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21:06 29.01.2014
Von Stefan Stosch
Wenn er spricht, lauschen die Menschen: Idris Elba als junger Nelson Mandela. Quelle: Senator
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Der lange Weg zur Freiheit beginnt für den Helden dieser Geschichte in einem Lehmhüttendorf und endet als südafrikanischer Präsident. Dazwischen liegen Aktionen des zivilen Ungehorsams, der Kampf im Untergrund, 27 Jahre Haft und die nie aufgegebene Hoffnung, dass für Schwarze ein menschenwürdiges Leben im Land am Kap möglich ist. Die größte Leistung dieses unkriegerischen Helden ist aber wohl die, Hass und Rachedurst in ein Miteinander über alle Hautfarben hinweg zu verwandeln.

Nelson Mandelas Kampf gegen die Apartheid gibt es nun im Kinofilm "Mandela — Der lange Weg der Freiheit" zu sehen. Ab dem 30. Januar läuft der Film in den Kinos.

All das gehört zum Leben des im Dezember gestorbenen Nelson Mandela, und all das will nun ein Kinofilm erzählen. Der britische Regisseur Justin Chadwick spricht gar vom „offiziellen“ Mandela-Film. Das zweieinhalbstündige Kinodrama, das sich auf die Autobiografie des Freiheitskämpfers „Der lange Weg zur Freiheit“  (Fischer Taschenbuch, 13,95 Euro) beruft und Monate vor dem Tod Mandelas fertig war, soll quasi als südafrikanisches Markenprodukt hinaus in die Welt gehen.

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Anfangs suchen die Filmemacher in der historischen Lichtgestalt noch den Menschen – auch den fehlbaren: Mandela (Idris Elba) geht fremd. Ein Frauentyp zieht durch Johannesburg, beinahe ein Dandy, charmant, lässig. Er arbeitet hart als Anwalt und muss erst zur Mitarbeit im African National Congress (ANC) bekehrt werden. Knapp eine halbe Stunde dauert diese Exposition. Was nur schlaglichtartig erhellt wird, ist die alltägliche Diskriminierung der Nichtweißen.

Dann findet Mandela seine geliebte Winnie (Naomie Harris). Und von nun an hat auch der Film eine Perspektive: Mandela, der Familienmensch, der später auf der Gefängnisinsel Robben Island jeden Tag Frau und Kinder vermisst und nicht einmal zur Beerdigung seines Sohnes fahren darf.

Wovon man nur wenig sieht, ist der zermürbende Kampf um die Aufrechterhaltung der Würde in Haft. Symbolisch streitet Mandela dafür, endlich lange Hosen zu bekommen, die den schwarzen „Boys“ nicht erlaubt sind. Dann plötzlich darf er Tomaten züchten. Was ist in der  Zwischenzeit passiert?

Eingestreut werden sekundenkurze Szenen von der eskalierenden Gewalt auf den Straßen Südafrikas. Aber was man nicht spürt, ist das Vergehen der Zeit, auch wenn die Haare der Darsteller nun weiß gepudert sind. Dann plötzlich wird Mandela von seinen Peinigern an der Staatsspitze als Gesprächspartner geradezu hofiert.

Und nun, bei der ersten Begegnung mit den Abgesandten des Präsidenten Frederik Willem de Klerk, ist endlich ein echter Mandela-Moment spürbar. Der Gefangene übernimmt wie selbstverständlich die Regie: Er nimmt Platz, und nun dürfen sich auch die anderen setzen. Mandela ist der natürliche Anführer in Südafrika. Hauptdarsteller Idris Elba gelingt es in solchen Augenblicken, das Charisma des echten Mandela zu transportieren.

Doch sind diese rar, vielleicht gehört dazu noch die bittere Trennung von Winnie, die Rache und nicht Versöhnung will. Klar, es gibt historisch verbürgte (Film-)Szenen, die dramatischer kein Autor hätte erfinden können: Mandelas Rede als „Angeklagter Nr. 1“ im Hochverratsprozess in Pretoria, in der er sich zur Gewalt als letztem Mittel bekennt und seine Bereitschaft erklärt, für seine Sache zu sterben, oder auch die sich öffnenden Gefängnistore, vor denen die begeisterten Massen warten. Doch werden diese Szenen wie auf einer Best-Of-Liste abgehakt.

Der Regisseur macht nichts falsch, aber sein Werk packt den Zuschauer auch nicht wirklich. Clint Eastwood konzentrierte sich in seinem Kinodrama „Invictus“ allein auf Mandelas Coup, den Rugby-Sport als Motor der Versöhnung zwischen Schwarz und Weiß zu nutzen. Das war zwar der deutlich bescheidenere, aber dafür schlagkräftigere Ansatz.

„Der lange Weg zur Freiheit“ ist gewiss ein ehrenwerter Film. Aber es gelingt dem Regisseur auf diesem langen Weg zur Freiheit einfach nicht, Mandelas Geschichte zu verdichten.

Zu viel Leben für einen Film: Mandelas Geschichte in Schlaglichtern. Hochhaus, Cinemaxx, Cinemotion

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