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Kultur Das "GlasBlasSing-Quintett"
Nachrichten Kultur Das "GlasBlasSing-Quintett"
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14:55 10.02.2010
Von Ronald Meyer-Arlt
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Ganz ernst haben wir sie nie genommen: die Bauchredner mit dem Tropenhelm auf dem Kopf und dem Straußenhals über dem Arm, die Kunstturner in blau-weiß gestreiften Badeanzügen, die von Trampolins hochgeschleudert um-einanderflogen oder die als zerstreute Professoren verkleideten Musikanten, die auf Luftpumpen Beethovens Neunte anstimmten. Früher gehörten sie zum unverzichtbaren Bestandteil jeder Samstagabendfernsehunterhaltung. Heute kommt Robbie Williams.

Aber die Kunstturner, Bauchredner und Luftpumpenspieler gibt es natürlich immer noch. Sie haben neue Nischen gefunden. Zum Beispiel im A-cappella-Bereich. Herrenensembles, die ohne nennenswertes Instrumentarium auf der Bühne stehen, gibt es genug. Auch an Bands, die mit zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Keyboard auf der Bühne stehen, herrscht kein Mangel. Chancen im Geschäft hat, wer auf etwas anderem spielen kann. Das Gemüseorchester spielt auf Sellerie, Kürbissen und Möhren, Christian von Richthofen auf alten Opel-Kadetts – und das „GlasBlasSingQuintett“ spielt auf Flaschen. Meist auf Glas, für die Basstöne werden auch PET-Flaschen benutzt. Tonflaschen, wiewohl passend, sind nicht dabei. Die Glasbläser pusten über den Flaschenhals, dabei entsteht ein Ton, der zwischen Nebelhorn und krankem Vogel liegt. Kinder sind stolz, wenn sie den ersten derartigen Ton erzeugen, aber schwierig ist es im Grunde nicht.

Die Leergutkünstler aus Berlin, die beim Mimuse-Kleinkunstfestival im Theatersaal Langenhagen gastierten, machen das natürlich sehr virtuos. Jeder hat drei bis vier Flaschen unterschiedlichen Füllstandes zwischen den Fingern. Das Flaschenkarussell in der Hand rotiert, wild wird geblasen, und das Ganze klingt in etwa wie eine holländische Dampforgel. Aber in hip.

Die fünf PET-Shop-Boys präsentieren schöne Titel aus der Popgeschichte von Rock bis Rap, zwischen die sie Eigenkompositionen mischen. Die sind meist sehr gut anzuhören – und hervorragend getextet. Manchmal wirken die Glasbläser wie „Ganz schön feist“, aber nicht so cool. Was von Vorteil ist.

Fazit: Pfand ich gut.

Die nächsten Mimuse-Termine: Käthe Lachmann (11. Februar) Claus von Wagner (18. Februar) jeweils 20 Uhr im „daun-stärs“.

Ronald Meyer-Arlt 10.02.2010
Stefan Stosch 10.02.2010
10.02.2010