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Kultur „Das A-Team – Der Film“: Gut gelaunt bis zur nächsten Explosion
Nachrichten Kultur „Das A-Team – Der Film“: Gut gelaunt bis zur nächsten Explosion
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21:36 13.08.2010
Von Uwe Janssen
Das neue A-Team mit Chef Hannibal Smith (Liam Neeson, Zweiter von rechts). Quelle: 20th Century Fox
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So war das in den Achtzigern: optisch ein Spektakel, aber am Ende doch ganz harmlos. Das galt für Träger von Fönfrisuren und Neonshirts, das galt für Synthiepop und Opel Manta. Und es galt für Actionserien im Fernsehen. Bestes Beispiel: das A-Team. Die amerikanische Actionserie um vier zu Unrecht verurteilte Soldaten auf der Flucht, die zum einen von der Militärpolizei gejagt werden und zum anderen in bester Robin-Hood-Manier den guten Schwachen gegen die bösen Starken helfen, war auf den ersten Blick brutales Fernsehen. Dauernd flogen Autos durch die Luft, explodierte etwas, wurde herumgeballert. So sehr, dass die ARD 1987 nur gut zwei Dutzend Folgen der in den USA sehr erfolgreichen Reihe ausstrahlte, weil sie den Rest für unzumutbar hielt. Tatsächlich aber hat in den comicartigen Gefechten nie jemand wirklich getroffen, auch wenn er mit einer Schnellfeuerwaffe wild um sich ballerte. Und aus den schrottreifen Karossen stiegen auch immer wieder erschrockene, doch im Wesentlichen unversehrte Schurken aus. Vom Prinzip her war’s wie bei Tom & Jerry. Gewaltverharmlosend, fanden die einen, für die anderen (in Deutschland seinerzeit RTL-Zuschauer) wurden Hannibal, Murdock, Faceman und B.A. zu Kultfiguren.

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In Joe Carnahans Adaption wird ebenfalls viel geschossen, demoliert, in die Luft gejagt und aus Flugzeugen geworfen – ohne dass jemand ernsthaft zu Schaden kommt. Während das Actionkino in den vergangenen Jahren den überschnellen Realismus der „Bourne“-Filme kultivierte, zeigt Carnahan noch einmal Nachsicht mit dem Typus des amerikanischen Helden, der – kriegsversehrt, unverstanden und ein bisschen irre – hoffnungslos aus der Mode gekommen ist. „Das A-Team – Der Film“ fährt pausenlos aufwendigen, am Computer generierten Kulissenzauber männlicher Selbstbehauptung auf, immer mit einem Augenzwinkern, immer gut gelaunt bis zur nächsten Explosion.

An welche Zielgruppe richtet sich die Neuauflage nun eigentlich? Gealterte Fans der Serie und der Old-School-Action? Jugendliche, die per Playstation mit einem Gewaltnaturalismus aufwachsen, gegen den sich das originale „A-Team“ wie Grimms Märchen ausnimmt? Carnahan hat einen Mittelweg gewählt, platziert Referenzen an die Serie und stülpt ihr eine glatte Blockbuster-Ästhetik über, hinter der das alte „A-Team“ gerade noch erkennbar bleibt.
Carnahan, seinerzeit als „Mission Impossible“-Regisseur nach Unstimmigkeiten mit Tom Cruise abgesetzt, hängt diese Demütigung offenbar noch nach. Er wirkt überfordert. Action entsteht bei ihm durch Effekte, schnelle Schnitte und eine hämmernde Tonspur. Bedauerlich, weil er mit Liam Neeson, Bradley Cooper („Hangover“) und „District 9“-Entdeckung Sharlto Copley gute Schauspieler hat. Doch die Spezialeffekte stehen, ganz im Gegensatz zum Geist der Serie, im Vordergrund.

Die Serie war Kult, der Film wird es nicht: Gute Besetzung, stumpfes Ballerspiel. Cinemaxx Nikolaistraße, Cinemaxx Raschplatz, CineStar, Utopia.

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