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Kultur Dead Can Dance bringt neues Album heraus
Nachrichten Kultur Dead Can Dance bringt neues Album heraus
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06:16 12.08.2012
Von Uwe Janssen
Lisa Gerrard und Brendan Perry haben ein neues Album veröffentlicht. Quelle: privat
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Hannover

Eigentlich ist es die falsche Jahreszeit für Gothic. Doch mitten im Sommer - auch wenn es ein eher düsterer ist - hat die schwarze Gemeinde viel zu feiern. Gemeinsam mit Wave-, Electro- und Mittelalterrockfreunden tut sie das ab morgen beim M’era-Luna-Festival in Hildesheim. Mancher wird schon heute ein Kerzchen anzünden und den Klängen von Dead Can Dance lauschen. Das Duo ist nicht bei M’era Luna, hat aber eine neue CD.

Das Werk trägt den pathetischen Namen „Anastasis“, was so viel wie Auferstehung oder Wiedergeburt heißt - und passt. Ein gewisses Pathos gehört seit jeher zum Selbstverständnis der Band, und von einer Auferstehung kann man tatsächlich sprechen, obwohl Comeback es auch getan hätte. 16 Jahre lang haben Brendan Perry und Lisa Gerrard keine neuen Songs aufgenommen. Eigentlich galt das Kapitel Dead Can Dance als beendet, auch, weil beide Musiker als Solisten ganz unterschiedliche Wege einschlugen. Doch irgendwie war wohl noch nicht alles gesagt. Und so machen sie nun weiter. Da, wo sie aufgehört haben.

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Dabei ist es im Universum der 1981 gegründeten Band gar nicht so düster, wie es klingt. Dead Can Dance stand – oder vielmehr schwebte – immer über allen Genres. Der früh nach Neuseeland emigrierte Brite Perry war ursprünglich Punkbassist, wandte sich aber zusammen mit der australischen Sängerin Lisa Gerrard ethnischer Musik zu. Unter dem Namen Dead Can Dance arbeiteten die beiden mit wechselnden Musikern und brachten auf ihren Alben mehr und mehr Musikstile oder wenigstens Zitate unter einen Hut. Mittelalterrock, Folk und Neoklassik standen wie selbstverständlich neben orientalischen Einflüssen, später kamen afrikanische Rhythmen und Naturklänge hinzu.

Perrys Bariton und Gerrards federleichter Altstimme hielten den Laden zusammen, und wen einmal diese Atmosphäre gefangengenommen hatte, war hoffnungslos verloren. Wer die Soundarchitekten in seinem Kopf bauen ließ, dem errichteten sie vor dem geistigen Auge monströse Phantasiewelten. Kein Wunder, dass sich bald das Kino brennend für die Arbeit der beiden interessierte. Lisa Gerrard, die in keiner Sprache, sondern fast ausschließlich erfundene Wörter singt, ist den meisten Menschen durch den Soundtrack von Ridley Scotts Sandalenepos „Gladiator“ bekannt und begleitet Russell Crowe dabei passenderweise in dessen Traumsequenzen. Als Solokünstlerin ist sie eng an der Filmmusik geblieben, während Perry sich mehr dem Folk zuwandte.

Doch nun startet Dead Can Dance eine neue Reise in unendliche Weiten, nimmt dabei viele Instrumente von Synthesizer bis Hackbrett mit, verbreitet wieder Botschaften für die Ewigkeit und stellt die ganz großen Fragen. Woher kommen wir? Wohin gehen wir? „We are ancient, as ancient as the sun, we came from the ocean, once our ancestral home“ singt Perry fast in Zeitlupe und mit Kirchenhall in „Children of the Sun“. Und wenn Gerrard ihre Wortkreationen singt, bekommen ihre Lieder Flügel.

Hätte Ridley Scott das nur früher gewusst! Gerade ist er im Kino mit dem Raumschiff „Prometheus“ in ferne Galaxien aufgebrochen, um die Ursprünge unseres Lebens zu suchen. Seine Wissenschaftler werden tatsächlich fündig. Sie halten das, was sie finden, zunächst für tot. Bis sie merken, dass es lebt. Und eine Sprache spricht, die niemand versteht. So einen Totentanz hätte er auf der Erde einfacher haben können.

Dead Can Dance: „Anastasis“ (Pias)

Karl-Ludwig Baader 09.08.2012
Martina Sulner 12.08.2012