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Kultur Auszeichnung für Wiener Künstlerin
Nachrichten Kultur Auszeichnung für Wiener Künstlerin
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14:20 19.01.2018
Kowanz Celle Lichtkunstpreis
Kowanz Celle Lichtkunstpreis Quelle: Hesse, Mona
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Celle

 Man kennt es aus „James Bond“-Filmen oder dem „Tatort“. Man nennt es Spionspiegel – ein Glas, das mit einer so dünnen Metalloxidschicht bestäubt ist, dass nur ein Teil des Lichts reflektiert wird und der Rest das Glas durchdringt. Und man kann damit faszinierende Effekte erzeugen: Man kann Tiefe ahnen lassen, wo nur Fläche ist, Unendlichkeit, wo bloß ein eng begrenzter Reflexionsraum besteht, Vielschichtigkeit, wo lediglich zwei Ebenen einander endlos widerspiegeln. 

Lauter Reiche neuer Chancen

So tief und vielschichtig wie einander spiegelnde Spiegel ist das Werk der Wiener Künstlerin Brigitte Kowanz. Es hat zuletzt bei der Biennale in Venedig Aufsehen erregt, wo Kowanz gemeinsam mit Erwin Wurm, einem weiteren international prominenten Künstler Österreichs, den Pavillon der Alpenrepublik gestaltet hat. Und es wird nun im Kunstmuseum Celle zu sehen sein. Denn dort startet am Sonntag unter dem Titel „Botschafterin des Lichts“ eine Ausstellung zu Ehren von Brigitte Kowanz, die an diesem Tag mit dem Deutschen Lichtkunstpreis ausgezeichnet wird. 

Die Wiener Künstlerin wird in Celle mit dem Deutschen Lichkunstpreis ausgezeichnet – und ihre Werke sind im dortigen Kunstmuseum zu sehen.

Da wird dann zum Beispiel die Spiegel-Neon-Installation „Google 15.09.1997“ gezeigt, deren Titel an den Tag erinnert, da die weltweit erfolgreichste Suchmaschine unter diesem Namen online ging. Kowanz geht noch weiter zurück, erinnert mit ihren Arbeiten an den 12. März 1989, als das Internet öffentlich präsentiert wurde. Oder an den 6. August 1991, als die erste Website online ging, das Internet also für die Allgemeinheit zugänglich wurde. 

In Celle zu sehen sind auch „iPhone 09.01.2007“ und „Wikipedia 15.01.2001“, die jeweils an den Start dieser Innovationen erinnern. Die Titel sind dabei nur Wiedergaben des jeweiligen Werkinhalts in lateinischer Schrift, die in dem Werk hinter den geschlungenen Neonbögen als lange oder kurze Linien nach dem Muster des Morsealphabets  fixiert sind. Und auch mit anderen Werken verweist sie auf ein derart mehrsprachig oder auch anders erweitertes „Realm of Possibility“, ein Reich der Chancen also, das durch die Digitalisierung gleichsam auf „Infinity and Beyond“, die Unendlichkeit und darüber hinaus also verweist, wie ein weiterer Werktitel lautet.

Brigitte Kowanz, eine Apologetin der Digitalisierung? Ironischerweise verwendet sie in ihren Arbeiten  weitgehend analoge Techniken – so als wollte sie diese mit der digitalen Welt versöhnen. Dabei erschafft sie durchaus in vielerlei Hinsicht erhellende Kunstwerke und Erkenntnisse. Immerhin hat sich die Professorin für transmediale Kunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien in ihrer künstlerischen Arbeit ebenso der Lichtkunst verschrieben wie als Wissenschaftlerin.  „Licht ist, was man sieht“, sagt die Preisträgerin. „Licht ist Information. Licht ist Leben.“

Renommee für Preis und Trägerin

„Brigitte Kowanz ist eine Botschafterin des Lichts“, sagt Robert Simon, der Gründer der nach ihm benannten Kunststiftung, die den Preis vergibt. Er hat auch bei dieser dritten Preisträgerkür wie schon zuvor auf mehr als nur deutsches Renommee geachtet: Immerhin folgte auf Otto Piene (1928-2014), der zwar aus Deutschland stammt, doch den größten Teil seines Lebens als Professor am Massachusetts Institute of Technology in den USA verbracht hat, der Kölner Medienkunstprofessor Micha Kuball. Und nun eben eine Österreicherin. So ein Lichtkunstpreis wächst eben auch mit der internationalen Anerkennung seiner Träger.

„Brigitte Kowanz: Botschafterin des Lichts“. Bis 22. Mai im im Kunstmuseum Celle, Schlossplatz 7. Ausstellungseröffnung nach der Preisvergabe am Sonntag, 21. Januar.

Von Daniel Alexander Schacht