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20:22 04.08.2013
Vor opulentem Bühnenbild: Michael Volle als Hans Sachs, Markus Werba als Sixtus Beckmesser und Monika Bohinec als Magdalena in Salzburg. Quelle: Wildbild
Salzburg

Es beginnt mit einem Knalleffekt. Es folgt allerdings nicht das Feuerwerk, das man vom Regisseur Stefan Herheim erwarten konnte. Der hat immerhin 2008 in Bayreuth zusammen mit dem „Parsifal“ gleich die deutsche Geschichte der letzten 150 Jahre auf die Bühne gebracht. Er wäre also der rechte Mann gewesen, um den (vermeintlichen?) Machtanspruch der deutschen Kunst neu zu verhandeln, mit dem Richard Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ endet. Peter Konwischtny hat das 2002 in Hamburg auf offener Opernbühne ausdiskutieren lassen. Und Olivier Tambosi hat gerade eben für Hannover die Parolen einfach umgedichtet und entpolitisiert.

Aber Herheim hat für die Salzburger Festspiele lieber das Drama eines alternden Mannes in eine märchenhafte Szene gesetzt. Das brachte ihm ein paar Buhs, aber doch auch Zustimmung ein.

Bei ihm müsste die Oper „Hans Sachs“ heißen. Oder „Der arme Poet“. Der ist es auch, der zu Beginn die Tür ins Schloss schmeißt, sich im Nachthemd und mit Schlafmütze an den Schreibtisch stürzt und schreibt und schreibt. Dann Licht, Erschrecken - und die Musik beginnt.

Heike Scheele hat die überbreite Bühne des Großen Festspielhauses meisterlich möbliert. Ganz links der Betstuhl, an dem viel später der in Liebesdingen noch einmal in Bedrängnis gebrachte Sachs zusammenbricht. Daneben der Sekretär, die Schusterwerkstatt, bürgerliches Wohnzimmerinterieur und ganz rechts eine kleine Spielstube samt Kasperltheater. Dann schließt Sachs einen Gaze-Vorhang, und mittels eines Video-Zooms rückt die Schreibwerkstatt in den Mittelpunkt. Wenn sich dann der Vorhang wieder öffnet, sehen wir eine Vergrößerung des Sekretärs als das Innere der Katharinenkirche. Im zweiten Akt werden Kommode und Schrank so vergrößert, im dritten Aufzug unter anderem die Regale im Hause Sachs. So verkleinern sich Menschen und Konflikte.

Im Vordergrund der Bühne stehen drei Künstlerbüsten, links Goethe, rechts Beethoven und in der Mitte noch eine verhüllte, die sich später - nicht ganz überraschend - als die Richard Wagners entpuppt; falls wir das von Reihe 25 richtig erkannt haben.

Angesiedelt ist die ganze Geschichte im Biedermaier, was Kostümbildnerin Gesine Völlm die Chance gibt, viel Stoff und viele Rüschen vernähen zu lassen. Stolzing kommt als Burschenschaftler daher und gibt sich nicht groß als Kunstrebell, sondern will nur die Eva. Dass Sachs nicht nur Schuhmeister und Poet dazu ist, sondern auch Hobbymaler, das ist neu. Allerdings hat sein Porträt von Eva mit dem roten Verführapfel eher Kaufhaus-Niveau.

Herheim vermeidet alles Plakative oder gar Politische, er inszeniert vor allem die Liebeswirren eines Sommernachtstraums, in dem das Museum erwacht. Oder besser: die Märchenwelt. Wenn Beckmesser Eva (die in Wirklichkeit Zofe Magdalena ist) ansingt, lässt die wie Rapunzel ihr Haar herunter. Allerlei Märchenfiguren umtanzen Beckmesser: die sieben Zwerge und Schneewittchen, die Bremer Stadtmusikanten und der Struwwelpeter. In der Festwiese greift Herheim diese Idee noch einmal auf. Da gibt es Mummenschanz, keinen Reichsparteitag, der „Adler“ ersetzt den Reichsadler: die erste Lokomotive auf deutschem Boden hat Richard Wagner offenbar tatsächlich beeindruckt. Und ein Krokodil gibt es auch, das aus dem Kasperltheater.

Jetzt rundet sich auch die private Tragikomödie des Hans Sachs, der die Kunst und den jungen Künstler fördern will, der Evchens Verführungskunst durchschaut und doch etwas dagegen wehrlos ist. Und Michael Volle macht das sehr genau, nimmt sich meist zurück: Den „Fliedermonolog“ beginnt er extrem verhalten, aber er kann auch auftreten.

Auf der Festwiese gilt’s nur der Kunst. Einen Moment überlegt Sachs, ob er sich mit dem Siegeslorbeer selbst krönen soll, lagert ihn dann aber doch auf der Wagner-Büste zwischen. Doch am Ende, als er in der berühmt-berüchtigten Meisteransprache (die Richard Wagner auf Cosimas Drängen hin nationalistisch eingefärbt hat) die Dinge zurechtgerückt hat, setzt er sich den Lorbeer selbst auf. Und bricht unter dem Druck zusammen. Die Menge verdeckt ihn, und als der Blick auf ihn wieder frei ist, steckt er erneut im Nachthemd und dirigiert emphatisch die Musik zu Ende. Das Liebespaar Walther von Stolzing und Eva ist da nicht mehr wichtig, aber sie waren mit dem aufgepumpten Mozart-Tenor Roberto Sacca und der angestrengten Anna Gabler sowieso im Klangschatten einer souveränen „Meistersinger“-Riege (angeführt von Georg Zeppenfelds Veit Pogner).

Und was wird aus Beckmesser, den Markus Werba nicht komisch, sondern nur verliebt zeichnet? Der liefert sich ganz am Schluss, ebenfalls im weißen Nachthemd, mit Hans Sachs noch ein kleines Duell vor dem Vorhang. Sind eben beide doch nur Verbalerotiker.

Das ist in der Menschenführung (auch zwischen Peter Sonns David und Monika Bohinecs Magdalena) sehr genau und musikalisch gearbeitet und - auch im Wortsinne - gut ausgeleuchtet, zeigt stillen Humor und weisen Witz. Dennoch fragt man sich an diesem sehr langen Abend, ob das reicht. Daran ist allerdings der, vom Publikum durchaus gefeierte, Daniele Gatti mitschuldig, der offenbar einen neuen Längenrekord aufstellen möchte. Das zieht sich - vierdreiviertel Stunden, gut eine halbe Stunde länger als sonst üblich. Nicht nur deshalb spielen die Wiener Philharmoniker uneben bis unkonzentriert, der Wiener Staatsopernchor kommt dagegen fast unfallfrei durch die vertrackte Prügelfuge. So wird Salzburgs Beitrag zum Wagnerjahr eher zur Pflichtveranstaltung.

Das Politische an und mit Wagner zeigt sich besser mit einem Blick in die Geschichte. Nur dreimal wurden die „Meistersinger“ bislang in Salzburg aufgeführt: 1936 und 1937 dirigierte Arturo Toscanini, der mit Nazi-Deutschland und Winifred Wagners Bayreuth nichts mehr zu tun haben wollte. 1938 musste auch dieser „welsche Tand“ der „deutschen Ehr’“ weichen. Es übernahm Wilhelm Furtwängler, Stardirigent, Toscaninis Antipode - und Vizepräsident der NS-Reichsmusikkammer.

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