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Kultur Ein schwebendes Verfahren
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18:27 18.12.2013
Von Uwe Janssen
Bitte nicht zu Hause nachmachen: Drei Artistinnen aus der schillernden „Quidam“-Welt. Quelle: dpa
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Hannover

Wenn Luc Ouellette im Zusammenhang mit seiner Arbeit von „gut“ spricht, meint er gar nicht gut. Er meint: perfekt. Das ist sein Anspruch. Und das, was für die Zuschauer längst perfekt aussieht, muss für ihn noch nicht einmal gut sein. Nur so, sagt Quellette, lasse sich die Qualität halten. Niveau, das ist auch so ein Stichwort bei den Künstlern, die für den Cirque du Soleil arbeiten. Ouellette ist künstlerischer Leiter der Tourneeproduktion „Quidam“, die derzeit durch die Lande tourt und im kommenden Jahr auch in Hannover gastieren wird.

Den wachen Augen des glatzköpfigen Kanadiers entgeht nichts. Wenn ihm etwas auffällt an der Aufführung, und ihm fällt immer etwas auf, dann spricht er es leise in ein Diktiergerät und schreibt es hinterher auf. Die Artisten erfahren ihre Fehler direkt im Anschluss an die Show und müssen sofort nacharbeiten. Egal, ob es Neueinsteiger sind oder erfahrene ehemalige Leistungssportler, die ihre Karriere in der Showbranche fortsetzen. Eines der vielen Prinzipien zur Qualitätssicherung. Der künstlerische Direktor wacht darüber, dass „Quidam“ exakt so bleibt, wie sie bei der Premiere 1996 war. Ouellette sagt es so: „Ich passe auf, dass der Show nichts passiert.“

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Manchmal taucht auch der Chef auf. Guy Laliberté saß neulich unangemeldet in Bratislava im Publikum. Der Abend habe ihm gefallen, sagt Ouellette. Er habe applaudiert. Auch neue Shows nehme der Chef selbst ab. „Manchmal applaudiert er. Manchmal verschränkt er die Arme. Dann müssen wir da nochmal ran.“ Knapp 20 Shows schickt Lalibertès in Montreal beheimatetes Unternehmen derzeit um die Welt oder lässt es in festen Theatern spielen. Es geht gerade wieder aufwärts nach einem schwierigen Jahr 2012, in dem der Cirque du Soleil erstmals keinen Gewinn erwirtschaften konnte, 400 Mitarbeiter entließ und Shows wie „Zed“ in Tokio aus dem Programm nahm. Ouellette war in Tokio dabei. „Nach der Erdbeben und Tsunami-Katastrophe war es für die Japaner schwer, öffentlich fröhlich zu sein. Wir haben ,Zed‘ erst unterbrochen und dann aufgegeben. Es gibt viele außergewöhnliche Gründe, warum es nicht funktionieren kann: der Ort, die Zeit, das Timing, ein Unfall.“

Die Tourneeproduktion „Quidam“ hat solche Probleme nicht. Es ist ein schwebendes, fließendes, manchmal gar kontemplatives Spektakel, das sich mal auf der runden, drehbaren Bühne, manchmal hoch über ihr abspielt. Die Artisten bilden fliegend Menschentürme, wickeln sich in wallende Tücher der Hallendecke entgegen, um sich dann fallend auszuwickeln und erst kurz vor dem Boden zum Stehen zu kommen. Auf äußerst elegante Weise wird das gute alte Rhönrad wieder in Szene gesetzt. Die vielleicht schönste Nummer ist aber eine ganz alte: Seilspringen, kreuz und quer durcheinander, vor-, hinter- und übereinander, und das  mit gut einem Dutzend Leuten und rasend schnell. Das Schwere sieht wie so oft so einfach aus.

Die einzelnen Nummern sind in die Geschichte eines kleinen Mädchens eingebunden, das sich aus der doofen Realität in die bunte Welt des Sonnenkreises träumt – und in den großen Hallen nicht die einzige ist, die dabei sehr gute Laune bekommt. „Quidam“ beschwört die Kraft der Fantasie, und es beschwört auch die Schönheit der Kunstform Zirkus, die heutzutage ein bisschen aus der Zeit gefallen scheint. Tiere gibt es im Cirque du soleil nicht, das Tatarata der Showband wird hier durch Sinnlichkeit ersetzt, in Form von Pop- und Weltmusik, einem verspielten Licht- und Bühnendesign. Und einem hohen Qualitätsanspruch. Dafür sorgen schon Luc Ouellettes wache Augen.

Vom 21. bis 25. Mai in der TUI Arena Hannover. Karten an allen Vorverkaufsstellen und unter (05 11) 44 40 66.

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