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Kultur Neue Ausstellung zeigt Karikaturen rund ums Alter
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02:15 30.12.2017
„Schluss jetzt!“ (1992) von Ernst Kahl. Quelle: Foto: Wilhelm-Busch-Gesellschaft
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Hannover

 Der Sensenmann hält seine Knochenfinger schon vor die Augen des Todgeweihten – doch der wähnt sich noch in wohligen Wonnen: „Schwester Gaby? Schwester Anna?“ Von wegen. „Schluss jetzt!“, scheint Gevatter Tod darob zu brüllen. So hat Ernst Kahl schon vor einem Vierteljahrhundert seine Karikatur überschrieben, und so heißt auch die Ausstellung, in der das Wilhelm-Busch-Museum das Alter im Spiegel der Karikatur zeigt. 

Eitelkeit trotz Häßlichkeit, Verlangen trotz Verfall, Illusion trotz Realität: Das Wilhelm-Busch-Museum widmet eine Schau dem unwürdigen - und damit spottwürdigen - Umgang mit dem Thema Alter

Alter und Armut, Fett und Falten, Krankheit und Tod – können das Gegenstände der Satire sein, von Hohn und Spott, von Karikatur, Komik und Kritik? Der unwürdige Umgang mit solchen Themen, der oft in krassem Gegensatz zur gern beschworenen Würde des Alters steht, taugt offenbar bestens als Gegenstand für jene Karikaturen, die derzeit in den Sammlungsräumen des Wilhelm-Busch-Museums zu sehen sind. 

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Zeugnisse der reichen Sammlung

All diese Aspekte kommen in der Ausstellung vor, die Gisela Vetter-Liebenow, die Museumsdirektorin, und ihre Stellvertreterin Ruth Brunngraber-Malotke aus der reichen Sammlung des Hauses zusammengestellt haben. Bis ins 17. Jahrhundert reichen die Exponate dieser Kunstschau zurück, und sie zeugen davon, dass sich dem Thema schon früh komische Seiten abgewinnen ließen. Etwa in den Milieustudien des französischen Zeichners Jacques Callot (1592-1635), der Alter und Armut mit Geiz und Gier paart, indem er alte Bettlerinnen beim behenden Geldzählen zeigt. In der Karikatur jener greisenhaften Vestalin, die der Brite James Gillray (1757-1815) beim Versuch zeigt, sich dem körperlichen Verfall zum Trotz als Venus auszustaffieren. Oder in seiner Zeichnung eines lüsternen Alten, der jungen Mädchen nachstellt. 

Verzerrungen des Alters

Vergleichsweise milde hat Wilhelm Busch 1875 einen alten Mann in Öl festgehalten. Weniger gnädig geht Gerhard Haderer in „Meins war auch mal ein Adler“ mit den Tattoo-Trägerinnen der Gegenwart um, die mit wachsender Bindegewebsschwäche auch eine Verzerrung der Kunst auf dem eigenen Körper feststellen müssen. Nicht besser weg kommen Männer bei Manfred Deix, der in „Männliche Prostitution nimmt zu“ gleichfalls vorzugsweise Verfallserscheinungen zeigt. Das wirkt ähnlich gnadenlos wie eben bei Ernst Kahl, der über einen ganz eigenen Zugang zum Thema Krankheit und Tod verfügt: Er hat sich sein Studium an der Hamburger HBK als Leichenwäscher in einem Krankenhaus verdient.

Eitelkeit trotz Häßlichkeit, Verlangen trotz Verfall, Illusion trotz Realität – diese Seiten des Alters erhellt „Schluss jetzt!“ mit Schärfe und Humor. Eine unbedingt lohnende kleine Schau also – die sich übrigens auf demselben Stockwerk, in der aktuellen Ausstellung der Zeichnungen von Peter Tuma, fortsetzen lässt. Denn Tuma geht in seiner Zeichnungsserie „Pflegestufe I“ keineswegs gnädiger mit den unwürdigen Dimensionen des Alters um. 

„Schluss jetzt! Das Alter im Spiegel der Karikatur“. Bis 2. April 2018 im Wilhelm-Busch-Museum im Georgengarten. 

Von Daniel Alexander Schacht

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