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Kultur „Feuchtgebiete“ geht in Locarno leer aus
Nachrichten Kultur „Feuchtgebiete“ geht in Locarno leer aus
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11:22 18.08.2013
Den Goldenen Leoparden gewann der Film „Historia de la meva mort“ des Regisseurs Albert Serra. Quelle: dpa
Locarno

Das deutsche Kino konnte zum Abschluss des 66. Internationalen Filmfestivals Locarno am Samstagabend einen schönen Erfolg verbuchen: Marc Bauder (29) erhielt für „Master of the Universe“ die Auszeichnung für den Besten Film der renommierten Sektion „Woche der Kritik“. Der Regisseur wirft in seiner in deutsch-österreichischer Koproduktion entstandenen Dokumentation einen pointierten, kritischen Blick hinter die Kulissen des internationalen Bankgeschäfts.

Ansonsten ging das deutsche Kino bei dem nach Cannes, Berlin und Venedig viertwichtigsten europäischen Filmfestival leer aus. Der Film „Feuchtgebiete“ nach dem Bestseller von Charlotte Roche hatte als einer der Favoriten gegolten, Hauptdarstellerin Carla Juri als Anwärterin auf die Auszeichnung als beste Schauspielerin.

Den Hauptpreis, den Goldenen Leoparden, bekam die spanisch-französische Gemeinschaftsproduktion „Historia de la meva mort“ („Die Geschichte meines Todes“) des katalanischen Regisseurs Albert Serra. Der Film, bei dessen Galaaufführung in Locarno so viele Zuschauer das Kino vorzeitig verließen wie bei keinem anderen Wettbewerbsbeitrag, erzählt in kaum zu entschlüsselnder Kunstsprache eine Begegnung zwischen Casanova und Dracula.

Wie beim Hauptpreis, so haben die Juroren auch sonst weitgehend abseits der Erwartungen von Publikum und Kritikern entschieden. Der Spezialpreis der Jury geht an den Filmessay „E Agora? Lembra-me“ („Und was nun? Erinnere mich“). Hierin unternimmt der aidskranke Portugiese Joaquim Pinto in nebulösen Bild-Ton-Montagen eine sentimentale Nabelschau. Ebenso überraschend ist der Preis für die Beste Regie an den Südkoreaner Hong Sangsoo für „U ri Sunshi“ („"Unsere" Sunhi“), einen spröden Dialogfilm, in dem eine junge Frau in starr gefilmten Szenen von drei Männern nach ihrem Leben gefragt wird.

Den Erwartungen der Mehrheit der Festivalbesucher entsprechen die Auszeichnungen für darstellerische Leistungen: Den Preis als Beste Schauspielerin erhält die US-Amerikanerin Brie Larson. Sie spielt in dem Jugendheimdrama „Short Term 12“ eine engagierte Erzieherin. Die Ehrung als Bester Darsteller geht an den Peruaner Fernando Bacilio für seine Interpretation eines Justizbeamten in dem Gesellschaftspanorama „El Mudo“ („Der Stumme“), eine Gemeinschaftsproduktion von Peru, Frankreich und Mexiko.

Die Preisverleihung fand am Samstagabend vor tausenden Zuschauern statt. Das 66. Internationale Filmfestival Locarno hatte in zehn Tagen knapp dreihundert Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme in verschiedenen Sektionen gezeigt.

dpa

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