Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Das geht doch gar nicht
Nachrichten Kultur Das geht doch gar nicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:17 09.12.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Wenn Schauspieler sich vor Lachen kugeln, muss das Publikum nicht immer mitlachen: Janko Kahle und Hagen Oechel. Quelle: Ribbe
Anzeige
Hannover

Adolphe? Soll der Sohn von Anne und Vincent wirklich Adolphe heißen? Meinen die Eltern das ernst? Adolphe wie Adolf? Das geht doch gar nicht. Allerdings gibt es vieles, das gar nicht geht, mit dem man aber doch umgehen muss. Die Adolf-Frage ist hier nur der Kristallisationskern, aus dem sich verschiedene Das-geht-doch-gar-nicht-Situationen entwickeln.

Mit dem Stück „Der Vorname“, in dem der Adolf-Fall verhandelt wird, ist den französischen Autoren Alexandre de La Patellière und Mathieu Delaporte eine federleichte, witzige, elegante Salonkomödie gelungen. Das Stück spielt an einem Abend an einem Ort: Zu sehen sind zwei linksintellektuelle Paare und ein Single bei einem Abendessen. Sie reden über den Namen des Kindes von Anna und Vincent, über die Vergangenheit und über Egoismus. Dabei kommen einige Geheimnisse zutage, und dabei gibt es einige Verletzungen. Viele Zuschauer werden sich in den Figuren irgendwie wiedererkennen können. Und oft ist der Streit zum Brüllen komisch.

Anzeige

Das Stück aus dem Jahr 2010 lief mit großem Erfolg in Paris auf der Bühne, zwei Jahre nach der Uraufführung kam es ins Kino. Den Autoren ist etwas gelungen, was deutschen Schriftstellern schwerfällt: Sie haben eine geistreiche Komödie geschrieben, die eine bestimmte Gesellschaftsschicht unserer Zeit sehr gut widerspiegelt. „Der Vorname“ ähnelt zwar den Stücken der Erfolgsautorin Yasmina Reza – aber das muss ja kein Nachteil sein.

In Hannover wird die Salonkomödie auf der großen Bühne des Schauspielhauses gespielt. Jo Schramm hat ein fantastisches Bühnenbild (mit einer sehr lebendig leuchtenden Ansicht von Sacre Coeur und Montmatre) geschaffen, den Darstellern (Carolin Eichhorst, Mathias Max Herrmann, Janko Kahle, Hagen Oechel und Sarah Franke) gelingen viele witzige Szene. Das Publikum wird anderthalb Stunden lang auf hohem Niveau unterhalten.

Allerdings hätte die Salonkomödie vielleicht auch noch komischer sein können. Regisseur Tom Kühnel hat sich – als Bekräftigung eines Kunstanspruchs? zur Demonstration der eigenen Handschrift? – bemüht, der Komödie etwas Eigenes beizumengen. An vielen Stellen lässt er die Darsteller Haltungen übertreiben oder in Posen erstarren. Vincent (Hagen Oechel), der das Spiel mit dem unmöglichen Vornamen beginnt, muss wie Charlie Chaplins Hitler mit einem aufgeblasenen Erdballon über die Bühne tänzeln. Carolin Eichhorst – ansonsten ganz vorzüglich in ihrer Rolle – muss in einer Seelenschmerzszene plötzlich mit italienischem Dialekt sprechen.

Warum? Damit die Zuschauer merken, dass das hier übertrieben ist? Unterschätzt der Regisseur da nicht sein Publikum? Kühnels Holzhammerregie zerstört viel. Seine Einfälle wirken wie aufgepfropfte Albernheiten. Albernheit aber darf in einer Komödie nicht einfach nur behauptet werden. Es wäre viel komischer, sie langsam zu entwickeln. Dennoch: Ein so gut gebautes Stück wie „Der Vorname“ hält einiges aus. Daher: Viel Applaus.

Wieder am 12. und 21. Dezember, sowie am 4., 5., 11., und 29. Januar.

Kultur Rammstein-Coverband im Capitol - Herzbrennen
08.12.2013
Kultur Kaya Yanar in Hannover - Woher kommst du?
11.12.2013
Kultur Interview mit Alice Munro - Die Angst vor den früheren Werken
08.12.2013