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Kultur Das bringt das Theaterjahr 2013
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00:15 07.01.2013
Die etwas anderen Bankgeheimnisse: „Himbeerreich“ thematisiert die Strukturen von Geld und Macht. Quelle: dpa
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Hannover

Wenn einem Regisseur nichts Besseres einfällt, als ein Video auf die Bühnenrückwand zu projizieren, heißt es oft: Das Theater hechelt dem Kino hinterher. Die Volksbühne Berlin geht jetzt noch einen Schritt weiter und kündigt an, beim Stück „Fucking Liberty!“ (Uraufführung am 17. Januar) 3-D-Brillen auszugeben. Der aus zahlreichen Fassbinder-Filmen bekannte Schauspieler Ulli Lommel spürt in seiner ersten Theaterregiearbeit dem Mythos Amerika nach. Wie in dieser Mischung aus Kasperletheater und „Planet der Affen“-Remake die 3-D-Brillen zum Einsatz kommen werden, bleibt zunächst ein Geheimnis.

Eine weitere Uraufführung, die große Wellen schlägt, ist „Das Himbeerreich“, eine Koproduktion des Schauspiels Stuttgart (11. Januar) mit dem Deutschen Theater Berlin (16. Januar). Der mit seinem RAF-Spielfilm „Wer wenn nicht wir“ und Dokumentarfilmen wie „Black Box BRD“ bekannt gewordene Regisseur Andreas Veiel befragte für diese Dokumentartheaterarbeit Investmentbanker zu den geheimen Mechanismen der Macht.

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Neue Stücke gibt es von Elfriede Jelinek („Schatten. Eurydike sagt“, Akademietheater Wien, 17. Januar), Sybille Berg („Angst reist mit“, Stuttgart, 23. März) und Oliver Kluck: Seine Arbeit für das Frankfurter Schauspiel trägt den schlichten Arbeitstitel „Ein neuer Text“. Zwei Adaptionen bekannter Stoffe klingen besonders vielversprechend: Volker Lösch verbindet an der Schaubühne Berlin (25. Januar) Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“ mit den Abhördokumenten deutscher Kriegsgefangener nach dem Zweiten Weltkrieg. Skandal-Autorin Helene Hegemann („Axolotl Roadkill“) will als Regisseurin im Herbst an der Oper Köln Frank Wedekinds Stück „Musik“ neu deuten.

Für Hannovers Schauspielintendant Lars-Ole Walburg fing das Jahr 2013 mit seiner Vertragsverlängerung am Donnerstag schon mal sehr gut an. In der ersten Jahreshälfte setzt er verstärkt auf Klassiker, mit Lessings „Minna von Barnhelm“ geht es am 12. Januar los, im Frühjahr folgen dann Schillers „Jungfrau von Orleans“ (2. März) und Ibsens „Peer Gynt“ ein Woche später.

Freie Szene und große Häuser nähern sich auch im Jahr 2013 immer mehr an. Dieser Trend lässt sich daran ablesen, dass der von Off-Festivals bekannte Theatermacher Romeo Castellucci in der Schaubühne Berlin „Hyperion. Briefe eines Terroristen“ (März) inszeniert. Es ist die erste Arbeit des Italieners mit einem deutschen Ensemble. Bei Fabian Hinrichs’ Produktion „Bezahl für dein Vergnügen“ kooperiert das freie Berliner Theaterkombinat Hebbel am Ufer mit dem Schauspielhaus Hamburg. In der Hansestadt wird mit Spannung die neue Intendantin Karin Beier erwartet, die das Schauspiel Köln zum Theater des Jahres gemacht hatte. Ehe sie im Sommer gen Norden zieht, verabschiedet sie sich in Köln mit Euripides’ „Die Troerinnen“ (11. Januar). Beiers Nachfolger wird der Schweizer Stefan Bachmann, in Düsseldorf ist man nach dem Burn-out-Aus von Intendant Staffan Valdemar noch auf der Suche.

Armin Petras, der im Sommer nach Stuttgart wechselt, verabschiedet sich ausgiebig vom Berliner Maxim-Gorki-Theater. Er inszeniert in Kooperation mit dem Staatsschauspiel Dresden Brechts „Leben des Galilei“ (25. Mai), zuvor kommt sein eigenes Stück „Gladow-Bande“ in der Regie von Jan Bosse zur Uraufführung (15. März) sowie die Trilogie „Demenz, Depression, Revolution“ seines Alter Egos Fritz Kater (5. Januar). Am 17. Juni folgt ein großes Abschlussspektakel, danach übernimmt Shermin Langhoff die Regie, die bislang das Ballhaus Naunynstraße leitete. Intendant Hasko Weber zieht von Stuttgart weiter nach Weimar.

Die Spielpläne des Theaterjahrs werden auch von zahlreichen Jubiläen geprägt oder beeinflusst. Georg Büchner, der am 20. Oktober vor 200 Jahren geboren wurde, wird 2013 unter anderem am Münchener Residenztheater gespielt: Calixto Bieito inszeniert „Leonce und Lena“. Ebenfalls zwei 200. Geburtstage gibt es im Musiktheater zu feiern: Richard Wagner und Giuseppe Verdi. Die Salzburger Festspiele zeigen vom 19. Juli bis 1. September unter anderem „Don Carlo“ sowie die „Meistersänger von Nürnberg“ und wagen mit „Falstaff“ ein kammermusikalisches Experiment. Im Zentrum der Bayreuther Festspiele (25. Juli bis 28. August) und eigentlich auch des Musiktheaterjahrs steht Frank Castorfs „Ring“-Inszenierung.

Mit Spannung erwartet wird auch die Neuinszenierung der traditionellen „Jedermann“-Eröffnung: Peter Lohmeyer spielt den Tod, Birgitte Hobmeier die Buhlschaft unter der Regie des britisch-amerikanischen Duos Julian Crouch und Brian Mertes. Letzterer drehte zuletzt Fernsehserien wie „Law and Order“ - das lässt eine moderne Interpretation des altbekannten Stoffes vom Leben und Sterben des reichen Mannes erwarten.Der französische Regisseur Nicolas Liautard, der im vergangenen Jahr mit „Meine Bienen. Eine Schneise“ für Aufmerksamkeit in Salzburg sorgte, bringt diesmal seine Version von „Schneewittchen“ mit. Versprochen wird eine unheimliche, wortlose Bildwelt.

Wie die wohl mit 3-D-Brille aussehen würde?

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