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Kultur Das neue Musical von Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig
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11:27 09.12.2010
Von Uwe Janssen
Heinz Rudolf Kunze (l.) und Heiner Lürig mit einem ersten Bühnenmodell.
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Was haben Shakespeare, Borkum und Baltrum gemeinsam? Eigentlich nicht viel, wenn man mal davon absieht, dass der „Sommernachtstraum“ auf beiden Inseln in den Ferienmonaten immer mal wieder die Touristen erfreut. Nun aber wird sich die Sache grundlegend ändern. Baltrum und Borkum werden Teil des shakespearschen Werkes. Nächstes Jahr in Hannover. Schuld ist Heinz Rudolf Kunze, Freund der guten Inselluft, Fan und aktiver Aktualisierer von Shakespeares Werk.

Zwei Komödien hat er in den zurückliegenden sieben Jahren zusammen mit Komponist Heiner Lürig schon zu Popmusicals verarbeitet. Nun macht das Duo die angekündigte Trilogie im Gartentheater Herrenhausen komplett. Im Sommer 2011 kommt zum „Sommernachtstraum“ und „Kleider machen Liebe“ (auf Basis von „Was ihr wollt“) Shakespeares „Sturm“ hinzu. Keine Verwechslungskomödie wie die anderen beiden, eigentlich gar keine Komödie. Damit es im Barockgarten aber nicht zu besinnlich wird, haben die Autoren, wie sie nun in Lürigs heimischem Studio erläuterten, Shakespeares letztes Theaterstück ziemlich auf links gedreht und vom Mittelmeer- in den Weltraum verlegt.

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Der friesische Adlige Prospero, der als König von Borkum entmachtet wurde, wird zusammen mit seiner Tochter auf einen fernen Planeten geschossen, wo irgendwann ein Raumschiff notlandet, aus dem zu seiner Überraschung all seine Feinde und Peiniger steigen. Nun kann Zauberer Prospero sein Schicksal in die Hand nehmen und sich sein Inselreich zurückholen, was shakespearetypisch mit vielen Irrungen und Wirrungen passiert. Am Ende begräbt Prospero seinen Zauberstab und schwört der Magie ab – viele sehen in dieser Szene den Hinweis, dass der britische Autor sein eigenes schöpferisches Ende in diesem Stück gespiegelt hat. Kunze hält den dazugehörigen Monolog für „eine der ergreifendsten Szenen, die je für das Theater geschrieben wurden“.

In den zwölf Aufführungen, die in der Produktion von Hannover Concerts zwischen dem 30. Juni und 7. August über die Freiluftbühne gehen werden, begegnen den Zuschauern also allerlei Nordlichter, die Hein oder Fiete heißen und zünftigen Friesennerz tragen. Aber „kein Plattdeutsch sprechen“, wie der Autor versichert. Wie bei den Vorgängerstücken auch wird das herrschaftliche Volk in fein gemeißelten Reimen sprechen und die einfachen Leute eher frei Schnauze. Der Hauptdarsteller ist auch schon gefunden: Bernd Tauber, der früher mal den „Lindenstraßen“-Benno spielte und in der Neuaufnahme des „Sommernachtstraums“ als eselsohriger Bottich glänzte, spielt die sprechintensive Rolle des Prospero. Das Casting für die restliche Besetzung läuft derzeit.

Gesungen wird im „Sturm“ – dem im August und September noch 16 „Sommernachtsträume“ folgen – mehr denn je, wie Lürig erklärt: „Der Musikanteil ist höher. Es hat streckenweise fast filmmusikalische Züge.“ Zum bunten Space-Spektakel passt ein Sound zwischen Neuer Deutscher Welle und heutigem Elektropop. Man ahnt, warum sowohl Lürig als auch Kunze ein Wort gern benutzen, um ihren „Sturm“ zu beschreiben: „schräg“.

Karten und Infos: (05 11) 1 23 45-2 22.