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Kultur Lesung mit Happy End
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22:19 16.01.2014
Von Martina Sulner
„Ich bin eine Plaudertasche“: Christine Westermann. Quelle: Moritz Küstner
Hannover

Es dauert keine zwei Minuten, da hat Christine Westermann das Publikum vollends auf ihrer Seite. „Sie wollen bestimmt mal sehen, wie sieht die Westermann in echt aus? Ist sie so dick wie im Fernsehen?“, sagt die Moderatorin und Autorin zur Freude der Besucher. Dabei hat das Publikum, bevor die Autorin überhaupt den Mund aufgemacht hat, bereits begeistert applaudiert: Als Lehmanns-Mitarbeiterin Sibylle Rahm den Gast als „großartige Frau“ ankündigte, brandete der erste Beifall auf.

Christine Westermann hat es einfach drauf. In Windeseile schafft die Fernseh- und Radiomoderatorin eine Atmosphäre, als säße man da nicht in der zweiten Etage einer Buchhandlung, sondern irgendwo mit ihr am Kneipen- oder Küchentisch. „Ich finde es immer toll, wenn Leute meinetwegen kommen“, sagt die „Zimmer frei“-Moderatorin fröhlich. Und ermuntert das Publikum, jederzeit Fragen zu stellen – zu Büchern, aber auch zu „Götzi-Maus“, wie sie Götz Alsmann nennt, mit dem sie seit Jahren die Sendung „Zimmer frei“ moderiert. Noch bevor eine Frage aufkommt, warnt sie die Besucher allerdings schon: „Wenn Sie Götz mal treffen, fragen Sie ihn niemals nach seiner Frisur. Niemals.“

Unterhaltsam und souverän, ohne routiniert zu wirken, spricht Westermann über die Arbeit an ihrem Buch „Da geht noch was. Mit 65 in die Kurve“ (Kiepenheuer & Witsch), in dem sie über sich schreibt und darüber, was es heute bedeutet, 65 zu werden. Im Dezember feierte sie ihren 65. Geburtstag, und im Buch und beim Auftritt in Hannover sinniert sie darüber, was das Wort „alt“ bedeutet. Sie erzählt von ihrer Mutter, die dreimal verheiratet war und mit 64 starb, von ihren „Stief-Omas“, die ihr als Kind unendlich alt vorkamen, mit ihren Stützstrümpfen und den orthopädischen Schuhen. Und auch davon, wie sie erst verdattert und dann empört war, als ein Schuhverkäufer meinte, gelbe Turnschuhe seien doch unpassend für eine alte Frau. „Die alte Frau, das war ich!“, sagt Westermann.

Das sind so Geschichten aus dem Alltag nicht mehr ganz junger Frauen, nicht tiefschürfend, aber ein Großteil des Publikums – hauptsächlich Frauen, hauptsächlich „Ü 50“ – erkennt sich in den Anekdoten wohl wieder. Immer wieder glucksen die Besucher vergnügt, lachen und applaudieren. Die Wohlfühlatmosphäre erzeugt Christine Westermann vor allem, weil sie von ihren Zweifeln und Schwächen berichtet. Egal, ob das Westermanns Masche ist, tatsächlich ihre Art oder eine gut dosierte Mischung aus beidem: Man hat das Gefühl, dass da keine unnahbare Bestsellerautorin sitzt, sondern eine Frau mit ganz normalen Schwachstellen. Sie stecke voller Vorurteile, sagt sie etwa. Und kündigt ein Kapitel aus dem Buch an, in dem es genau darum geht. Schon vor dem Lesen nimmt sie einen Großteil des Textes vorweg: „Das mache ich ständig – ich bin eine Plaudertasche.“

Das Publikum ist hingerissen von der Bestsellerautorin, die so viel redet und liest, dass am Ende des Abends nur eine Frage gestellt wird. „Warum haben Sie geheiratet?“, möchte eine Besucherin wissen. „Aus Liebe natürlich“, antwortet Westermann und erzählt, wie sie mit Anfang fünfzig ihren Mann kennengelernt hat. Die meisten Zuschauerinnen scheinen diese Geschichte, die die Autorin in diversen Talkshows und Interviews zum Besten gegeben hat, zu kennen. Schadet nichts – so eine romantische Erzählung mit Happy End hört man immer wieder gern.
Und – wie sieht Christine Westermann in echt aus? Blendend. Und überhaupt nicht dick.

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