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Nachrichten Kultur Chris Rea tritt Sonnabend in Hannover auf
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02:15 30.10.2017
Von Mathias Begalke
Chris Rea bei einem Auftritt vor wenigen Tagen in Basel. Quelle: Georgios Kefalas
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Hannover

Rea ist ein Dezembersänger. Doch nach seiner Krebserkrankung Anfang des Jahrtausends und der riskanten Bauchspeicheldrüsen-OP tat er erst einmal das, was er wirklich wollte. Er malte Bilder von blauen Gitarren und erforschte den Blues, die Musik, die er am liebsten hat. Mit dem Projekt „Blue Guitars“ dokumentierte er die komplette Blues-Geschichte: in 137 Songs.

Nun ist er zu seinem Dezemberpop zurückgekehrt. Die Idee für sein neues Album „Road Songs for Lovers“ hatte er, während er mit seinem BMW X3 im Stau steckte und die Menschen um ihn herum beobachtete. „Ich bin ein guter Beobachter“, sagt der 66-Jährige, der ursprünglich Journalist werden wollte. Sobald er zwei Menschen in einem Auto sieht, spekuliert er: Ob die beiden wohl ein Paar sind? Sind sie glücklich? Immer noch verliebt? Woran denken sie? Ob sie vielleicht einsam sind?

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Auch während des Telefoninterviews spricht er mit dieser heiseren Husky-Stimme. Sie klingt, als fühle sie sich umzingelt von desillusionierten Menschen, von Seelen im Stillstand. Stimmt das? „Absolut“, antwortet Rea. Deshalb singe er immer wieder über Einsamkeit, obwohl er selbst schon lange den Halt gefunden hat, nach dem sich so viele sehnen. Er und seine Frau Joan haben sich mit 16 kennengelernt. Für die beiden Töchter hat er Songs geschrieben, die zu seinen größten Hits zählen: „Josephine“ und „Julia“.

Nach seinem Schlaganfall im vorigen Jahr ermunterte ihn seine Frau, wieder auf Tournee zu gehen. „Tu etwas“, habe sie ihm geraten. „Nimm eine Herausforderung an.“ Denn sie weiß: Stillstand tut ihrem Mann nicht gut. „Moving on“, einer der neuen Songs über die Hast, die einen nie zur Ruhe kommen lässt, ist wohl ein Selbstporträt. „Yeah“, sagt er, „ich muss immer weiter. Manchmal frage ich mich: Warum hältst du nicht einfach mal inne und genießt die Dinge, die du hast?“

Die Folgen des Schlaganfalls behindern ihn bis heute. „Nicht beim Autofahren“, sagt der Amateur-Rennfahrer. Denn dabei könne er ja sitzen. Im Stehen aber, im Übungsraum oder auf der Bühne, plagten ihn Gleichgewichtsstörungen. Auch habe er Probleme mit der linken Hand, seiner Greifhand. Er habe hart üben müssen, damit er bei den 37 anstehenden Konzerten die für seinen Sound typische Gitarre spielen kann, die zwischen Singen und Schreien schwebt. Einen Ersatzmann zu engagieren war für ihn undenkbar. „Ich bin nicht der beste Gitarrist der Welt, aber ich klinge wie kein Zweiter.“

In „Nothing Left Behind“, dem schönsten Lied des neuen Albums, versucht jemand, seinem Kummer davonzufahren. Er flüchtet sich in die Nacht, fährt durch die Finsternis bis zum nächsten Morgen, bis nichts mehr übrig ist vom Schmerz der Liebe: „Till the blue Sky kills the Grey“. „Blue Sky“ ist eine von Reas Lieblingsmetaphern. Auch in vielen alten Stücken besingt er den hoffnungsvollen Himmel. Sah er, nachdem er die schweren Krankheiten überstanden hatte, ein anderes Blau als vorher? „Nein“, sagt er, „aber die Schönheit des Himmels fällt mir seitdem eher auf.“

Im Stau zu stecken inspirierte den Musiker schon früher. Seinen Hit „The Road to Hell, Part II“ schrieb er, als es auf der M4, die London und Südwales miteinander verbindet, nicht mehr vorwärts ging. Auch „Driving Home for Christmas“ ist ein Stausong. Der Einfall kam ihm im Austin Mini seiner Frau auf dem Weg nach Middlesbrough.

Ist so ein Täglich-grüßt-das Murmeltier-Lied, das immer wiederkehrt, eigentlich Fluch oder Segen? Er sei froh darüber, sagt er, wie über jeden seiner Greatest Hits. „Die Hits haben mein Leben geprägt, sie haben mir das Leben als Musiker erst ermöglicht.“ Und seine Fans, da ist er sich sicher, wollen nichts anderes hören. Speziell „Driving Home for Christmas“, offenbart er, finanziert ihm bis heute den Urlaub.

Konzert: Chris Rea tritt am Sonnabend im hannoverschen Kuppelsaal auf.

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