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11:13 27.01.2014
Die Universität Leipzig will unter dem Spardruck des Landes auf die sächsischen Hochschulen die Studiengänge Archäologie und Theaterwissenschaft abwickeln. Quelle: Andre Kempner
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Ein kleiner Balkon an der altehrwürdigen Fassade des Leipziger Instituts für Theaterwissenschaft erinnert an Shakespeares Liebesszene aus „Romeo und Julia“. Im nach seiner Farbe benannten „Roten Kolleg“ soll im Jahr 1646 der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz geboren worden sein. In diesem Gebäude soll bald das Licht ausgehen. Die Universität Leipzig will unter dem Spardruck des Landes auf die sächsischen Hochschulen die Studiengänge Archäologie und Theaterwissenschaft abwickeln. Bereits  vom Wintersemester 2015/16 an soll kein neuer Student mehr immatrikuliert werden.

Nachdem 2006 schon das Theaterwissenschaftliche Institut der Berliner Humboldt-Universität – das weltweit erste seiner Art – geschlossen wurde, steht jetzt das letzte Theaterwissenschafts-Institut des Ostens vor dem Aus. Es wäre ein Armutszeugnis für die Theaterstadt Leipzig und ein Verlust für die gesamtdeutsche Theaterlandschaft.

Das Profil der Leipziger Theaterwissenschaft hebt sich von den zwölf anderen deutschen Instituten von Gießen bis Hamburg ab. Das Rote Kolleg, das vor 20 Jahren aus der ehemaligen Theaterhochschule Hans Otto hervorging, ist führend in den Bereichen Intermedialität und Theateranthropologie, Theater des Mittelalters und der Renaissance. Die Nähe zur Praxis zeigt sich unter anderem an hochkarätigen Gastdozenten wie den Regisseuren Volker Lösch über Milo Rau bis zu Wolfgang Engel. Nicht zuletzt würde mit der drohenden Abwicklung auch eine Tradition unorthodoxer Wissensvermittlung abreißen.

Dagegen regt sich massiver Widerstand. Das Leipziger Schauspiel – der Intendant Enrico Lübbe gehört selbst zu den Absolventen des Instituts – bezieht gagen die Pläne scharf Stellung: „Ein Land, das sich selbst amputiert, ohne dass der betroffene Bereich krank ist, muss sich fragen, ob es sich nicht längst selbst auf einem höchst ungesunden Weg befindet.“ Martin Heering, Geschäftsführer des Bundesverbands freier Theater, spricht von einem Skandal: „Es ist für mich absolut unverständlich, dass die Universität in der Kulturstadt Leipzig dieses einmalige Angebot dem Spardiktat der Sächsischen Staatsregierung opfern will.“

Die Betroffenen sind entschlossen, sich einzusetzen. Professorin Gerda Baumbach sagt: „Kampflos verlassen wir das Feld nicht.“ Nach den aktuellen Plänen soll von der Leipziger Theaterwissenschaft lediglich die Stelle von Patrick Primavesi erhalten bleiben. Der Professor ist zugleich Leiter des Leipziger Tanzarchivs. Das stand vor ein paar Jahren auch einmal kurz vor der Schließung, wurde dann aber doch gerettet.

Nina May

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