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Kultur Der Roman zum Fall Strauss-Kahn
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13:28 13.12.2011
Der Fall Dominique Strauss-Kahn ist Grundlage des Buches „L’enculé“ von Marc-Édouard Nabe. Quelle: dpa (Archivfoto)
Paris

Starker Tobak, würde mancher wohl sagen. Was der französische Schriftsteller Marc-Édouard Nabe in seinem Buch „L’enculé“ (etwa: Das Arschloch) über eine Sex-Affäre schreibt, die von den Schlagzeilen über den Ex-IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn (DSK) inspiriert ist, geht tief unter die Gürtellinie. Was er dabei erzählt, ist Fiktion. Und so erzählt er in der Ich-Form von einer Begegnung zwischen dem Protagonisten und einem schwarzen Zimmermädchen im Hotel in New York.

Nabe versucht, sich in den früheren Spitzenbanker zu versetzen - so wie Jonathan Littell, der in seinem Bestseller „Die Wohlgesinnten“ in die Haut eines nationalsozialistischen Verbrechers geschlüpft ist. Der Roman Nabes ist im Selbstverlag erschienen, nicht weil sein Autor ein Unbekannter wäre, sondern wohl auch aus Angst von Verlagen vor zahlreichen Klagen.

Und selbst wenn der offizielle Literaturbetrieb in Frankreich ihn boykottiert: Das Buch wird dennoch gekauft. Die erste Auflage von 2000 Exemplaren sei vergriffen, die zweite Auflage habe er bereits drucken lassen, wie er selbst angibt - und zwar in Deutschland.

Was Nabe schreibt, ist an Zynismus und Spott schwer zu überbieten. Nabe konzentriert sich auf das, was hinter der Zimmertür in New York vorgefallen sein könnte, und auf die kurze Zeit danach mit Haft und Hausarrest. Der 62-jährige Autor entleiht sich für den Roman die Namen seiner Figuren aus der Realität. Und er tut so, als versetze er sich auf den rund 250 Seiten in den Kopf und den Körper seiner Romanfigur, die abgekürzt DSK heißt.

Zur Inspiration durch die Wirklichkeit sagte der Autor in einem Interview: „Je mehr sich die Affäre zuspitzte, desto mehr wurde daraus der geeignete Roman für mich, mit allen Elementen, die mich interessieren.“ Und die sind: Sex, Geld, Politik, Amerika. Voller Häme zieht er in seinem Roman auch über die Frau der DSK-Figur her. Diese hinterlegt für dessen Entlassung aus dem US-Gefängnis Geld. Und zwar, so interpretiert es Nabe, um danach aus ihrem Ehemann den ersten jüdischen Präsidenten Frankreichs zu machen.

Nabe hat in den vergangenen 25 Jahren um die 30 Bücher und Aufsätze verfasst. Er gehört zu den „enfants terribles“ der französischen Literatur. Seit 2010 verkauft er seine alten und neuen Bücher selbst. Um seine älteren Autorenrechte dafür zurückzubekommen, musste er vor Gericht klagen. „Statt meiner jämmerlichen 10 Prozent Autorenrechte bekomme ich nun 70 Prozent“, freute sich Nabe, der mehrmals Favorit großer französischer Literaturpreise war.

Nabe sagt, er habe in dem Buch eine Person schaffen wollen, die dem „Menschenfeind“ von Molière gleichen solle. Mit dem Unterschied, wie er erläutert, dass jeder den Namen der realen Person Strauss-Kahn schon mal gehört habe und die Geschichten von den vermeintlichen Affären kenne - unter anderem auch mit der Autorin Tristane Banon.

Die realen strafrechtlichen Ermittlungen wegen versuchter Vergewaltigung gegen den echten Banker wurden allerdings in New York ebenso wie im Fall Banon eingestellt. Für Nabe ist dieser Teil der Realität vermutlich eher nebensächlich. Nur das, was im Kopf seines Protagonisten vorgehe, interessiere ihn: „Ich wollte die Person von innen heraus erkunden“, erklärte der Autor. Dass er dabei seine eigenen Neurosen miteingearbeitet habe, darüber ließe sich streiten, räumte der Provokateur ein.

dpa

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