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Kultur Jeder zweite Satz eine Pointe
Nachrichten Kultur Jeder zweite Satz eine Pointe
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00:30 12.11.2015
Witzemacher Ralph Ruthe. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

Ralph Ruthe ist so ein Kumpeltyp. Mit Halbglatze und leichten Rettungsringen um die Hüften sitzt er auf der Bühne des Pavillon an einem Stehtisch, als säße er in einer Kneipe. Entspannt. Als wäre der große Saal nicht wirklich ausverkauft, als erzähle er seine Witze nur ein paar Freunden.

Ralph Ruthe ist Cartoonist, Witzezeichner, Witzeerzähler, einer der bekanntesten Deutschlands. Seine Zeichnungen erscheinen in vielen Tageszeitungen, seine Animationsfilme geistern immer wieder durchs Internet. Es wird wohl kaum jemanden geben, der seine Tierarmada aus Koalas, Giraffen, Fischen und Schafen in ärgerlichen Alltagssituationen noch nicht gesehen hat.

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Ruthes Bühnenprogramm ist dicht gepackt. In guten zwei Stunden zeigt er alte und neue Filme, beispielsweise eine neue Folge seiner Fisch-Serie „Flossen“ oder eine Folge seiner bekannten Werbeparodien. Außerdem zeigt er Zeichnungen, Projekte, die es nie über die Planungsphase hinaus geschafft haben, zweimal singt er etwas.

Zwischendrin erzählt Ruthe auch aus seinem Alltag, mal nicht so ernsthaft - „morgens um acht postet mein cracksüchtiger Affe den ersten Cartoon auf Facebook“ - mal überraschend ernsthaft. Er gibt Einblick in seine Witzewerkstatt, für die er hauptsächlich private Social-Media-Accounts als Notizbuch benutzt. Es gibt Fotos einer nie gezeigten Pilotfolge einer seiner Animationsserien, für die statt Zeichnungen Puppen verwendet werden sollten. „Aber das Team war so groß, da konnte ich oft meine Ideen nicht umsetzen“, sagte er dazu.

Solche Momente der Ernsthaftigkeit sind allerdings selten an dem Abend. Meistens sitzt Ruthe auf seinem Barhocker an dem Stehtisch, liest - manchmal recht hölzern - aus seinem Skript, in dem jeder zweite Satz eine Pointe ist, oder er zeigt seine Zeichnungen und Filme, in denen ebenfalls jeder zweite Satz eine Pointe ist.

Einerseits ist das selbstverständlich eine Berufsanforderung für einen, dessen Beruf das Witzeerzählen ist. Andererseits zündet nicht jeder Witz, oft, weil Ruthes Humor gerne schwarz sein möchte, sich dann aber - wie schon direkt im ersten Film, bevor Ruthe überhaupt auf der Bühne ist - in der letzten Sekunde in Gefälligkeit und beziehungsweise oder Witzen über Blähungen verliert.

Das ist etwas schade. Ruthe ist auf der Bühne im Großen und Ganzen ein symphatischer Typ, dem man gerne zuhört, einige seiner Witze zünden auch. Richtig interessant wäre der Abend allerdings mit mehr Einblick in Ruthes Werkstatt geworden, und ohne den Zwang, dass eine Pointe ohne Rücksicht auf Verluste die nächste jagen muss.

Von Jan Fischer

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