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Kultur Carolin Emcke kommt nicht recht ins Gespräch 
Nachrichten Kultur Carolin Emcke kommt nicht recht ins Gespräch 
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00:15 16.12.2017
Nebeneinander: Peter Geimer und Carolin Emcke.  Quelle: Villegas
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Hannover

 Anfangs dankt die Moderatorin nicht nur der Stiftung Niedersachsen, die unter anderem Engagement für die Demokratie und deshalb auch Carolin Emckes Gesprächsreihe „ABC der Demokratie“ fördert. Emcke stellt auch klar, dass beim Durchbuchstabieren nicht alle Aspekte der Demokratie in jedem Gespräch vorkommen. 

Diesmal, in der zweiten Gesprächsfolge, soll es um „B“ wie Bild gehen. Zurecht, denn Bilder sind zweifellos ein relevanter Faktor in demokratischen Prozessen. Immerhin ist der Bundestag eine öffentliche Bühne, wird fast jeder Politikerauftritt abgebildet. Diktaturen und autoritäte Staaten ringen um Kontrolle von Bildern, eine Reflexion der Bildmacht ist auch für die Demokratie wichtig. 

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Dumm nur, dass davon kaum die Rede ist. Denn der Abend in der gut gefüllten Cumberlandschen Bühne startet mit einem Referat, in dem der Berliner Kunsthistoriker Peter Geimer den Fokus gleich auf die Frage verengt, ob Bilder lügen, täuschen, manipulieren. Diese Kritik zitiert er, vom Blatt abgelesen wie seinen ganzen Vortrag, in ebenso ausführlicher und rastloser Rasanz wie die Gegenthese, nach der Bilder nicht bloße Konstrukte sind, sondern wenigstens in irgendeiner Weise auf Wirklichkeit verweisen. Es komme eben auf den jeweiligen Kontext, die Erläuterungen zum Bilde an. „Weder der Manipulations- noch der Wahrheitsverdacht ist pauschal richtig – es geht immer um eine Einzelfallentscheidung“, sagte er am Ende seiner Vorlesung, das die Zuschauer mit Applaus quittieren. 

Bestätigungs-Ping-Pong

Immerhin zeigt er Fotobeispiele, die Gesprächsstoff bieten könnten, etwa das Bild des toten Flüchtlingskindes Aylan Kurdi am Strand von Lesbos, das die längste Zeit des Abends auf der Leinwand über den Köpfen von Emcke und Geimer prangt. Die Aufnahme hatte bei ihrer Publikation im September 2015 eine heftige Debatte ausgelöst. Doch statt etwa diesen oder andere Einzelfälle einer besonderen Analyse zu unterziehen und somit, wie von Geimer vorgeschlagen, den Kontext zu reflektieren, wirft Carolin Emcke allgemeine Fragen auf: Wird zu wenig über eine „Ethik des Wegschauens“ diskutiert? „Das würde ich auch so sehen“, antwortet Geimer

Es ist ein altes Gesellschaftsspiel, Fragen zu vermeiden, die sich mit Ja oder Nein beantworten lassen. Interviewer sollten es beherrschen, weil sonst die Antworten sehr kurz ausfallen. Carolin Emcke beherrscht es nicht. Gibt es Zitate christlicher Ikonografie in Bildern? „Das ist so“, antwortet Geimer. Ist die Bedeutung von Bildern zu selten in der öffentlichen Debatte? „Das sehe ich auch so.“ Wachsen mit dem Zweifel am Wahrheitsgehalt von Bildern auch Gleichmut und Zynismus, will man sich immun machen gegen die Überflutung mit Bildern des Leides? „Ja“, sagt Geimer, „das wäre auch mein Verdacht.“ 

Gleichmut  im Publikum

Gleichmut wächst während dieses Bestätigungs-Ping-Pongs auch im Publikum, so sehr, dass einer älteren Dame zeitweilig die Augen zufallen. Aber wie war das noch mit der Demokratie und der Bildmacht? Gegen Ende kommt Carolin Emcke darauf mit der Frage zurück, ob Peter Geimer etwa mit Politikern, die ja stets im Visier von Kameras seien, auch Mitleid habe. „Ja“, lautet seine Antwort. Aha.

In der nächsten Folge spricht Carolin Emcke am 13. März 2019 um 19 Uhr in der Cumberlandschen Bühne mit der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann über die Bedeutung von Chroniken. 

Von Daniel Alexander Schacht

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