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Kultur Christina Aguilera und Cher in „Burlesque“
Nachrichten Kultur Christina Aguilera und Cher in „Burlesque“
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19:07 05.01.2011
Diva trifft Blondine: Cher (links) und Ali (Christina Aguilera).
Diva trifft Blondine: Cher (links) und Ali (Christina Aguilera). Quelle: Sony Pictures
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Sie ist die Blondine vom Land: Ali, die kieksige Unschuld mit Kurven, die endlich auf die Bühne kurven will. Die Bühne steht in Los Angeles, heißt Burlesque Lounge und bietet eines garantiert nicht: eine Burlesque-Show. Dafür ist Hollywood viel zu prüde und verklemmt. Dafür jedoch wird im Stakkato immer wieder betont, was einfach nicht zu sehen ist: eine witzige, sexy Show. Womit sich der Titel dieses Hollywoodprodukts bereits als Schwindel erledigt hat.
Aber es bleibt ja noch die Geschichte, na ja, das blasse Geschichtchen. Da ist also Ali, die aus der Provinz auszog, um ein Star zu werden, eine Sängerin und Tänzerin. Sie strandet im Klub der alternden Glamour­diva Tess (Cher), kellnert, bis sie mit dem Barkeeper ins Bett kegelt, trägt Schnute im Gesicht und Träume im Herzen – bis der Tanzstar so unzuverlässig und zickig wird, dass Ali sich beim Vorsingen ihre Chance nimmt.

Tess klingen die Ohren, ihr schwuler Kostümbildner klingelt mit den Pailletten, und ein reicher Mann winkt mit einem großen Scheck. Er will den Laden, und er will Ali. Die füllt inzwischen die Burlesque-Bar mit Besuchern – und das Herz von Tess mit Hoffnung.

Willkommen in der Rumpelkammer des Musicalkinos! Zehn Jahre nach Lars von Triers „Dancer in the Dark“, der das verstaubte Genre kräftig durchlüftete, drei Jahre nach Julie Taymors „Across the Universe“, das eine neue Ära des Erzählens mit Musik einleitete, wickelt Regisseur Steve Antin „Burlesque“ wieder in den mottenzerfressenen Umhang der abgefilmten Bühnenshow. Die Songs (bis auf die von Cher): lausig. Die Choreografien: phantasiefrei und mit raschen Schnitten so aufgebrezelt, dass es staubt. Gesungen werden die Ruckelmelodien vorzugsweise laut, was keinen Akkord besser macht. Christina Aguilera, die das Häschen reichlich häschenhaft spielt, bleibt so bleich, wie ihre Lieder nerven. Da kündigt sich nach „Bionic“ wohl mit dem Soundtrack der nächste Verkaufsflop an. Obwohl das ganze „Burlesque“-Show(er)stück so aussieht, als wäre es nur gedreht, um eine CD zu promoten.

Wirklich überzeugend ist im Grunde einzig Cher, nur echt ohne Falten und garantiert alterslos. Betritt sie die plüschigen Dekorationen, weht Glamour durch die Kulissen, wird die flache Aufsteigerstory endlich einmal mit Leben gefüllt. Das Fatale: Cher taucht zu selten auf – und muss dann auch noch oft schrecklich hölzerne Dialoge sprechen. Dabei wird sie sehr alleingelassen. Eine Regiehandschrift ist so wenig auszumachen wie eine Spur von Erotik. Mit Sicherheit wäre die echte Burlesque-Sängerin Dita von Teese die bessere Ali gewesen. Dann hätte es wenigstens eine Neo-Burlesque-Show gegeben – und nicht nur ein überlanges Versprechen.

Mies getanzt, lausig gesungen: Schwache Show. Cinemaxx Nikolaistraße, CineStar, Kinos am Raschplatz.

Norbert Wehrstedt

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