Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Dick Brave eröffnet die Open-Air-Saison
Nachrichten Kultur Dick Brave eröffnet die Open-Air-Saison
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:32 12.07.2012
Von Uwe Janssen
„Just can’t get enough“: Dick Brave auf der Parkbühne. Quelle: Dimi Anastassakis
Anzeige
Hannover

Zwei Alben lang hat er Charthits rockundrollisiert, und das mit viel Selbstironie und noch mehr Erfolg. Da steht eben nicht der nette Herr Sasha aus Soest auf der Bühne, sondern der ungleich coolere kanadische Tausendsassa Dick Brave, der nach der ersten Tournee  irgendwo über Alaska mit dem Flugzeug abstürzte und irgendwie dann doch wohl überlebt hat. Und keiner der Fans würde auch nur im entferntesten auf die Idee kommen, Brave nach diesem Sasha zu fragen, dem er selbst bei ungenauem Hinsehen doch verdammt ähnlich sieht.

So weit, so gut. Leider sind nur 1300 Fans raus ins Grüne gekommen, die Kluft zwischen Sitztribüne hinten und tanzwütigen Fans vorn ist weit wie ein kanadischer Canyon. Vielleicht waren es unsichere Wetterprognosen (allerdings ist das BossHoss-Konzert am Freitagabend an gleicher Stelle ausverkauft), vielleicht ist Dick Brave auch ein Spaß, der sich abnutzt. Denn Dick Brave war im Herbst schon da, damals im vollen Capitol.

Anzeige

Die Band jedenfalls gibt ihr Bestes, und das von vornherein mit Volldampf. Chuck Berry, Jackie Wilson, Jerry Lee Lewis. Das Schlagzeug klackert, der Stehbass tanzt, die Gitarre quietscht, und Dick  turnt im original kanadischen Holzfällerhemd mit Puddingbeinen hinter seinem Elvis-Mikro, blickt allen Mädels gleichzeitig tief in die Augen und holt die Töne ganz tief aus der Kehle.

Zwischendurch spricht der Wiedergekehrte zum Volk, ganz ordentliches Deutsch mit einer Mischung aus strengem kanadischem und leichtem westfälischem Akzent. In „Hangover“ – den Spruch kann er sich nicht verkneifen – spreche man ja ohnehin das beste Deutsch. Wie lange es wohl dauern würde, hier perfekt die Sprache zu lernen. Antwort aus dem überwiegend weiblichen Publikum: „One Night.“ Es wird viel gelacht, den ganzen Abend über.

Dann hebt er wieder an, Adeles „Rolling in the Deep“ schlüpft in den Petticoat. Niemand hat hier den Anspruch, den Originalen zu nahe zu treten oder sie zu veralbern. Brave bietet Alternativen an, man könnte auch sagen, er zeigt die Flexibilität der Kompositionen. „American Idiot“ von Green Day ist ohnehin schon im richtigen Tempo. Depeche Modes Jugendsünde „Just can’t get enough“ wirkt im Brave-Sound fast seriöser als im Original. Michael JacksonsBlack and White“ wird mit ein paar Riffs zum Rockabilly-Prunkstück aufgemöbelt, bei dem die Backbeats sich auch einzeln austoben. Da sind längst viele Tribünengäste vor die Bühne geeilt.

Und der Himmel? Hat Dick Brave schon mal fallen lassen. An diesem Abend hält er halbwegs dicht.