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Kultur Auf der Suche nach Raubkunst
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17:02 12.02.2014
In München wurde im November ein spektakulärer Kunstfund gemacht - viele der Werke sollen NS-Raubkunst sein. Quelle: dpa
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Berlin

Nach der Kritik des Jüdischen Weltkongresses (WJC) am Umgang mit NS-Raubkunst in Deutschland haben Kulturpolitiker der Länder langjährige Versäumnisse eingeräumt. „In Deutschland wurde viel zu spät mit einer ernsthaften Provenienzforschung begonnen“, sagte Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler am Mittwoch in Berlin. Die Provenienzforschung müsse eine Daueraufgabe werden. Der baden-württembergische Kulturstaatssekretär Jürgen Walter (Grüne), betonte, die Haltung der öffentlichen Sammlungen habe sich deutlich gewandelt. Sein Bundesland gehe nun aktiv auf mögliche Erben zu.

Spätestens seit der Entdeckung der Sammlung Gurlitt stehe Deutschland auf dem Prüfstand, betonte die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, Isabel Pfeiffer-Pönsgen. Nach Angaben der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg wurden in den vergangenen 15 Jahren rund 12 000 Objekte zurückgegeben.

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Die Länder wollen die Suche nach gestohlenen Werken deutlich ausbauen. Sie hoffen dabei auf Unterstützung der neuen Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Die CDU-Politikerin hatte mehr Geld für Provenienzforschung angekündigt. Die Mittel für die Herkunftsforschung wurden seit 2012 auf zwei Millionen Euro im Jahr verdoppelt. Seit 2008 flossen 14,3 Millionen Euro von Bund, Museen und den Ländern in die Recherche.

Als unangemessen bezeichnete die Hamburger Kultursenatorin den Vorstoß aus Bayern für ein Gesetz gegen die Verjährung von Raubkunst-Delikten, über das an diesem Freitag der Bundesrat berät. Das Thema eigne sich nicht für „Schnellschüsse und Skandalisierung“. Seit 2008 habe die Hamburger Kunsthalle von 58 Rückgabeforderungen 51 Fälle positiv für die Erben entschieden, sagte Kisseler.

Walter wies die jüngsten Vorwürfe des WJC-Präsidenten Ronald S. Lauder zurück: Deutschland verschleppe die Suche nach geraubten Kunstwerken nicht. Die Museen hätten ihre Anstrengungen deutlich verstärkt. Der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Hartwig Fischer, betonte: „Wir wollen in rechtssicheren Museen arbeiten und keine Werke haben, die dort nicht hängen dürfen.“

Mit dem Projekt „Daphne“ würden in Sachsen seit 2008 systematisch die Sammlungen mit insgesamt rund 1,5 Millionen Objekten durchsucht. Dabei gehe es neben der NS-Raubkunst auch um Werke, die nach 1945 von der Sowjetunion enteignet wurden sowie um Rückgabeforderungen aus dem ehemaligen sächsischen Königshaus der Wettiner.

dpa/sag

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