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Kultur Das Nachwuchsfilmfestival Up and Coming vergibt seine Wettbewerbspreise
Nachrichten Kultur Das Nachwuchsfilmfestival Up and Coming vergibt seine Wettbewerbspreise
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15:34 27.11.2017
Szene aus "Fast alles" Quelle: Verleih
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Hannover

Der jüngste Ausgezeichnete auf der Bühne des Nachwuchsfilmfestivals Up and Coming ist acht Jahre alt: Richard Bjurström aus Schweden hat eine lobende Erwähnung für seinen Animationsfilm "Drakskogen" (Drachenwald) erhalten. Die mit Buntstiftbildern und Papierfiguren erzählte Geschichte sei schlicht entwaffnend, so der Jurykommentar. Entwaffnend ist auch die Selbstverständlichkeit, mit der der Achtjährige auf der Bühne agiert. Er wird dabei von allen als Profi ernst genommen. Viele der Anwesenden haben selbst früh ihre Leidenschaft für den Film entdeckt. Das Festival verleiht ihnen ein Forum.

Zwei der drei mit dem Deutschen Nachwuchsfilmpreis ausgezeichneten Beiträge stammen von Filmhochschulabsolventen auf der Schwelle zum Brancheneinstieg. Beide haben mit 27 das Höchstalter für eine Festivalteilnahme erreicht. „Das hier ist für viele ein Zwischenstop, um sich in professionelle Strukturen einzufinden“, sagt Festivaldirektor Burkhard Inhülsen. Die Nachwuchsfilmpreise sind deshalb nicht nur mit 2000 Euro dotiert, sondern auch mit einer zweijährigen Produzentenpatenschaft verbunden.

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Simon Schneckenburger aus Freiburg wird für „Am Tag die Sterne“ ausgezeichnet, seine Abschlussarbeit an der Filmhochschule Offenburg. In 45 Minuten erzählt er die Geschichte eines jungen Erwachsenen, der sich zum ersten Mal wieder mit seinem Heimatort konfrontiert, im dem sein Bruder bei einem Amoklauf Mitschüler tötete, als kluge Auseinandersetzung mit dem Stellenwert von Vergangenheit und Erinnerung. Der Science-Fiction-Kurzfilm „Blake“ für den Shamila Lengsfeld aus Köln prämiert wird, ist lauter und kontroverser. Die Szenen um eine lesbische Superheldin hinterfragen filmische und gesellschaftliche Klischees.

Auch die erst 12-jährige Bela Brillowska aus Hamburg erhält einen Nachwuchsfilmpreis für ihr ironisch entlarvendes Künstlerporträt "Artist Talk". Den mit 1.000 Euro dotierten Bundes-Schülerfilmpreis erhält die 19-jährige Zoë Steingaß von der Freien Waldorfschule Überlingen, die in „Tagiir“ glaubwürdig von der zaghaften Freundschaft zwischen einem eher unreflektierten jungen Mann und einem Geflüchteten erzählt. Der nicht mit einem Preisgeld verbundene International Young Film Makers Award wurde dreimal vergeben: An Jiwon Choi aus den USA für „Parallel“, Priya Naresh aus Indien für „Barsaati“ und Lisa Gertsch aus der Schweiz für „Fast alles“

Gertschs an der Züricher Kunsthochschule entstandener Film über einen 47-jährigen Demenzkranken ist ein Höhepunkt des Festivals. Zärtlich und humorvoll erzählt sie von Liebe, Loslassen, Normalität und Poesie. Wie viele der Festivalbeiträge fragt sie nach Identität und Persönlichkeit, nach sozialen Rollen und verantwortlichem Handeln. Die jungen Filmschaffenden thematisieren damit auch ihren Weg in eine komplexer werdende Gesellschaft.

Von Thomas Kaestle

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