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Kultur Der Unvollendete Piet Klocke
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19:20 18.11.2012
Von Simon Benne
Kampf gegen Irrsinn: Piet Klocke im Pavillon. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
Hannover

Steif, hager und zauselhaarig sitzt Piet Klocke im ausverkauften Pavillon. Von Kopf bis Fuß der Typ, der schon als Oberstudienrat geboren wurde. Einer, der die Welt kraft seiner Geistesstärke schon ordnen könnte, wenn ihm dabei nicht ständig so viele neue, unbedingt noch zu berücksichtigende Aspekte in den Sinn kämen, dass die Kürze der Zeit das jetzt ja gar nicht mehr zulässt, und deshalb bleiben so viele Sätze bei ihm unvollendet. Konsequenterweise heißt sein Programm „Kann ich hier mal eine Sache zu Ende“.

Die Finger am Brillenrand, die Hände hüfthoch zum Himmel ringend, kämpft er verbal gegen den Irrsinn des Alltags. Er spricht über Kicherwale und das Balzverhalten der Tauben, über Kultur („Selbst Jazz ist aus Musik entstanden“) und über sich selbst („Von Lebenslauf kann man eigentlich gar nicht sprechen, da war viel Stillstand“). Er berichtet mit ausgeprägtem Kopfschütteln - das ist seine Lieblingsgeste - von dem chinesischen Lokal, das „Bayerische Wochen“ anbot („Wie oft mir da die Haxe vom Stäbchen.“). Dann setzt er ein paar philosophische Aphorismen in die Welt: „Ist Gegenwart denkbar - und wenn ja, wie lange noch?“

Klocke ist ein Sprachspieler alter Schule. Ein Wörtlichnehmer und Metaphernzerleger. Etwa, wenn er der Frage nachgeht, was es wohl mit dem „Patientenparkplatz“ vor der Tierarztklinik auf sich hat, den er kürzlich entdeckt hat. Allerdings zündet nicht jede Pointe: Einerseits pflügt Klocke gedanklich permanent so tief, dass Hochkonzentrationshumor dabei herauskommt. Andererseits will er jeden noch so banalen Gag mitnehmen: „Die meisten ägyptischen Königinnen schliefen bei offener Pyramide“, heißt es dann schon mal. Schwamm drüber, Herrschaften. Oder wie er selbst sagt: „Der Alltag fragt auch nicht nach Niveau.“

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