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Kultur Buh-Rufe nach „Rheingold“-Premiere
Nachrichten Kultur Buh-Rufe nach „Rheingold“-Premiere
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10:03 27.07.2013
Foto: Martin Winkler (Alberich, v.l.), Norbert Ernst (Loge) und Burkhard Ulrich (Mime) in der dritten Szene von „Das Rheingold“ in der Inszenierung von Frank Castorf.
Martin Winkler (Alberich, v.l.), Norbert Ernst (Loge) und Burkhard Ulrich (Mime) in der dritten Szene von „Das Rheingold“ in der Inszenierung von Frank Castorf. Quelle: dpa
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Bayreuth

Der Auftakt ist schon einmal daneben gegangen: Frank Castorf hat mit seiner Neuinszenierung von Richard Wagners „Das Rheingold“ einen Fehlstart hingelegt. Einen Großteil des Bayreuther Festspielpublikums kann er nicht von seiner Neuinterpretation überzeugen, hier und da gibt es bei der Premiere am Freitagabend wahre Proteststürme.

Grund genug für Castorf, sich nach der Inszenierung nicht auf der Bühne zu zeigen? Als sich Sänger und Dirigent Kirill Petrenko vor dem Publikum verbeugen, sucht man Castorf und sein Team zumindest vergeblich. „Sie können es sich anschauen, mich dann steinigen“, hatte Castorf zuvor gesagt. Vielleicht spart er sich seinen Auftritt für den vierten Teil, „Die Götterdämmerung“ auf.

Merkwürdig uninspiriert kommt sein „Rheingold“ daher, auch wenn sich die Inszenierung alle Mühe gibt, das zu verbergen. Der Intendant der Volksbühne Berlin verfrachtet den ersten Teil von Richard Wagners Mammutwerk „Ring des Nibelungen“ in die Vereinigten Staaten der 1960er Jahre. Auf einer aufwendigen Drehbühne, die - je nach Ausrichtung - ein Motel oder eine Tankstelle an der berühmten Route 66 darstellt, wird Gott Wotan (Wolfgang Koch) zum Zuhälter und Frauenhändler, Fricka (Claudia Mahnke) und Freia (Elisabet Strid) zu seinem Eigentum und Loge (Norbert Ernst) zu einer Art frühem Paparazzo.

Die Riesen Fasolt (Günther Groissböck) und Fafner (Sorin Coliban) sind bei Castorf miese Schlägertypen und die Rheintöchter (Mirella Hagen, Julia Rutigliano und Okka von der Damerau) verführerische Schönheiten, die ihre Spitzenhöschen auf eine Wäschespinne hängen. Und all das sieht der Zuschauer nicht nur klassisch auf der Bühne, sondern auch auf einer großen Videoleinwand, die immer wieder nicht einsehbare Bühnenbereiche einfängt. Ein Kameramann läuft stets mit.

Allein was das alles soll, darauf gibt Castorf in seiner Inszenierung keine Antwort. Die Suche nach dem roten Faden verläuft ergebnislos. Die Frage, warum Strid als Freia einen Lack-Catsuit tragen muss wie Pamela Anderson in dem Film-Machwerk „Barb Wire“ bleibt ebenso unbeantwortet wie die, warum Mime (Burkhard Ulrich) die Regenbogenfahne der Schwulenbewegung hisst.

Vieles wirkt bei Castorf wie reine Effekthascherei. Das ist streckenweise unterhaltsam, wirklich spannend aber ist anders. Zentrale Frage sei für ihn gewesen: „Was ist heute unser Gold?“, hatte er im Vorfeld gesagt. Und das sei das Öl. Gut, seine Geschichte spielt an einer Tankstelle und einmal schüttet Loge Alberich Öl über den Kopf - weiter geht Castorfs Interpretation hier allerdings nicht. Aber es kommen ja auch noch drei Teile. Weitere Stationen des vierteiligen Zyklus sollen Aserbaidschan und die Wall Street sein.

Für die Sänger - allen voran Martin Winkler als Alberich - gibt es trotz allem berechtigten und begeisterten bis stürmisch-jubelnden Applaus. Die meiste Zustimmung aber heimst - typisch in Bayreuth - wieder der Mann am Pult ein: der künftige Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München, Kirill Petrenko.

dpa

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