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Kultur Daniel Richter lässt tief blicken
Nachrichten Kultur Daniel Richter lässt tief blicken
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19:25 02.09.2011
Mit Daniel Richter holt die Kestnergesellschaft Hannover einen Superstar der neueren deutschen Malerei ins Haus. Quelle: Heusel
Hannover

Hey Joe“, murmelt der eine. Seine schattenhafte Silhouette mit Turban, Pluderhose und langem Bart weist ihn als typischen Taliban aus, während der andere, Joe mit Hut, ganz offensichtlich ein Cowboy ist. Und zwischen beiden funkt es. Die glimmende Zigarette kann man erahnen und mit ihr die knisternde Spannung, die über der Szene liegt. Wie die beiden so dastehen auf einem Felsvorsprung und den letzten Glimmstängel teilen, hinter ihnen ein Bergpanorama in eisigem Dunst, scheinen sie ganz bei sich selbst zu sein und sind doch vor allem Referenz.

Daniel Richters Gemälde „Hey Joe“ aus dem Jahr 2011 zitiert die Zigarettenwerbung und die deutsche Romantik, Caspar David Friedrich und den Marlboro-Mann und greift mit der Figur des Taliban auf die aktuelle Islamdebatte zurück. Mainstream meets Kunstgeschichte, Warenwelt trifft auf Politik, und aus der Reibung der widersprüchlichen Themen schlägt diese Kunst ihre Funken.

Mit Daniel Richter, Jahrgang 1962, holt die Kestnergesellschaft Hannover einen Superstar der neueren deutschen Malerei ins Haus und verspricht mit dem Titel der Ausstellung „10001nacht“ einen phantastischen Bilderbogen. Der soll die orientalischen Märchen aus Tausendundeiner Nacht offenbar noch um ein Vielfaches übertrumpfen. Denn genauso kennt man den Künstler: als Meister des maximalen Überflusses, als einen, der mit vitaler Geste und geradezu rauschhafter Lust an der Vielfalt der Farben die Malerei wiederbelebt. Die war natürlich nie tot. Denn ohne die Neuen Wilden der achtziger Jahre und ohne den künstlerischen Furor eines Martin Kippenberger oder Albert Oehlen in den neunziger Jahren ist Daniel Richters Kunst nicht denkbar.

Im Untergeschoss seiner hannoverschen Schau, die Arbeiten aus den vergangenen drei Jahren versammelt, trifft die grelle Farbpalette den Besucher mit geradezu gewalttätiger Wucht. Leuchtend rote Landschaften liegen unter giftgrünen Himmeln, violett scheinen Bergkuppen auf oder schwelen in gelbem Glanz. Wie Geistererscheinungen wirken die Figuren, die über die Leinwand huschen. Oft sind sie nur schattenhaft angedeutet, dann wieder scharf konturiert, als betrachte man sie durch ein Hightech-Nachtsichtgerät. Es ist eine apokalyptische Welt, in der der Mensch ein Gejagter ist oder ein Jäger mit der Waffe in der Hand. Bedrohung ist allgegenwärtig.

Dass Richters überbordender Bildkosmos präzise organisiert ist, wird vor allem in den jüngsten Arbeiten deutlich. Kuratorin Susanne Figner spricht überspitzt von konzeptueller Malerei. Die zerklüfteten Bergwelten nämlich sind durch Linien aufgebaut, die wie die kreisförmigen Höhenmarkierungen geografischer Karten den plastischen Charakter der Landschaft betonen. Die Topografie erinnert an die tektonischen Vorgänge der Erdgeschichte, an die Entstehung von Faltengebirgen und Tiefseerinnen und an die Gletscherbildung mit ihren glazialen Schichtungen. Dazu passt, dass die Farben in diesen Kompositionen zurückgenommen sind. Weiß in allen Schattierungen, eisiges Blau und schmutziges Grau bestimmen die polaren Landschaften. Farben tropfen wie Schmelzwasser, die markanten Höhenlinien lösen sich immer wieder in feuchte Flächen auf.

Überhaupt verraten die Werke den Arbeitsprozess des Künstlers. Die Grundierungen scheinen weniger gemalt als geschüttet zu sein. Schlieren deuten an, dass die Leinwand in verschiedene Richtungen geneigt wurde, um die Verläufe zu lenken. Darüber hat der pastose Farbauftrag mit dem Spachtel ganze Partien in ein Relief verwandelt, während an anderen Stellen das feine Netzwerk der Linien den zeichnerischen Charakter der Arbeiten betont. Es ist ein Spiel mit dem Vokabular der Malerei, das Daniel Richter betreibt.

Und eines mit der Aura des Autors. Richter mag vortäuschen, dass Willkür hin und wieder den Pinsel führt, doch tatsächlich gibt er die Kontrolle nicht aus der Hand. In einigen fetten Farbklecksen, die wie zufällig auf den Flächen verteilt sind, hat Richter sogar seinen Fingerabdruck hinterlassen. Landschaftsmalerei wird zum Selbstporträt. Man ahnt, dass in den menschlichen Figuren, den Flüchtenden und Stürzenden und in den Gestalten am Abgrund, der Künstler sich selbst skizziert.
Daniel Richter. 10001nacht“ bis 6. November in der Kestnergesellschaft. Eröffnung am Samstag um 19 Uhr.

Kristina Tieke

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