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Kultur Der deutsche Geiger
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18:29 03.10.2012
Von Jutta Rinas
Tobias Feldmann Quelle: Kristoffer Finn
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Hannover

In der letzten Oktoberwoche dieses Jahres hat der Geiger Tobias Feldmann einen wichtigen Termin. Da wird er in Lübeck bei der Marie-Luise-Imbusch Stiftung ein Konzert geben. Erst im März dieses Jahres hat der 21-jährige den Deutschen Musikwettbewerb, einen der bedeutendsten deutschen Klassikwettbewerbe, gewonnen. Sein Sieg dort war auch mit einem Preis der Imbusch-Stiftung und der Preisvergabe bei diesem Konzert verbunden.

Bevor der Geiger allerdings nach Lübeck fährt, macht er noch in Hannover Station. Beim Joseph-Joachim-Wettbewerb will Feldmann, der an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ in Berlin bei Antje Weithaas studiert, sich ein weiteres Preisgeld, vor allem aber weitere Auftrittsmöglichkeiten erspielen.

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Feldmann ist der einzige deutsche Teilnehmer unter den 36 Kandidaten. Wie erklärt sich der 21-Jährige, der aus Fulda kommt und jetzt in Berlin lebt, seine Ausnahmestellung? In China habe die klassische Musik heute einen höheren Stellenwert als in Deutschland, sagt er. Allerdings lebten dort auch eine Milliarde Menschen im Gegensatz zu gerade mal 80 Millionen in Deutschland. „Kein Wunder, dass da ein paar Musiker mehr zusammen kommen.“ Für ihn mache es aber keinen großen Unterschied, woher jemand stamme. Es gebe auch in Deutschland tolle Musiker. Und: „Es kommt nur auf die Musik an, die man macht.“

Hat konsequente Frühförderung - Feldmann beispielsweise kam schon mit acht Jahren in die Frühförderklasse für Violine an der Würzburger Hochschule - etwas mit späterem, musikalischem Erfolg zu tun? Es sei schon wichtig, dass man früh die richtige Technik lerne und sich nicht irgendwelche falschen Sachen angewöhne, die man sich später mühsam wieder abtrainieren müsse. Gerade die Geige sei ein schwieriges Instrument, viel schwerer als das Klavier, wo alles immer gleich so gut klinge. Auf der Geige dagegen dauere es lange, bis man einen ordentlichen Ton produziere. „Es gibt bei der Geige immer auch Phasen, wo man seinen inneren Schweinehund überwinden muss.“

Warum tritt Feldmann wenige Monate nach seinem Erfolg beim Deutschen Musikwettbewerb überhaupt noch in Hannover an? Der Sohn eines Schulmusikers und einer Sängerin, der einen ebenfalls Geige spielenden, älteren Bruder hat, gibt eine ganz schlichte Antwort. „Ich bin gerade ganz gut in Form“, sagt er und lächelt freundlich. Außerdem sei er ja erst 21, da könne er noch gut Wettbewerbe spielen. Anders werde das möglicherweise mit 24, 25 Jahren sein, wenn er immer noch gegen zum Teil erst 16-jährigen Kandidaten antreten müsse. Der Joseph-Joachim-Wettbewerb sei außerdem einer der größten Wettbewerbe für Violine überhaupt. Ein Preis dort sei „ein toller Karrieresprung, der einen in jungen Jahren weit nach vorne bringt“.

Vorgestern zeigte Tobias Feldmann bei seinem ersten Auftritt im Wettbewerb, dass er mit der Einschätzung seiner „guten Form“ nicht ganz daneben liegt. Mit einem ausdrucksstarken und vom Publikum umjubelten Auftritt im Richard Jakoby Saal empfahl er sich für die zweite Runde.

Der Wettbewerb dauert bis zum 13. Oktober. Karten gibt es unter Telefon (0511)16841222 sowie an der Tageskasse. Vorrunde und Semifnale finden in der Musikhochschule am Emmichplatz statt.

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