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21:10 16.05.2017
Von Uwe Janssen
Das neue Sehen: Stephen Mayes. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

Für Berufsfotografen hat Stephen Mayes keine guten Nachrichten. Jedenfalls nicht für diejenigen, die den Hintern nicht hochbekommen und auf ihrer alten Arbeitsweise beharren. Mayes, ein Englishman in New York, ist selbst Berufsfotograf. Einer, der sich mit der Entwicklung der Fotografie auseinandersetzt und dabei Mahner und Ermutiger zugleich ist. Mayes sagt: „Die Zeit der Fotografie hat gerade erst angefangen.“ Und er sagt: „Fotos sind keine Erinnerungen mehr, sondern ein alltägliches Konversationsmedium.“ Und genau so würden sie im Zeitalter sozialer Medien auch behandelt. Wie Sprache. Wie Wörter. Als Information, nicht als Zeitdokumente. Wer das als Fotograf nicht begreife, werde es in Zukunft schwer haben.

Aber Mayes ist auch Optimist. „Wer das begreift, wird in Zukunft enorme Möglichkeiten haben und auch Geld mit Fotografie verdienen können. Wir fangen gerade erst an, zu begreifen, was alles möglich ist.“

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Mayes ist nach Hannover gekommen, um am Mittwoch um 17 Uhr über dieses Thema zu sprechen - bei einem Symposium zur neuen Ausstellung „Images in Conflict“ in der Galerie für Fotografie (GAF), die am selben Tag um 19.30 Uhr eröffnet wird. Die Schau wiederum ist der Auftakt der Diskursreihe „Image Matters“, die sich mit Fragestellungen der Fotografie auseinandersetzt.

Fotograf als Quelle des Vertrauens

Ein Genre hinterfragt sich selbst. Genau das ist auch dringend erforderlich, sagt der Londoner, der seit anderthalb Jahrzehnten in New York lebt. Mayes geht es im Kern um den Wahrheitsbegriff in der Fotografie. „Wir sehen Fotos immer noch im alten Sinne. Das Abbild der Natur auf Film oder Sensor. Dabei sehen wir auf ein computergeneriertes Bild, das aussieht wie ein Foto. Dieses Foto muss die Welt nicht rekonstruieren, wie sie ist, sondern wie wir es uns aussuchen.“ Jedem Bild sei deshalb grundsätzlich erst einmal zu misstrauen. Nur wer diesen kritischen Umgang lerne, könne herausfinden, wem er glauben könne und wem nicht. Der Fotograf sei letztlich die Quelle des Vertrauens. Das Foto selbst sei es nicht.

Doch Mayes bleibt optimistisch. Der Mitteilungsdienst Snapchat, die Fotoplattform Instagram oder Facebook hätten zu geschätzten 2 Milliarden Fotos täglich geführt, aber auch Türen geöffnet im Umgang mit Fotos. „Instagram sagt uns nicht, wie wir unsere Fotos zu betrachten haben. Wir legen das selbst fest. So entsteht ein völlig neuer Weg, die Welt zu sehen.“

„Images in Conflict“: mit Arbeiten von Harun Farocki, Tim Hetherington, Christoph Bangert und anderen, bis 18. Juni in der GAF, Seilerstraße 15d. Das Symposium beginnt am Mittwoch um 10.30 Uhr an der Hochschule Hannover. Zeitplan unter www.image-matters-discourse.de

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