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Kultur Cross und quer
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00:15 24.06.2013
Von Uwe Janssen
Foto: Da geigt er wieder in Hannover: David Garrett im "Sportpark".
Da geigt er wieder in Hannover: David Garrett im "Sportpark". Quelle: Alexander Körner
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Hannover

Er macht sich nicht gerade rar, dieser David Garrett. Es ist Sommer, da lässt es die Kunst normalerweise etwas ruhiger angehen, aber Garrett eilt von Termin zu Termin. Hessen-Tag, Obama-Besuch, am Sonntag ein Gastspiel beim Konzert von Andrea Bocelli, und zwischendurch ein Konzert im Erika-Fisch-Stadion Hannover. Das Erika-Fisch-Stadion erlebt seinen ersten Geiger, wohl auch seinen letzten, denn die Mehrkampfanlage, die für diesen Anlass in „Sportpark“ umbenannt worden ist, wird normalerweise von Sportlern genutzt und ist, so gut es geht, für drei Tage in eine Kulturarena umgewandelt worden.

Aber Garrett ("Hallo Hannover!"), ist nicht nur sportlich in Shirt, Jeans und lässiges Sakko gekleidet, er ist ja auch auf seine Art irgendwie Sportler. Der Ruf, der Schnellste zu sein, eilt ihm voraus, außerdem zeugt sein Konzertpensum von ziemlicher Ausdauer. Allein in Hannover ist es sein dritter Auftritt innerhalb von zwei Jahren, dafür brauchen andere Vertreter dieser Prominenzliga ein Jahrzehnt. Im Frühjahr trat Garrett im Kuppelsaal mit einem Klassikprogramm an. Jetzt gibt’s Massentaugliches aus Garretts üppig sortierten Gemischtwarenladen. Mit Rockband und der Neuen Philharmonie Frankfurt. Er nennt es Crossover. Klingt einfach besser.

Das Wetter ist auch crossover. Hell- und Dunkelblau wechseln über den in akkurate Planquadrate aufgeteilten Stuhlreihen im Erika-Fisch-Stadion. Und vorn auf der großen Bühne wechselt Garrett pausenlos die Musikfarbe. Mit „We Will Rock You“ stampft er los, und zwischen Coldplay, Tschaikowskis „Schwanensee“, Mikis Theodorakis hin und her zu geigen, ist technisch eine seiner leichtestesn Übungen. Auch, wenn der Versuch, sich AC/DC's "Thunderstruck" zu nähern, trotz aller Video- und Pyrounterstützung grandios in die Hose geht. 

Es ist ein echtes Sommerprogramm. Mit Tänzern in schönen Kostümen, Akrobaten zu "Somewhere over the Rainbow" und Garretts Tourneeanekdoten. Die 10.000 Wettergewappneten im nicht ganz ausverkauften Erika-Fisch-Stadion feiern ihn trotz böigen Windes. Und Garrett lacht. Aber er lacht irgendwie immer. Man kann aus seiner Mimik und aus seinen Ansagen nicht so genau herauslesen, wie er gerade drauf ist. Es ist sein Showgesicht. Es ist ja auch eine Show. Ohne diesen hochkonzentrierten verbissenen Prüfungscharakter, den Klassikkonzerte häufig verströmen. Hier sollen alle Spaß haben. Haben auch alle. Mission erfüllt.

Vor der Pause gibt’s Chopin und Bizét, das Scherzo aus Beethovens Neunter geigt er beim flotten Streifzug durchs Publikum. Dazwischen Metallica, als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre. In die Pause schickt der Star seine Fans mit John Miles' „Music“. Da singen sie schon mit, und nicht nur hier ist die Night of the Proms ganz nah. „Music was my first love, and it will be my last“ - es ist ja auch einfach eine schöne Zeile.
Nach der Pause geht's sportlich weiter, "Eye of the Tiger" geigt er im Rocky-Gedächtnismantel auf einer Mittelbühne, Jacko und Mozart, Vivaldi und Queen - alles geht, cross und quer. Viel Jubel. Wie sich's für ein Stadion gehört.

Uwe Janssen 21.06.2013
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