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Kultur Spengemann probt für Boulevardkomödie
Nachrichten Kultur Spengemann probt für Boulevardkomödie
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09:05 11.11.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Tonnenweise Taktgefühl: Tanja Wenzel, Carsten Spengemann, Martin Zuhr, der musikalische Leiter Wolf-Guido Grasenick und Werner H. Schuster auf der Probe.  Quelle: Meyer-Arlt
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Hannover

Carsten Spengemann zeigt seine Handflächen: Rot! Blutig geschlagen. Und auch die beiden Schlägel, mit denen er gerade noch auf eine Mülltonne eingeprügelt hat, sind blutbefleckt. Der Schauspieler hat entschieden zu viel getrommelt. Aber einmal muss er noch. Die Schlusssequenz soll wiederholt werden. Spengemann greift sich die blutigen Schlägel, trommelt – und lacht dabei.

Der Schauspieler und Moderator spielt in „Ganze Kerle voll im Takt“ mit, einer Boulevardkomödie von Kerry Renard. Die erzählt von Leuten, die einen kleinen Schrottplatz betreiben und in Schwierigkeiten geraten. Während beim Boulevardtheater gemeinhin Türen auf und zu geschlagen werden, schlagen die Schauspieler hier auf Mülltonnen herum. Das Stück kombiniert die Komödie mit Elementen des erfolgreichen Rhythmusspektakels „Stomp“.

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Viele Schauspieler verfügen zwar über Rhythmusgefühl, die wenigsten aber sind ausgebildete Percussionisten. Aber manchmal findet man doch solche Doppelbegabungen. Wolf-Guido Grasenick ist Schauspieler und Bühnenmusiker. Er hat Trommeln in seinem Studium gelernt, kennt sich aus mit vertrackten Rhythmen und ist hier nicht nur als Schauspieler, sondern auch als musikalischer Leiter tätig. Auch Martin Zuhr ist ausgebildeter Musiker. Zwei Trommelprofis im fünfköpfigen Ensemble (zu dem auch Tanja Wenzel und Werner H. Schuster gehören) – das gibt die Möglichkeit, auf dem Grundtakt das eine oder andere ausgefallene Solo zu präsentieren.

Zu einfach darf das, was die Trommel-Laien machen, nicht sein – schließlich will man sich ja an „Stomp“ messen. Also gab es Trommelunterricht für die Anfänger. „Es gibt keine Rhythmus­legastheniker“, sagt Wolf-Guido Grasenick, der Rhythmuscoach des Ensembles – und mit dieser optimistischen Grundeinstellung hat er alle Schauspieler des Ensembles zu Trommlern gemacht. Jedenfalls zu Bühnentrommlern. Echte Percussionisten müssen noch ein bisschen mehr lernen. Carsten Spengemann jedenfalls kennt seine Grenzen: „Ich habe auch schon mal einen Schönheistschirurgen gespielt – das, was ich dabei gelernt habe, setzte ich natürlich nicht in der Wirklichkeit um.“ Mit dem Trommeln sei das ähnlich.
Die ersten Probenwochen seien „die Hölle“ gewesen, sagt Spengemann. Aber irgendwann hat er seinen Rhythmus gefunden, oder der Rhythmus ihn. Mittlerweile klappt sogar die Samba mit den Werkzeugkisten.

Die Instrumente, die in „Ganze Kerle voll im Takt“ zum Einsatz kommen, stammen übrigens aus dem Baumarkt. Die Auswahl war gar nicht so einfach, erzählt Jan Bodinus, der Regisseur: „Manches Rohr klingt auf dem Betonboden im Baumarkt ganz toll, aber auf der Bühne nur so lala.“ Bei den Rohren hat man sich dann für „Magic Jollyflex“ entschieden, ein biegsames Kunststoffrohr, das erstaunliche Geräusche macht, wenn man es auseinanderzieht und zusammendrückt.

Der Sound ist gut. Wenn es zur Geschichte passt, könnte sich auf der Bühne eine ganz besondere Magie entfalten.

Am 22. November hat „Ganze Kerle voll im Takt“ Premiere im Theater am Altstadtmarkt in Braunschweig. Danach geht das Stück auf Tournee. Vom 10. bis 12. Dezember, sowie am 31. Dezember ist es in Hannover im Theater am Aegi zu sehen.

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