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Kultur Schaulaufen mit George Clooney
Nachrichten Kultur Schaulaufen mit George Clooney
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00:15 31.01.2014
Von Stefan Stosch
 Der deutsche Film hat mit mehr als Hundert Produktionen und Ko-Produktionen einen starken Auftritt bei der 64. Berlinale, die am 6. Februar startet. Quelle: dpa
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Berlin

Das perfekte Berlinale-Getränk hat einer der mehr als 40 Festival-Sponsoren bereits kreiert: Es enthält diverse Obstsäfte, ist biologisch produziert – und putscht mit der Koffeinmenge eines doppelten Espresso auf. Dieser wohl nur begrenzt gesundheitsfördernde Mix könnte zum Hit werden bei Deutschlands wichtigstem Filmfestival, das am 6. Februar beginnt und den Kinogängern in der Hauptstadt eineinhalb Wochen lang Schlafentzug bescheren dürfte.

Am Dienstag präsentierte das Team um Direktor Dieter Kosslick das Programm und beantwortete gleich zu Beginn die Frage aller Fragen: Ja, George Clooney werde persönlich vorstellig, um den in Deutschland gedrehten Weltkriegsthriller „The Monuments Men“ über alliierte Kulturretter in Uniform vorzustellen, die von den Nazis geraubten Kunstschätzen nachjagen. Hollywoods Darling lässt sich von Bill Murray, Matt Damon und Tilda Swinton auf dem roten Teppich begleiten.

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Hollywoodstar George Clooney will in Goslar Szenen für seinen Film "The Monuments Men" drehen - die ersten Takes wurden bereits in Berlin abgedreht.

Überhaupt ist die Liste der Stars beeindruckend lang. Darauf vermerkt sind Ralph Fiennes und Wes Anderson (mit der Eröffnungskomödie „The Grand Budapest Hotel“), Christian Bale, Bradley Cooper, Harvey Keitel, Ethan Hawke, Catherine Deneuve, Lea Seydoux, Hannah Herzsprung, Ronald Zehrfeld, Mathieu Amalric, Brenda Blethyn und Bruno Ganz. Der 77-jährige britische Regisseur Ken Loach ("Raining Stones") ist als Empfänger des Goldenen Ehren-Bären Dauergast am Potsdamer Platz.

Charlotte Gainsbourg und Stellan Skarsgård sind angekündigt für den schon jetzt umstrittenen Erotik-Film „Nymphomaniac“ – der Name des Regisseurs Lars von Trier fehlt. Der Däne meidet seit seinen Nazi-Sprüchen in Cannes vor knapp drei Jahren die Öffentlichkeit.

64 Leinwände in der gesamten Stadt werden bespielt, eine davon positioniert in der Justizvollzugsanstalt Tegel. Aus 4000 eingereichten Langfilmen haben die Auswahlgremien 400 für würdig befunden. Zelluloid ist Mangelware: 35-Millimeter-Filme kommen vor allem in der Retrospektive zum Einsatz, die dem kunstvollen Spiel mit "Licht und Schatten“ gewidmet ist. Die allermeisten Werke gelangen über Glasfaserkabel in die Kinos. Die Berlinale demonstriert, wie weit die Digitalisierung schon gediehen ist.

Vier deutsche Filme im Wettbewerb

Die 64. Berlinale könnte ein gutes Jahr für den deutschen Film werden. Gleich vier sind für den Wettbewerb gebucht, so viele wie zuletzt vor acht Jahren. Feo Aladag erzählt in „Zwischen Welten“ von der schwierigen Mission deutscher Soldaten in Afghanistan. Dominik Graf widmet sich in „Die geliebten Schwestern“ der Liebe Friedrich Schillers zu den Schwestern Caroline von Beulwitz und Charlotte von Lengefeld. Edward Bergers Drama „Jack“ handelt von zwei auf sich allein gestellten Kindern in Berlin, und in Dietrich Brüggemanns „Kreuzweg“ geht es nach Kosslicks Worten um „Sexualität, Macht und Moral“.

Zudem sind die Altmeister Volker Schlöndorff mit dem Historiendrama „Diplomatie“ über die Besetzung von Paris durch die Nazis und Wim Wenders mit der 3-D-Dokumentation „Kathedralen der Kultur“ vertreten, die er in der Berliner Philharmonie gedreht hat. Schlöndorff hat auch noch eine echte Rarität im Gepäck: sein Frühwerk „Baal“ mit Rainer Werner Fassbinder, das die Brecht-Erben nach der Premiere 45 Jahre lang aus dem Verkehr gezogen hatten.

Auffällig in dem mit 20 Werken bestückten Wettbewerb: Gleich drei chinesische Filme sind am Start. Sie erzählen, so Kosslick, realistisch vom Leben abseits der Glitzermetropolen Peking und Schanghai. Vertreten im Bären-Rennen sind auch Produktionen aus Argentinien, Japan, Brasilien, Großbritannien, Frankreich, Norwegen, Österreich und Zypern. US-Regisseur Richard Linklater („Before Midnight“) reist mit „Boyhood“ an.

Bären-Sieger Nazif Mujic vor Abschiebung

Kosslick verspricht, dass die 64. Berlinale trotz vieler bedrückender Themen eine heitere Veranstaltung werde. Ob das auch für einen ganz besonderen Gast gilt, den Bosnier Nazif Mujic? Vor einem Jahr gewann der Laiendarsteller den Silbernen Bären mit dem dokumentarisch anmutenden Drama „Aus dem Leben eines Schrottsammlers“, in dem er sich selbst spielte. Heute wartet Mujic mit seiner Familie in einem Berliner Asylbewerberheim auf seine Abschiebung. Kosslick hofft, dass das letzte Wort über das Schicksal des Bosniers noch nicht gesprochen ist. Eine Anwältin hat das Festival dem einstigen Bären-Sieger bereits geschickt. So eng ist manchmal die Verzahnung von Politik und Kino.

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