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Kultur Die Agentur für Weltverbesserungspläne
Nachrichten Kultur Die Agentur für Weltverbesserungspläne
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07:19 03.10.2014
Von Ronald Meyer-Arlt
"Tag 7" im Pavillon.
"Tag 7" im Pavillon. Quelle: HAZ
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Hannover

Wie soll man klar und stringent zu Ende bringen, was bloß recht locker zusammengefügt war? Wo es kaum Verwicklungen gab, kann sich kein Knoten lösen, wo zuvor keine Dramatik war, ist ein Schlussakkord meist unangemessen. Die „Agentur für Weltverbesserungspläne“, in der sich die Schauspielerinnen Ulrike Dallapozza, Susanne Maierhöfer und Kathrin Reinhardt zusammengefunden haben, hat jetzt eine schöne Lösung für das Schlussproblem von collagenartig angelegten freien Theaterprojekten gefunden: ein kluger Beginn. Im Pavillon, wo jetzt „tag7. Vom Nichtstun und Müßiggang“ Premiere hatte, beginnt das Spiel mit dem Blick auf eine Uhr. An der Wand hängt eine Stechuhr im Scheinwerferlicht, die Darstellerinnen, treten ein, stempeln ab und begrüßen das Publikum: „N'ahmpt“ und „Mahlzeit“. Klar: Das Stück wird beendet sein, wenn sie ihren Spieldienst erledigt und die Karten erneut durch die Stechuhr gezogen haben. Und so kommt es dann auch. Nach einer guten Stunde ist Schluss, und die Zuschauer applaudieren begeistert. Zuvor haben sie „Glückshütchen“ aus Papier gefaltet und Postkarten an sich selbst geschrieben. Mitmachtheater ist nicht jedermanns Sache, aber hier wird es von den drei Darstellerinnen sehr charmant eingefordert. Also bastelt man eben einen Papierhut. Dabei sollte man sich über „Zeitfresser“ wie Fernsehen, E-Mails, Handys undsoweiter Gedanken machen. Papierhütchenbasteln als möglicher Zeitfresser wurde nicht genannt.

Und das ist vielleicht das Problem dieser Inszenierung (von Ulrike Willberg). Alles ist nett, nett, lieb, lieb und recht erwartbar. Die Kernthesen: Nichtstun muss mal möglich sein, Müßiggang gebiert neue Ideen, es ist gut, mal aus dem Hamsterrad herauszukommen. So ähnlich sagt's die Krankenkasse auch. Aber muss Theater eigentlich das Vielgehörte wiederholen? Oder wäre ein Theater, das Hetze statt Gemütlichkeit fordert, nicht das interessantere? Glüht nicht, brennt! Verschwendet Euch! Hetzt Euch ab! Das von der Bühne zu hören, wäre spannend. Schließlich darf man vom Theater erwarten, dass es anders klingt, als eine Krankenkassenzeitschrift.

Wieder am 17. und 18. Oktober, sowie am 13. und 14. November im Theater im Pavillon

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