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Kultur Oh, Lorde!
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11:59 07.11.2013
Von Uwe Janssen
Foto: Jung und spruchreif: Lorde.
Jung und spruchreif: Lorde. Quelle: Universal
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Hannover

Was soll man schon erwarten? Ein 16-jähriger Teenager nimmt ein Album auf, ein Popalbum, chartskompatibel. Da zieht man erst einmal alle Vorurteilsregister: Eine Castingtrulla mit Kinderzimmerpop aus dem Formatradioautomaten und Texten zwischen „uuuh“, „One and only“ und „music is the key“.

Lorde heißt die junge Dame aus Neuseeland, und schon beim ersten Song ihres Albums „Pure Heroine“ beißt man sich auf die Zunge, beim zweiten staunt man, und beim dritten Song möchte man nach Neuseeland fliegen und sich persönlich entschuldigen. Und dann beschleichen einen Zweifel: Kann eine 16-Jährige überhaupt solche Texte schreiben, kann sie ihr Leben und das der anderen in ihrem Alter schon so reflektieren? Ja, sie kann. Lorde (das „e“ wird nicht mitgesprochen) heißt eigentlich Ella Yelich-O’Connor und ist die Tochter der preisgekrönten Lyrikerin Sonja Yelich. Ihr Nummer-1-Hit „Royals“ ätzt gegen Materialismus und Aristokratie, „Tennis Court“ geht in eine ähnliche Richtung. Die üblichen Phrasen über gebrochene Herzen und coole Jungs fehlen völlig. Miley Cyrus und ihr Hubba-Bubba-Pop sind ganz weit weg von dieser jungen Frau.

Es scheint keine Masche zu sein. Nur zu gern teilt sie gegen Kolleginnen wie Selena Gomez oder Lana Del Ray aus und deren Hang, allzu sehr mit einem Seximage zu spielen. „Ich bin Feministin“, sagt die 16-Jährige. Sie sagt auch Sätze wie „Es ist nicht gut, wenn junge Leute so etwas hören.“ Tanzhitproduzent David Guetta, mit dem ihr eine Zusammenarbeit angeboten wurde, findet sie schlicht „ekelhaft“. Das Image als angry young woman wäre also gebastelt, und neben der Musikpresse sind auch die Klatschblätter hellwach, wenn Lorde Interviews gibt.

Das alles, Texte und Aussagen, steht ziemlich in Kontrast zu der Musik. Die ist soulig, ein bisschen funky, manchmal gar ein wenig süßlich, aber insgesamt sehr reduziert. Viele Songs sind freigeräumt für ihre Stimme, die mal lässig, mal fast zerbrechlich durch die basslastigen Arrangements schleicht und nur selten in die Höhe strebt – dann aber glänzt.

Das alles ist schick zusammengebaut und kommt schon wegen seiner penetranten Unaufgeregtheit sehr aufregend daher. Es wird nicht lange dauern, dann wird sie beweisen müssen, dass „Pure Heroine“ und die 20 Millionen Youtube-Klicks für ihre Videos kein Teenagertraum waren, sondern der Anfang einer großen, anhaltenden Karriere. Das würde nicht nur die Musikblätter freuen, sondern alle. Na, vielleicht außer David Guetta und Selena Gomez.

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