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00:18 21.10.2014
Foto: Von der schwülstigen Pop-Ballade über brachiale Metal-Klänge, von Mozart und Brahms über Abba und Bon Jovi: David Garrett serviert ein leicht bekömmliches Menü durch viele Musikgenres.
Von der schwülstigen Pop-Ballade über brachiale Metal-Klänge, von Mozart und Brahms über Abba und Bon Jovi: David Garrett serviert ein leicht bekömmliches Menü durch viele Musikgenres. Quelle: Tobias Kleinschmidt
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Hannover

„Also sprach Zarathustra“ als Intro, seine Band und das Orchester, die Neue Philharmonie Frankfurt, intonieren Richard Strauss zu flackernden Bildern auf einer großen Leinwand. Garrett kommt auf die Bühne geschwebt, „Let Me Entertain You“ leuchtet auf der Leinwand, schon zu Beginn gibt es ein Feuerwerk, es blitzt, raucht und funkelt überall.

Tänzerinnen des deutschen Fernsehballetts schwenken zu Mariachiklängen von Garretts Band Beine, Hüften und Folkloreröcke. Dann macht Garrett „Born in the USA“ zu einem Garrett-Song. Die Band stampft sich durch den Springsteen-Titel, Garrett spielt die irische Fiddle. Andrea Bocelli kommt sepiafarben als Einspieler auf die Leinwand, während Garrett, sepiafarben von den Kameras auf die Leinwand projiziert, „Ma dove sei“ spielt, das Lied, das er für den italienischen Tenor geschrieben hat. Das wieder bleibt seicht, steckt voller Klischees, einschließlich wimmernder E-Gitarre und Halbtonsprung. Die unvermeidliche Ouvertüre aus der Carmina Burana wirkt kraft- und drucklos. „Wir haben uns warm gespielt“, sagt er.

David Garrett ist auf Tour: Nach seiner Klassik-Konzertreise, bei der er im Mai Hannover einen Besuch abgestattet hat, war er heute abend mit "Classic Revolution" auf der ganz großen Bühne. Dabei zeigte er sich von einer völlig anderen Seite.

Von der schwülstigen Pop-Ballade über drängende Metalklänge, von Mozart und Brahms über Abba und Bon Jovi – Garrett serviert fortan eine leicht bekömmliche Menüfolge aus vielen Musikgenres. Zwischendurch plaudert er mit Franck van der Heijden, seinem Orchesterleiter, und erzählt Geschichten. Von seiner Mama, die sich per SMS Sorgen macht, weil die Butter in seinem Kühlschrank seit einem Jahr abgelaufen ist, von der Frau, die ihn auf der Straße ansprach: „Sie sehen aus wie David Garrett, aber Sie haben nicht dessen schöne blaue Augen.“

Dann nimmt der (braunäugige) Entertainer die Wollmütze ab, die langen Haare wehen im Wind, bei „Well Dressed Guitars“ von Deep-Purple-Gitarrist Steve Morse sprühen Funken aus seiner Geige – hoffentlich ist es nicht die Stradivari. Bei „We Are The Champions“ schwenken die Tänzerinnen Deutschlandfahnen, um die Fußball-WM auch noch mal in Erinnerung zu rufen. Es könnte aber auch bedeuten: Deutschland einig Garrett-Land.

Die 9000 in der nicht ganz ausverkauften Arena bejubeln das Gesamtpaket Garrett, jubeln nach jedem Menügang, den er serviert. Beim Schlussmedley hält es niemand mehr auf den Sitzen: Nach Jacksons „Smooth Criminal“, Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ und Run DMCs „Walk This Way“ fordern die Fans eine Zugabe. Die ist von Elvis, „You are always on my mind“ – auch Hannover wird Garrett nicht so schnell vergessen. Am kommenden Freitag erscheint David Garretts neues Album „Timeless Brahms und Bruch“.

Von Michael Krowas

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