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17:59 10.03.2014
Foto: Wegen Anfeindungen will der Intendant des Burgtheaters in Wien - Matthias Hartmann - sein Amt ab sofort ruhen lassen.
Wegen Anfeindungen will der Intendant des Burgtheaters in Wien - Matthias Hartmann - sein Amt ab sofort ruhen lassen. Quelle: dpa
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Wien

Wegen der schweren Finanzkrise am Wiener Burgtheater lässt dessen deutscher Intendant Matthias Hartmann ab sofort sein Amt ruhen. Er sei tief betroffen von öffentlichen Anfeindungen, erklärte Hartmann am Montag. Mit seiner Entscheidung wolle er „den Weg für die Versachlichung der Diskussion ermöglichen“.

Der Aufsichtsrat des Theaters hatte in einem am 27. Februar vorgelegten Bericht den Verdacht auf Urkunden- und Bilanzfälschung sowie Untreue geäußert. Die Vorwürfe richten sich allerdings nicht gegen Hartmann, sondern gegen dessen inzwischen entlassene Vizedirektorin Silvia Stantejsky. Diese hatte jede Schuld von sich gewiesen.

Hartmann (50) erklärte jetzt: „Obwohl es mir gelungen ist, die besten Besucherzahlen und die höchsten Einnahmen in der Geschichte des Hauses zu erreichen, werde ich für Buchhaltungsvorgänge aus der Ära meiner ehemaligen Co-Geschäftsführerin verantwortlich gemacht. Ich selbst habe vor mehr als zwei Jahren gängige Abschreibungspraktiken des Hauses in Frage gestellt.“

Der Intendant sprach zugleich von einer „medialen Schlammschlacht“, deren Folgen bereits seine Familie erreicht hätten - „meine Kinder werden bereits angepöbelt“. Angesichts dessen lasse er seine „Funktion als Geschäftsführer des Burgtheaters bis zur Klärung aller Sachverhalte ruhen“.

Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) und die österreichische Bundestheater-Holding zeigten sich überrascht von dem Schritt. Der Minister habe das entsprechende Schreiben Hartmanns erst am Nachmittag erhalten, so ein Sprecher der österreichischen Nachrichtagentur APA.

Am Dienstag sei ohnehin bereits ein Frühstücksgespräch über ein Rechtsgutachten zur möglichen Mitverantwortung von Hartmann für die Krise an der „Burg“ vorgesehen gewesen. Dieses Gutachten sei für Montagabend erwartet worden. Es werde auch im Zentrum einer Aufsichtsratssitzung stehen, die für Dienstagvormittag einberufen worden sei.

Hartmann will nach eigenem Bekunden zur weiteren Aufklärung der Finanzkrise des Theaters beitragen. Er stehe selbstverständlich dem Kulturausschuss im Parlament und auch dem Rechnungshof sowie all jenen, die zur Aufklärung beauftragt wurden, zur Verfügung, ließ es über seine Pressesprecherin mitteilen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass es in den nächsten Wochen in einem versachlichten Klima gelingen wird, der Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen.“

Das Burgtheater rechnet für die Spielzeit 2012/2013 mit einem Minus von 8,3 Millionen Euro. Zudem drohen Steuernachzahlungen in Höhe von bis zu fünf Millionen Euro.

dpa

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