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Nachrichten Kultur Das war Kraftklub in der Swiss Life Hall
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16:49 27.10.2017
   Quelle: Heidrich
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Hannover

  Fünf Jahre ist es her, dass die fünf Sachsen ihren Durchbruch mit dem Debüt „Mit K“ feierten. Seitdem haben sie nicht nur ihr eigenes Festival in ihrer Heimat Chemnitz etabliert, sondern auch in diesem Jahr ihr drittes Album „Keine Nacht für Niemand“ veröffentlicht. Darauf klingen Kraftklub deutlich poppiger und smoother. Die Gitarren schrammeln noch, aber hier und da tapsen Synthies. Auch sind die neuen Songs deutlich referentieller: Die Zeile „Lass mich dein Sklave sein“ („Sklave“) hat ja textlich und melodisch bereits bei Die Ärzte funktioniert.

Bilder vom Kraftklub-Konzert in der Swiss Life Hall in Hannover.

 Die Fans stört das nicht: So laut es geht grölen sie mit und springen im Takt. Der Sound ist energisch und treibend, es wird geraucht und Bier getrunken – im Publikum wie auf der Bühne. „Seid ihr bereit den Laden hier abzureißen?“, fragt Brummer und die Mittdreißiger-Menge springt zum Pogo-Song „Randale“.

Aber es geht bei Kraftklub nicht nur darum Druck abzulassen, mit den sprachgewandten Texten kritisiert die Band Verschwörungstheoretiker und Wutbürger („Fenster“) oder die Leistungsgesellschaft („Sklave“) – Gesellschaftskritik mit Pop-Sound. „Rein statistisch hat jeder dritte von uns die AfD gewählt“, sagt Brummer im Hinblick auf die sächsischen Wahlergebnisse und singt „Schüsse in die Luft“, ein Wutsong über politische Ignoranz. Kraftklub sind laut und provokant. Statt die umstrittenen Refrainzeile „Du verdammte Hure“ („Dein Lied“) zu singen, wird das Lied nur angespielt und zwei Frauen in Unterwäsche und Gesichtsmaske kommen auf die Bühne und halten ein Schild mit „I bims die Hure hoch. „Danke an die Femen“, sagt Brummer anschließend ironisch. Selbstkritik sieht irgendwie anders aus.

Es ist heiß in der Halle, die weißen Poloshirts sind schnell durchgeschwitzt, die roten Harrington-Jacken haben Kraftklub schnell ausgezogen. Aber das reicht den Zuschauern nicht, immer wieder fordern sie „Ausziehen“. „Das ist wohl euer Lieblingssong. Der 24-Nackig-Song“, sagt Brummer lachend. Dass Drummer Max Marschk da bereits sein Shirt ausgezogen hat, bleibt wohl unbemerkt. Nach knapp zwei Stunden ist das Konzert zu Ende.

Von Kira von der Brelie

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