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Kultur Das gibt es 2017 beim Kunstverein zu sehen
Nachrichten Kultur Das gibt es 2017 beim Kunstverein zu sehen
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19:28 03.02.2017
Von Daniel Alexander Schacht
Kathleen Rahn mit Ute Stuffer (von links) in der Klangkunstschau von Susan Philipsz. Quelle: Villegas
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Hannover

Noch drehen sich im Kunstverein sieben Plattenteller, noch bis Ende Februar ist dort die Ausstellung von Susan Philipsz zu erleben, die für ihre Soundinstallationen die Technik aus dem Analogzeitalter einsetzt. Doch Kathleen Rahn und Ute Stuffer, die Direktorin und die Kuratorin des Kunstvereins, denken längst über die aktuelle Klangkunstschau hinaus - und greifen mit ihren Plänen für 2017 weit ins Digitale aus. „Das beschäftigt heute eine neue Künstlergeneration und das jugendliche Publikum“, sagt Rahn. Denn die Digitalisierung verändere zusehends Denken und Wahrnehmung. „Wir erleben deutlich kürzere Aufmerksamkeitsspannen und zugleich einen weitaus globaleren Blickwinkel, im Verständnis von Kunst und Künstlern ebenso wie von der Kunstproduktion.“ Schrumpft also, während der Horizont sich derart weitet, zugleich die Zeit zusammen?

Sicher ist, dass Kathleen Rahn, die seit bald drei Jahren Direktorin des Kunstvereins ist und jetzt dessen drittes Jahresprogramm auf die Beine gestellt hat, der wachsenden Rasanz mit Strategien der Entschleunigung zu begegnen versucht - in intelligenten Kunstschauen zu den kulturellen Folgen der Digitalisierung. „Digital Conditions“ und „Digital Archives“ hießen 2015 und 2016 Ausstellungen dazu, und 2017 setzt der Kunstverein diese Reihe fort - einerseits in Anknüpfung an die beiden vorangegangenen Jahre, andererseits in Vorbereitung auf die Megaschau „Made in Germany drei“ im Sommer sowie auf die darauffolgenden Ausstellungen des Multimediakünstlers Erik van Lieshout und der Villa-Minimo-Stipendiaten.

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Anne-Mie van Kerckhoven

What would I do in Orbit?“: Dieser deutlich mehr als globalen Fragestellung geht der Kunstverein ganz ohne Jugendkult und doch auch mit Blick auf ein jugendliches Publikum nach. Denn die belgische Künstlerin van Kerckhoven, Jahrgang 1951, ist sozusagen ein „Digital Pioneer“, denn sie hat sich schon vor mehr als 30 Jahren mit den Auswirkungen von Computern auf Kunst und Leben beschäftigt. Ironie dieser Ausstellungsidee: Die Details der „digitalen Revolution“ im „Orbit“ stellt Anne-Mie van Kerckhoven ganz analog in einer Zeitung dar, in der sie auf 40 Seiten und in zwölf Kapiteln mit Bildern und Texten ihre Gedanken zur Digitalisierung darlegt. Neben dieser „schwarzen Kunst“ aus der Ära und im Medium der Gutenberg-Galaxis sollen in den Kunstvereinsräumen weitere Texte, Zeichnungen und begehbare Rauminstallationen der Künstlerin zu erleben sein - in einer Ausstellung, die zuvor schon im Mönchengladbacher Museum Abteiberg zu sehen war und später noch im Kunstmuseum von van Kerckhovens Heimatstadt Antwerpen gezeigt wird und die pünktlich zum Beginn der Computermesse Cebit startet (18. März bis 14. Mai).

„Produktion. Made in Germany drei“

Gleichfalls mit Digitalisierungsfolgen befasst sich die dritte Ausgabe der gemeinsamen Kunstbestandsaufnahme von Kunstverein, Kestnergesellschaft und Sprengel-Museum, zu denen als Mitveranstalter diesmal noch das Schauspiel sowie die Festivals Theaterformen und Kunstfestspiele Herrenhausen hinzukommen. Unter dem Stichwort Produktion sollen dabei die veränderten Rahmenbedingungen aktuellen Kunstschaffens in den Blick geraten, neue Netzwerke oder Kooperationsformen zwischen Künstlern reflektiert oder Wechselspiele zwischen virtuellen und traditionellen Arbeits- und Ausstellungsräumen thematisiert werden. Das Künstlerduo Peles Empire beispielsweise hat einst in einer aus Digitalfotodrucken collagierten Version des rumänischen Schlosses Peles in London gelebt, einer Schlosskopie, die erst nach Frankfurt und inzwischen nach Berlin transferiert worden ist - und so die fast schon wieder unbürgerliche Kunst des 21. und das noch völlig fürstliche Leben des 19. Jahrhunderts digital virtuell vereinigt. Gezeigt werden im Kunstverein außerdem Werke von Carina Brandes, Schirin Kretschmann, Oliver Laric, Willem de Rooij und Raphaela Vogel (3. Juni bis 3. September).

„Erik van Lieshout“

Zwischen Gesellschaftsstudie und Reality Soap sind die Filme von Erik van Lieshout angesiedelt, der außer in seiner niederländischen Heimat auch schon im Pariser Centre Pompidou und in der Londoner Hayward Gallery zu sehen war, der 2004 den Kurt-Schwitters-Preis erhalten hat und im Sprengel-Museum ausgestellt wurde und im Kunstverein nun seine bislang umfangreichste Einzelausstellung in Deutschland bekommt. Außer seinen oft satirische Qualitäten aufbietenden Filmen sollen dort auch Zeichnungen und Rauminstallationen des in den Niederlanden längst prominenten Künstlers zu sehen sein (16. September bis 19. November).

Laura Bielau, Susann Dietrich, Claudia Piepenbrock, Christian Retschlag - Preis des Kunstvereins

Atelierstipendium Villa Minimo 2015-2017“: Was junge Künstler in Hannover treiben und wie Kunstvereinspreisträger ihren bis zu zweijährigen Aufenthalt in der Villa Minimo genutzt haben - das wird zum Jahresende im Kunstverein zu sehen sein. Zu sehen sind fotografische Werke von Laura Bielau und Christian Retschlag sowie installative und teils performative Arbeiten von Susann Dietrich und Claudia Piepenbrock (2. Dezember bis 28. Januar 2018).

Immerhin, dabei geht es um mehr als nur um eine Station im Künstlerleben. Denn das Atelierstipendium kann junge Künstler auch dauerhaft in Hannover ansiedeln. Dafür ist Christian Retschlag nur das jüngste Beispiel. Auch Arno Auer, Samuel Henne, Sebastian Neubauer und - prominentestes Beispiel aus jüngerer Zeit - die Sprengel-Preisträgerin Toulou Hassani waren einmal Stipendiaten in der Villa Minimo.

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