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Kultur Wo Lebowski irrt
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09:09 20.08.2014
Von Tobias Morchner
Mit dabei: die Doobie Brothers.
Mit dabei: die Doobie Brothers. Quelle: Archiv
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Es gibt da diese eine wunderbare Szene im Film „The Big Lebowski“ von den Coen-Brüdern. Der Held, gespielt von Jeff Bridges, fährt angeschlagen und vollkommen erledigt in einem Taxi. Plötzlich schaltet der Fahrer das Radio ein, und aus den Lautsprechern erklingt ein Song der Eagles. Vollkommen entnervt bittet der Fahrgast den Taxler, einen anderen Sender zu suchen: „Ich hatte eine harte Nacht, und ich hasse die beknackten Eagles“, beschwert er sich. Der Satz hat Konsequenzen. Der Taxifahrer schmeißt seinen Gast wutentbrannt an der nächsten Ecke aus dem Wagen.

Die Eagles haben, wie die Kollegen der Doobie Brothers oder auch Chicago, trotz ihrer großen Erfolge weltweit im Lauf ihrer Karrieren immer wieder üble Schmähungen über sich ergehen lassen müssen. Ihr sanfter, weichgespülter Sound, in dem sich das entspannte Lebensgefühl Mitte der siebziger Jahre an der amerikanischen Westküste widerspiegelte, wurde als Softrock verschrien. Das Gebaren der Musiker dieser Zeit, in Learjets von einer Poolparty zur nächsten zu flitzen, missfiel den Kritikern ebenfalls.

Heute hat sich die Sicht auf die West-Coast-Szene von damals um 180 Grad gedreht. Der Softrocksound ist wieder in Mode. Viele erfolgreiche aktuelle Bands wie Dawes, Haim oder Destroyer berufen sich auf die einst so belächelten Bands. Inzwischen ist der Trend auch in Deutschland angekommen und hat den Berliner Marcus Liesenfeld, der unter dem Namen DJ Supermarkt auflegt, dazu inspiriert, tief in die Archive der West-Coast-Musik einzutauchen. Dabei hat er tatsächlich viele heute in Vergessenheit geratene Musiker und deren Werke zu Tage gefördert, die er jetzt auf dem wunderbaren Sampler „Too Slow to Disco“ präsentiert.

19 Stücke enthält das Album, auf dem natürlich auch Größen wie die angesprochenen Doobie Brothers und Chicago vertreten sind, wenn auch zum Glück nicht mit ihren auf allen Festen dieser Welt von Coverbands durchgenudelten Hits, sondern mit unbekannteren Songs. Die schönsten Überraschungen des Albums kommen von den nicht so geläufigen Namen wie Rupert Holmes mit „Deco Lady“ oder Don Brown („Shut the Door“). Marcus Liesenfeld fängt mit dieser gelungenen Softrock-Zusammenstellung nicht nur damaliges Lebensgefühl ein, sondern unterfüttert auch einen aktuellen Trend.

Das Album trägt übrigens den Zusatz „Volume 1“. Es besteht also Hoffnung, dass er noch weitere Fundstücke aufgetan hat, die er den Musikfans auf keinen Fall vorenthalten will.

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