiert. Da wirkt die Geschichte doch wieder satirisch.

Ja, so ganz wollte ich das Satirische dann doch nicht lassen.

Haben Sie in Transsylvanien recherchiert?

Ich bin zweimal dort gewesen. Und ich habe mich in das Land verliebt.

Wie wichtig ist es, dass Sie das, worüber Sie schreiben, aus eigener Anschauung kennen?

Es ist von entscheidender Wichtigkeit. Ich finde, man soll nur über das schreiben, was man auch kennt.

Aber Vampire gibt es doch gar nicht.

Das sagen Sie. Ich sehe das ein wenig anders. Zum Beispiel gibt es Energievampire, die einem Kraft und Zeit stehlen. Vor denen muss man sich in Acht nehmen. Außerdem ist man als Schriftsteller auch eine Art Vampir. Man ist stets auf der Lauer. Man sucht seine Umgebung immer nach spannenden Geschichten ab.

Folgt wieder ein Vampirroman?

Ich bin jetzt festgelegt auf das Genre. Sich da herauszuschreiben ist schwierig. Noch ein Vampirroman ist vorerst nicht geplant. Aber ich habe mir beim Schreiben die Frage gestellt, wie es mit Joanna, diesem Zwitterwesen zwischen Vampir und Mensch, und dem Schauspieler wohl weitergeht. Das Thema scheint unsterblich zu sein.

Wie sieht es mit einer Verfilmung aus?

Nur zu gern. Ein Drehbuch wird leicht zu erstellen sein, denn das Ganze ist bereits sehr filmisch geschrieben. Beim Schreiben läuft die Geschichte wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. Jetzt muss das Fernsehen eigentlich nur noch zugreifen.

Interview: Ronald Meyer-Arlt

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