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Kultur „Der Informant!“: Plaudertasche in der Chefetage
Nachrichten Kultur „Der Informant!“: Plaudertasche in der Chefetage
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02:34 06.11.2009
„Ich bin Agent 0014, weil ich doppelt so schlau bin wie James Bond“: Matt Damon als Mark Whitacre in „Der Informant!“.
„Ich bin Agent 0014, weil ich doppelt so schlau bin wie James Bond“: Matt Damon als Mark Whitacre in „Der Informant!“. Quelle: ddp
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Diesem Mark Whitacre mag man so gar nichts Böses zutrauen. Ein wenig langweilig und spießig schaut er aus. Das ein wenig zu auffällige Toupet und der Oberlippenbart machen ihn auch nicht wirklich attraktiver. Pflichtbewusst, vielleicht ein wenig übereifrig, scheint der beim Agrarkonzern Archer Daniels Midland (ADM) in Illinois arbeitende Biotechniker zu sein. Als er den Verdacht hegt, dass Betriebsgeheimnisse an einen japanischen Konkurrenten verraten wurden, übernimmt das FBI die Ermittlungen.

Whitacre lässt sich nur zu gerne von den FBI-Detektiven einspannen. Bald schon meldet er ein Geheimkartell der Lebensmittelindustrie und illegale Preisabsprachen im großen Stil. „Ich bin Agent 0014, weil ich doppelt so schlau bin wie James Bond“, sagt Whitacre vermeintlich im Scherz und die Beteiligten merken erst zu spät, dass sich der Hobby-Spion im Dienste der guten Sache tatsächlich zu Höherem berufen fühlt.

Matt Damon, der schon in Robert de Niros „Der gute Hirte“ den Mitbegründer des CIA als unauffällige graue Maus spielte, schlüpft für Steven Soderberghs „Der Informant!“ erneut in eine kleinbürgerliche Spießerfigur. Für die in den frühen 90er Jahren angesiedelte Krimikomödie aß er sich eigens einen Mittelstandsbauch an und ließ sich vom Kostümbildner geschmacklose Klamotten und ein langweiliges Buchhalter-Brillengestell verpassen.

Am 5. November startet die schwarze Komödie „Der Informant!“ mit Matt Damon in der Hauptrolle in den deutschen Kinos.

Gerade als der bis dahin amüsante, aber nicht wirklich spektakuläre Film sich in die Länge zu ziehen beginnt, nimmt die Story an Fahrt zu. Denn Whitacre hat längst Realität und Wirklichkeit verwechselt, Lüge und Wahrheit vermögen weder das FBI noch die Konzernführung zu durchschauen. Um seine eigenen Schwindeleien zu vertuschen, erfindet Whitacre immer weitere vermeintliche Intrigen und Betrügereien.

Das tatsächlich Verblüffende an diesem schwindelerregenden Strudel aus Lügen und Verschwörungstheorien ist, dass er nicht erfunden ist. Der Journalist Kurt Eichenwald deckte den Fall in seinem Buch „The Informant!“ auf. Soderbergh machte es sich bei seiner Filmadaption vielleicht etwas zu leicht und vertraute allein auf den Überraschungseffekt der sich zuspitzenden Hochstapeleien.

Die Chance aus diesem Stoff eine wirklich böse Satire auf die Abwege des Kapitalismus und die Praktiken und Betriebsblindheit der Konzerne zu machen, hat Soderbergh nicht genutzt. Anders als mit seiner rasanten „Ocean’s“-Trilogie begnügte er sich damit, eine gediegene und nicht durchweg spannende Komödie abzuliefern.

Kinostart: 5. November 2009

ddp