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Kultur Vom Sterben der Mutter
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10:10 09.10.2014
Von Ronald Meyer-Arlt
Foto: Hape Kerkeling
Hape Kerkeling Quelle: dpa
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Hannover

Die Oma hat’s gewusst: Auf dem Sterbebett hat sie dem kleinen Hans-Peter ins Ohr geflüstert, dass er einmal berühmt sein würde, sie sah ihn als eine Art lustigen Professor. Doch wie das so ist mit Prophezeiungen: Sie gehen zwar manchmal in Erfüllung, aber oft ein bisschen anders als geplant. Hape Kerkeling wurde jedenfalls kein Professor, aber lustig ist er geblieben. Und berühmt ist er auch geworden. Nicht nur als Fernsehunterhalter und Verkleidungskünstler (Horst Schlämmer), sondern auch als Buchautor. „Ich bin dann mal weg“, die 2006 erschienene Reportage über seine Erlebnisse auf dem Jakobsweg, verkaufte sich millionenfach und blieb mehr als 100 Wochen auf dem ersten Platz der Sachbuchbestsellerliste.

Verständlich, dass nach solch einem Erfolg ein neues Buch auf den Markt kommen muss. Jetzt legt Hape Kerkeling – medial intensiv begleitet von Interviews, Talkshowauftritten und Diskussionen auf der Buchmesse – ein weiteres sehr persönliches Buch vor. In „Der Junge muss an die frische Luft“ schreibt er über seine Kindheit.

Im Zentrum steht der Freitod seiner Mutter. Man könnte dem Autor vorwerfen, dass er das Buch geschickt um dieses Ereignis herum konstruiert hat, dass er mit Vorausdeutungen auf den Tod arbeitet und so die Spannung des Publikums schürt. Das stimmt alles, aber es ist am Ende gar nicht wichtig. Wie auch die Eitelkeiten des Autors, der all seine Preise und beruflichen Erfolge anführen muss, am Ende nicht wichtig sind.

Am Ende ist das nämlich ein sehr starkes Familienporträt. Wie Kerkeling den Tod seiner Mutter und die zupackende Art seiner Großmutter beschreibt, die dann eine neue Normalität in das Familienleben bringt, das ist schon sehr, sehr anrührend. Kerkeling schreibt klar, umstandslos und geradeheraus; manchmal wirkt der Text so, als sei er von ihm diktiert worden. Man hört ihn sprechen. Und das ist bei diesem Autor ja nicht das Schlechteste.

Hape Kerkeling: „Der Junge muss an die frische Luft. Meine Kindheit und ich“. Piper-Verlag, 312 Seiten, 19,99 Euro.

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