Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Daniel Craig hat als Cowboy ständig den Hut verloren
Nachrichten Kultur Daniel Craig hat als Cowboy ständig den Hut verloren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:16 23.08.2011
Von Stefan Stosch
Foto: Daniel Craig hat seine Karriere im Theater begonnen.
Daniel Craig hat seine Karriere im Theater begonnen. Quelle: dpa
Anzeige

Mr. Craig, haben Sie gezögert, den Cowboy-Job in einem Film anzunehmen, in dem auch noch Aliens mit von der Partie sind?

Erst mal hat mich gewundert, dass ich überhaupt ausgewählt wurde. Ich bin kein Amerikaner, ich bin in Liverpool aufgewachsen. Ich fand aber gut, dass es ein richtiger Western sein sollte mit allem, was dazugehört. Nichtsdestotrotz: Der Titel lautet „Cowboys & Aliens“, das ist ein Popcorn-Film, und, ja, die Aliens landen tatsächlich im Wilden Westen.

Wie viele Hüte haben Sie ausprobiert, bis Sie diesen schicken breitkrempigen gefunden haben?

Unendlich viele. Wir haben versucht, historisch so korrekt wie möglich zu arbeiten. Das, was wir heute als Cowboy-Look ansehen, entstand erst viel später im 20. Jahrhundert. Der Mythos vom Revolverhelden hat quasi im Nachhinein unsere Vorstellung geprägt. Unsere Kostümdesignerin Mary Zophres war schon beim Coen-Western „True Grit“ dabei, sie kannte sich also bestens aus. Am Ende habe ich meine Kleidung ein bisschen von Steve McQueen aus „Die glorreichen Sieben“ geklaut.

Stimmt es, dass Sie viel Geld verloren haben, weil Sie jedes Mal eine Runde Bier schmeißen mussten, wenn Ihnen beim Drehen der Hut vom Kopf flog?

Ganz so schlimm war es nicht. Irgendwann habe ich auch einen echten Cowboy gefragt, wie der seinen Hut oben behält. Und der hat nur geknurrt: Haarspray.

Sehen Sie eine Verbindung zwischen Ihrem Cowboy und James Bond?

Ich denke nicht über James Bond nach, wenn ich eine andere Rolle spiele. Ich bin froh darüber, dass ich James Bond sein darf. Aber das hier ist ganz einfach eine andere Geschichte.

Können Sie uns etwas über den neuen, den 23. James-Bond-Film sagen, der so lange auf Eis lag und jetzt endlich in Angriff genommen werden soll?

Kann ich nicht, das ist alles geheim, und das wissen Sie ja auch. Aber wir können jederzeit loslegen. Das Skript ist zu achtzig, neunzig Prozent fertig. Wir haben mit Sam Mendes einen großartigen Regisseur. Im November soll Drehstart sein. Wir freuen uns schon drauf.

Sind Sie enttäuscht, dass es wegen der finanziellen Querelen um den MGM-Konzern so lange gedauert hat, bis Sie wieder den Geheimagenten-Smoking anziehen dürfen?

Nein, für mich war das großartig. Nur deshalb konnte ich „Cowboys & Aliens“ drehen oder mit David Fincher am US-Remake der „Millenium“-Trilogie arbeiten.

Wie sehr nerven Sie die Medien, seit alle in Ihnen James Bond sehen?

Vor 20 Jahren gab’s noch kein Internet, da war das noch handhabbar. Heute ist das alles wahnwitzig. Das Internet kannst du nicht kontrollieren, und du solltest es auch gar nicht erst versuchen. Alles kann überall veröffentlicht werden, es gibt keine Beschränkungen. Ich möchte wetten, dass in diesem Moment, in dem wir hier in diesem Berliner Hotelzimmer sprechen, ein paar Kameras aufs Adlon gerichtet sind. Aber das gehört zu meinem Leben. Ich habe keinen Grund, mich zu beklagen.

War Ihnen von Anfang an klar, dass James Bond Ihr Leben verändern würde?

Ja, ich habe eine Pro-und-Kontra-Liste gemacht, als das Angebot kam. Der Medienrummel stand auf der Negativseite, klar, aber es gab so viel auf der positiven. Ich hatte schon vorher eine Karriere, ich arbeite, seit ich 20 bin. Aber diese Möglichkeit war faszinierend. Am Anfang war es auch seltsam, zugegeben, aber jetzt bin ich absolut entspannt, was James Bond angeht.

Könnten Sie hier in Berlin noch spazieren gehen?

Nein, ich könnte jetzt nicht auf die Straße zum Brandenburger Tor. Jeder weiß, dass wir hier sind. Aber wenn ich privat nach Berlin käme und nicht gerade im Hotel Adlon absteigen würde, wäre das was anderes.

Gehen Sie in England manchmal noch in eine Kneipe und trinken ein Bier?

Ja, klar. Und außerdem habe ich große Bodyguards, die auch gerne einen trinken. Nee, war ein Witz: Ich lebe inzwischen sowieso die meiste Zeit in New York. Glücklicherweise haben die Leute dort immer noch Wichtigeres zu tun. Sie haben einen eigenen Beruf und ein eigenes Leben.

Wie schaffen Sie es, so gut in Form zu bleiben?

Ich gehe ins Fitnesszentrum. Sie glauben gar nicht, wie mich das langweilt. Wenn ich könnte, würde ich sofort mit dem Training aufhören. Aber wenn man so körperliche Rollen spielt wie ich, muss man in Form bleiben, schon um sich vor Verletzungen zu schützen. Und außerdem: Die Leute zahlen Eintritt, um James Bond in Topform zu sehen. Bond muss immer gut aussehen.

Daniel Craig wurde durch seine Rolle als James Bond berühmt. Zweimal – in „Casino Royale“ (2006) und „Ein Quantum Trost“ (2008) – war er der Geheimagent seiner Majestät. Begonnen hat der 1968 geborene Brite seine Karriere am Theater, unter anderem am legendären Londoner Old Vic Theatre. Im Kino machte Craig auch in dem Drama „Die Mutter“ (2003) und in Steven Spielbergs Mossad-Thriller „München“ (2005) auf sich aufmerksam. Sein neuer Film „Cowboys & Aliens“ startet am 25. August.

22.08.2011
22.08.2011