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Kultur Designer-Besteck im Museum August Kestner
Nachrichten Kultur Designer-Besteck im Museum August Kestner
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10:59 12.08.2010
Von Dirk Kirchberg
„Küchenset 1070" von Janos Megyik.
„Küchenset 1070" von Janos Megyik. Quelle: Handout
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Heinz-Jürgen Averwerser ist leidenschaftlicher Sammler. Erst waren es Möbel, die es dem pensionierten Pädagogen angetan hatten, dann Porzellan. Vor einigen Jahren ist er beim Metall hängen geblieben. Seiner und der Leidenschaft seines Kollegen Jörg Müller-Daehn ist es zu verdanken, dass ein Kapitel europäischer Design- und Kulturgeschichte erhalten geblieben ist: Die Sammler konzentrierten sich auf Bestecke des österreichischen Herstellers Amboss.

Viele Firmen hätten kein Geschichtsbewusstsein und daher auch keine Archive, sagt Averwerser. Die Kollektion, die sie zusammengestellt haben, reicht von Bestecken über Töpfe bis hin zu Bar-Utensilien, Verpackungen und Prospekten. Das Museum August Kestner präsentiert die Stücke unter dem Titel „Amboss Bestecke 1950 – 1992“ noch bis zum 28. November. Rund „95 Prozent aller wichtigen Stücke“ haben Averwerser und Müller Daehn zusammengetragen.

Für Amboss arbeiteten etwa Designer wie der Architekt Oswald Haerdtl, der für die Wiener Werkstätte GmbH tätig war, oder Carl Auböck, Schüler von Johannes Itten am Bauhaus. Auch junge Künstler wie der Bildhauer und Maler Janos Megyik wurden mit Entwürfen beauftragt. Die Messer, Löffel und Gabeln der „Serie 7000“ sind Monoblockarbeiten, wurden also aus einem einzigen Stück Edelstahl geformt. Sie zeichnen sich durch geschwungene und fließende Formen aus, die eher an Bildhauerei denn an funktionales Design erinnern.

„Die Schneideeigenschaften des Messers sind mäßig“, sagt Averwerser, „ein Steak mit diesem Messer zerschneiden – das geht nicht.“ Die „7000“, die vor 1970 entstand, sähe zwar sehr gut aus, sei aber nicht besonders praktisch. Zahlreiche Design- und Staatspreise gewannen die Bestecke des steirischen Hammerwerks, das in den Sechzigern mit dem deutschen Unternehmen Rosenthal eng zusammenarbeitete, anschließend von diesem übernommen und ein Jahrzehnt später wieder abgespalten wurde. Anfang der neunziger Jahre war dann allerdings nach 200 Jahren endgültig Schluss bei Amboss

Die Ausstellungsstücke stammten aus drei Sammlungen, sagt Averwerser. Besonders hilfreich sei der Architekt und Designer Helmut Alder gewesen, der das bekannte Besteck „2050“ gestaltete. Über ihn hat Averwerser Stücke bekommen, die sonst nicht verfügbar gewesen wären. Amboss-Bestecke finde man nicht so einfach auf Flohmärkten, sagt der Sammler mit einem Funkeln in den Augen.

Die Ausstellung dauert noch bis zum 28. November.

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