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Kultur DDR-Rückblick mit Jan Josef Liefers
Nachrichten Kultur DDR-Rückblick mit Jan Josef Liefers
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17:39 30.05.2012
 Jan Josef Liefers spielte im Theater am Aegi. Quelle: Wilde
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Hannover

Es war einmal in einem Land vor einiger Zeit, da gab es das Sandmännchen statt der Barbie-Puppe, Ampelmännchen mit Hut und straßenlange Warteschlangen, wenn ein „Konsum“ mal wieder Bananen im Sortiment hatte. „Die DDR gab es dreimal“ erzählt Jan-Josef Liefers: „Jene, die tagtäglich in den Zeitungen stand, jene, in der man tagein tagaus lebte, und jene, die sich so viele erträumten. Doch nur eine davon existierte wirklich.“ In seiner Musikshow „Soundtrack meiner Kindheit“ fügt der als „Tatort“-Pathologe Dr. Boerne bekannte Künstler eine vierte Version hinzu: seine ganz persönliche, an das Aufwachsen in Dresden und an den Ost-Rock geknüpfte Erinnerungs-DDR.

Von der alles schönenden Ostalgiewelle, die mit Filmen wie „Goodbye Lenin“ über die Bundesrepublik schwappte, bleibt dieses Programm unberührt. Liefers Stärke liegt in einer abgeklärten Mischung aus Mediencollage, Anekdoten und Rockmusik. Nur leicht nostalgische Super-8-Filme aus dem Familienarchiv zeigen den heranwachsenden Jan auf Spielplätzen zwischen Plattenbauten. Hinzu kommen Radiomitschnitte der Thälmannpioniere sowie von Walter Ulbricht und Erich Honecker.

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Liefers‘ Geschichten über Politik, Schulzeit, Medien und die Reise(un)freiheit im sozialistischen Staat sind geprägt von seinem ironisch rückblickenden Standpunkt. Aussagen wie Ulbrichts ratloses „Ja, wo ist denn nun das reine Glück? Tja ...“ bekommen dabei eine gewisse Komik, die auch das westdeutsche Publikum versteht. Liefers vermittelt gekonnt zwischen zwei Ländern, die inzwischen seit Jahren – wie er sagt – „vielleicht keine Liebesbeziehung, aber eine Zweckehe“ führen.

Den roten Faden bilden die Musikstücke. Mit seiner Band Oblivion interpretiert Liefers Songs der DDR-Größen Silly, Karat, den Puhdys, Lift, Electra, Klaus Renft, Czerwone Gitary (Die Roten Gitarren) sowie Pankow und Feeling B. Dabei klingen Gitarren, Keyboard, Akkordeon und Schlagzeug ein bisschen wie die hundertste Kopie der Kopie der Pink-Floyd-Kassette, die im Westpaket in die DDR kam: merkwürdig – aber faszinierend.

Denn in Songs wie „Schlohweißer Tag“ und „Mein Herz soll ein Wasser sein“ steckt noch das meiste von Ostdeutschland: Einerseits der mit Fernweh verbundene Traum von einem besseren Leben, andererseits die vielen kreativen Metaphern, die dem Zweck dienten, die Lieder vor der Zensur zu schützen. Ein wenig müde wirkte der Bühnenstar nach drei Jahren erfolgreicher Tour mit diesem Programm. Doch das Theater am Aegi war auch beim dritten Auftritt in Hannover ausverkauft. Und am Ende gab es begeisterten Applaus im Stehen.

Jacqueline Moschkau

Uwe Janssen 30.05.2012
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