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Kultur Die Theaterformen richten den Blick auf Afrika
Nachrichten Kultur Die Theaterformen richten den Blick auf Afrika
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02:16 14.04.2018
Alles eine Frage des Geldes? Szene aus der Produktion „£¥€$“, einem globalen Casino des belgischen Regisseurs Alexander Devriendt. Quelle: Thomas Dhanens
Braunschweig

 „Bei uns erzählt das Theater nicht nur Geschichten“, sagt Martine Dennewald, „sondern auch Geschichte.“ Damit benennt die Leiterin des Festivals Theaterformen bei der Vorstellung des neuen Programms gleich im ersten Satz ein wesentliches Merkmal der diesjährigen Ausgabe: Die Produktionen, die vom 7. bis zum 17. Juni in Braunschweig zu sehen sein werden, kommen aus zwölf Ländern und blicken zum Großteil aus ungewohnter Perspektive auf die Vergangenheit.

Diese Produktionen sind in diesem Jahr zu sehen.

In „Because I always feel like running“ etwa erzählt der aus Kenia stammende Theatermacher Ogutu Muraya vom Anlaufen gegen die Geschichte: Er spürt in den Biografien dreier ostafrikanischer Langstreckenläufer der Verbindung zwischen Sport und Politik nach. Die ersten Erfolge afrikanischer Läufer stellen sich nämlich mit dem Erstarken der Unabhängigkeitsbewegungen in den afrikanischen Ländern ein. Muraya ist mit gleich zwei Produktionen im Programm vertreten: In einem „Storytelling-Abend“ durchleuchtet er zudem die Mechanismen der Erinnerung und verarbeitet dabei Ereignisse der postkolonialen Geschichte seines Heimatlandes ebenso wie die persönlichen Erlebnisse seines vor vier Jahren begonnen neuen Lebens in Amsterdam.

Eine Tänzerin ohne Beine

Die Theaterformen verfolgen in diesem Jahr viele Spuren auf dem afrikanischen Kontinent. Dieudonné Niangouna aus dem Kongo etwa ist für Festivalleiterin Dennewald einer der wichtigesten Theatermacher des Kontinents – und in Braunschweig mit einer großen in Paris entstandenen Produktion zu Gast. Die Tanztheaterproduktion „Theka“ aus Mosambik sorgt für einen heiteren Moment im sonst eher ernsten Programm, zu dem auch ein Soloprogramm für eine aus Mosambik stammende Tänzerin ohne Beine gehört.

Mit dem Völkermord in Ruanda beschäftigt sich außer einer ruandisch-französischen Produktion auch ein Abend des Schweizer Regisseurs Milo Rau von der Berliner Schaubühne („Mitleid“). Außerdem gibt es eine Theaterformen-Koproduktion mit einem südafrikanischen Ensemble – und eine Carte blanche für drei afrikanische Regisseure, die für das Festival ein Überraschungspaket mit drei Uraufführungen schnüren.

Mit Blick auf das ganze Programm vermeidet es Martine Dennewald trotz der vielen Produktionen afrikanischer Theatermacher, von einem afrikanischen Schwerpunkt zu sprechen. Tatsächlich greifen auch andere Produktionen vergleichbare Probleme auf: Die 3D-Installation „Collisions“ erzählt von britischen Atomtests in der australischen Wüste, die das Leben der dort ansässigen Ureinwohner brutal verändert haben. Und auch das kanadische „Chemical Valley“ und der ungesunde Einfluss seiner Industrie auf die in der Nähe lebende indigene Bevölkerung sind Thema eines Theaterabends. Der Eröffnungsabend „Saigon“ schließlich erzählt von den Schatten, die die französische Beteiligung am Vietnamkrieg in beiden Ländern hinterlassen hat.

Seife gegen Sünde

In einem vom belgischen Regisseur Alexander Devriendt eröffneten Casino kann man als Besucher zudem den globalen Kapitalismus nachspielen, und in einem eleganten Geschäft in der Innenschäft eröffnet der Künstler und Theatermacher Julian Hetzel einen modernen Ablasshandel, der moralische Absolution gegen den Kauf von Seife bietet, die zum Teil aus menschlichem Fett hergestellt ist. Da kann es nicht schaden, wenn nach dem Theaterbesuch wie beim Festival üblich allabendliche kostenlose Konzerte (unter anderem mit der Band Fehlfarben) für Entspannung sorgen.

Das Festival

Das Festival Theaterformen findet im jährlichen Wechsel in Hannover und Braunschweig statt – in diesem Jahr vom 7. bis zum 17. Juni in Braunschweig. Auf dem Programm stehen 17 Produktionen aus zwölf Ländern. Karten und weitere Informationen unter Telefon (05 31) 1 23 45 67. Für die Vorstellungen am 8. und 10. Juni wird es einen Shuttlebus von und nach Hannover geben.

Von Stefan Arndt

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