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Kultur Der Schatz von Yves Saint Laurent löst sich auf
Nachrichten Kultur Der Schatz von Yves Saint Laurent löst sich auf
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19:17 26.02.2009
Von Johanna Di Blasi
Ein Leben mit der Kunst: Yves Saint Laurent hat sich mit kostbaren Stücken umgeben (das Bild links zeigt eien Ausschnitt des Wohnzimmers seiner Pariser Wohnung). Sie wurden jetzt versteigert.
Ein Leben mit der Kunst: Yves Saint Laurent hat sich mit kostbaren Stücken umgeben (das Bild links zeigt eien Ausschnitt des Wohnzimmers seiner Pariser Wohnung). Sie wurden jetzt versteigert. Quelle: Christies's
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In Paris kamen am Dienstag 14 Silberobjekte von hannoverscher Herkunft zu einem Gesamtschätzwert von mehr als einer Million Euro zur Versteigerung. Selbst für Silberexperten war es eine Überraschung, dass der im Juni 2008 verstorbene Modezar Yves Saint Laurent und sein Lebensgefährte Pierre Bergé neben Werken von Künstlern wie Pablo Picasso oder Paul Cézanne auch Prunkpokale des hannoverschen Königshauses besaßen.

Die Silberobjekte aus dem Königshaus Hannover erbrachten 6,1 Millionen Euro – nahezu ein Fünffaches des oberen Schätzwertes – teilte das Auktionshaus Christie‘s am Dienstagabend mit. Das Spitzenwerk aus ehemaligem Welfenbesitz war ein vierköpfiger Silberpokal, den die Stadt Osterode 1649 ihrem Regenten, Welfen-Herzog Georg Wilhelm, zum Geschenk machte.

Er ging für rund 850.000 Euro an die Pariser Galerie Kugel. Diese ersteigerte auch einen überaus großen Pokal aus Lüneburg für rund 600.000 Euro. Wann die opulenten Akeleipokale, mit denen Barockherrscher Reichtum demonstrierten, vom Königshaus veräußert wurden, ist nicht bekannt.

Die als „Versteigerung des Jahrhunderts“ titulierte Yves-Saint-Laurent-Auktion, die heute im Pariser Grand Palais zu Ende geht, umfasst insgesamt 733 Objekte. Zur Vorbesichtigung erschien sogar Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Schon der Montag erbrachte, trotz Weltwirtschaftskrise, 206 Millionen Euro. Das sei ein Rekord bei der Versteigerung einer Privatkollektion, teilte das Auktionshaus Christie’s mit. Ein Matisse-Gemälde erbrachte knapp 36 Millionen Euro – ein Rekord für ein Matisse-Werk. Das teuerste Los, ein kubistisches Gemälde von Pablo Picasso, fand aber keinen Käufer.

Unmut über die Versteigerung äußerte China. Zwei Bronzefiguren, ein Hasen- und ein Rattenkopf (Schätzwert bis zehn Millionen Euro), sollen aus dem 1860 geplünderten Pekinger Sommerpalast stammen. Ein Pariser Gericht wies die Klage der Chinesen allerdings rechtzeitig vor Auktionsbeginn zurück.

Erst der große Ausverkauf der Schätze des Modezaren durch seinen Lebensgefährten – gemeinsam haben die beiden in fast fünfzig Jahren eine museale Kollektion zusammengetragen – gibt eine Vorstellung von dem Prunk, mit dem sich der in den sechziger Jahren mit Hosenanzügen für Frauen bekannt gewordene Couturier umgab. In den Pariser Stadtwohnungen in der Rue de Babylone und der Rue Bonaparte (im Geburtshaus Edouard Manets) hingen Werke alter und moderner Meister. Auf Art-déco-Tischen standen seltene Plastiken. Auch ein zwei Meter hoher ägyptischer Sarkophag befand sich in Saint Laurents Wohnung, und im Garten stand ein römischer Minotaurus.

Auf den gekonnten Mix aus Moderne und Klassik war der Modezar stolz. Er orientierte sich am Geschmack hochadliger Sammler wie des Vicomte de Noailles. Sein 79-jähriger Gefährte löst nun ein Gesamtkunstwerk auf. Der Schatz wird in alle Winde zerstreut. Die eine Hälfte des Erlöses soll der Aidsforschung zukommen, die andere einer Stiftung, die das Werk des Modeschöpfers würdigen soll. „Ich bin sehr glücklich, und ich denke, dass Yves auch sehr glücklich gewesen wäre“, sagte Bergé.

Wird ein Teil des Welfensilbers aus Paris nach Hannover zurückkehren? Etwa durch die Stiftung Niedersachsen? „Während einer Auktion äußern wir uns grundsätzlich nicht“, sagte gestern Joachim Werren, der Generalsekretär der Stiftung. „Wenn, dann regeln wir die Dinge hinter den Kulissen.“ Lebhaftes Interesse gibt es in Lüneburg. Der Oberbürgermeister der Heidestadt bemühte sich, Geld für den Ankauf eines Lüneburger Pokals zusammenzubekommen – und hofft dabei auf Geld der Kulturstiftung des Bundes.