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09:27 09.01.2014
Von Stefan Stosch
Naomi Watts als Lady Diana. Quelle: dpa
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Hannover

Der Film handelt von einer Prinzessin und ihrer Liebe zu einem Bürgerlichen, von ihrer Sehnsucht, dem goldenen Käfig zu entfliehen, und der Not, dem Protokoll dennoch zu gehorchen. Am Ende trennen sich die Prinzessin und ihr Geliebter. Beide ahnen, dass sie keine gemeinsame Zukunft haben. Ach, was war das für eine unschuldige Romanze, die William Wyler 1953 in „Ein Herz und eine Krone“ mit Audrey Hepburn und Gregory Peck in den Hauptrollen erzählte.

Vom Ansatz her steckt eine ganz ähnliche Geschichte in „Diana“, Oliver Hirschbiegels Drama über die letzte große Liebe der Prinzessin von Wales. Es ließe sich sogar behaupten, der Regisseur („Der Untergang“) suche nach einer Chance, Diana (Naomi Watts) und dem Herzchirurgen Hasnat Khan (Naveen Andrews, bekannt durch „Der englische Patient“ und die Fernsehserie „Lost“) ein wenig Glück zu gönnen – im Wissen darum, dass das letztlich nicht möglich ist.

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Die Zeit der Unschuld ist vorbei, in der Journalisten wie in der (fiktiven) Wyler-Geschichte auf ihre Exklusivstory über eine ins Privatleben abgetauchte Prinzessin verzichten. Mitte der neunziger Jahre regiert – besonders in England – die Boulevardpresse. Sie hat Besitz ergriffen vom Leben der Lady Di.

Umgekehrt versucht diese in Hirschbiegels Interpretation mit durchaus unlauteren Methoden, die Meute zu bändigen. Der Regisseur lässt keinen Zweifel daran, dass Diana trotz ihres sanften Augenaufschlags mehr ist als nur ein scheues Reh im Spiel mit den Medien, wenn sie einen Fotografen zum sexy Bikini-Bild quasi einlädt, um den Platz auf der Titelseite für sich zu beanspruchen. Hirschbiegel beruft sich auf Kate Snells Bestseller „Diana: Her last Love“, demnach fühlte sich Diana deshalb zu dem Arzt im Krankenhaus hingezogen, weil er sie wie jede andere behandelte. Da hofft sie, dass für sie ein halbwegs normales Leben an der Seite dieses Mannes möglich ist.

Doch kann Hirschbiegel nicht der Versuchung widerstehen, seine Heldin wie eine Heilige zu porträtieren. In mehreren Szenen rückt er sie in die Nähe einer Erlöserfigur. Ein blinder Mann darf Dianas Gesicht abtasten. Einmal fährt sie durch das kriegsversehrte Bosnien und entdeckt eine trauernde Frau auf einem Friedhof. „Stopp!“, ruft sie dem Fahrer zu und rennt zum Grab, so als könne sie durch ihre bloße Präsenz den Schmerz der Frau lindern. Ja, sie wandelt zwischen Landminen, als sei sie unverletzbar.

In solchen Momenten rückt Hirschbiegel gefährlich nahe ans Niveau der Yellow Press. Da ist nichts Ironisches, er verklärt. Aber das erklärt noch lange nicht, warum die britische Presse so auf seinen Film eingeprügelt hat – zumal Naomi Watts ihre Lady Di mit wunderbarer Sanftheit verkörpert und dem Original nahekommt, ohne es zu imitieren. Es gilt auch nicht das Argument, dass Hirschbiegel die Szenen aus Dianas Privatleben mit Hasnat Khan erfunden hat. Notgedrungen: Der Herzchirurg lehnte jede Zusammenarbeit ab. Aber auch Stephen Frears musste sich in „Die Queen“ (2006) auf Mutmaßungen über Interna aus dem Königshaus stützen und erntete Lob.

Eine andere Erklärung für die vernichtende Kritik an diesem Herz-Schmerzfilm mit Rührungspotenzial scheint stichhaltiger: Der Skandal um Diana wird im Nachhinein als echte Bedrohung für die Monarchie wahrgenommen. Das Königshaus geriet nie härter unter medialen Beschuss als nach ihrem Tod 1997. Und heute, da William und Kate das britische Volk mit den Royals versöhnt haben, erinnert dieser Film noch einmal an eine schlimme Zeit. Das tut weh.

Zwischen Distanz und Verklärung: Drama mit Rührungpotenzial.
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