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Kultur „Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte“ startet im Kino
Nachrichten Kultur „Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte“ startet im Kino
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20:03 15.12.2010
Von Martina Sulner
Seemann, ahoi: Eustachius (Will Poulter) und Reepicheep. Quelle: Buena Vista
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Diesmal ist es kein Schrank, durch den man in eine Parallelwelt gerät, und auch kein Spiegel. Diesmal ist es ein Gemälde, das ein Segelschiff auf dem Meer zeigt. Auf dieses Bild schaut das Mädchen Lucy so intensiv, dass die Wellen in Bewegung geraten, Wasser aus dem Bilderrahmen ins Zimmer schwappt – und die Betrachter, schwuppdiwupp, sich auf dem Schiff wiederfinden. Willkommen in der Welt der Fantasy, willkommen in der Parallelwelt von Narnia.

„Die Reise auf der Morgenröte“ heißt – benannt nach dem Segelschiff „Morgenröte“ – die aktuelle Verfilmung aus C. S. Lewis’ siebenteiliger Romanreihe „Die Chroniken von Narnia“. Zwischen 1950 und 1956 erschienen die Bücher des britischen Autors und Mittelalterhistorikers über die sagenhafte Welt Narnia. In fast 50 Sprachen sind die Chroniken übersetzt und haben sich mehr als 100 Millionen Mal verkauft. Die Bücher gehören zu den Klassikern des Fantasy-Genres, sind aber in Deutschland nie so berühmt geworden wie J. R. R. TolkiensHerr der Ringe“. Mit Tolkien war Lewis eine Zeit lang eng befreundet.

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Narnia“ blieb bis heute der ewige Zweite, auch im Kino. An den überwältigenden Erfolg von Peter JacksonsHerr der Ringe“-Trilogie konnten die beiden ersten Filme über das Land Narnia und dessen Herrscher Aslan, einen weisen, gütigen Löwen, nicht heranreichen. Wohl auch deshalb ist das Disney-Studio, das die beiden ersten Verfilmungen produzierte, aus- und mit der Twentieth Century Fox ein anderer Produzent eingestiegen.

„Die Reise auf der Morgenröte“ ist ein 3-D-Film auf technisch brillantem Niveau. In einem Mix aus realen und animierten Szenen, aus echten Schauspielern und aufwendig gestalteten Trickfiguren erzählt der Film von der abenteuerlichen Seereise Lucys, ihres Bruders Edmund und ihres streberhaften Cousins Eustachius. Lucy und Edmund Pevensie waren mit ihren älteren Geschwistern Peter und Susan schon die Hauptfiguren der vorigen „Narnia“-Filme. Jetzt müssen die beiden Jüngeren allein zurechtkommen.

Diesmal helfen Lucy und Edmund dem jungen König Kaspian auf einer lebensgefährlichen Reise bis ans Ende von Narnia. Dorthin müssen sie auf der „Morgenröte“ gelangen, um sieben entführte Lords zu finden und aus den Klauen des Bösen zu befreien. Regisseur Michael Apted („Gorky Park“, „James Bond: Die Welt ist nicht genug“) schickt seine jungen Helden von einer Bewährungsprobe in die nächste. Die „Morgenröte“ kreuzt übers Meer, ankert vor Inseln, auf denen irgendwelche Bösewichte zu bekämpfen sind. Inselhopping der besonderen Art.

Die Herausforderungen werden immer gewaltiger. Etwas einförmig folgt der Film der Dramaturgie des Fantasy-Genres. Wie auch zahlreiche bekannte Motive – etwa die Suche nach dem verschwundenen Vater, der Kampf gegen die dunkle Seite in sich selbst, die Hilfe eines übermächtigen Wesens – in „Narnia“ auftauchen.

Regisseur Apted hat mit insgesamt vier Drehbuchschreibern zusammengearbeitet. Darunter ist auch Richard ­LaGravanese, der etwa für „König der Fischer“ und „Brücken am Fluss“ das Skript geschrieben hat. Das Autorenquartett war erkennbar bemüht, die zahlreichen Analogien zur christlichen Heilsgeschichte, die die Romane durchziehen, und die moralischen Belehrungen zurückzudrängen und der Geschichte Tempo zu geben. Die Monologe und Dialoge der sprechenden Maus Reepicheep haben Charme und Witz. Und wenn sich Lucy damit herumplagt, dass sie sich nicht hübsch genug findet, ist das ein sehr verbreitetes Teenagerproblem. Letztlich jedoch bleiben die Hauptfiguren – Lucy (Georgie Henley), Edmund (Skandar Keyner) und auch der hübsche Kaspian (Ben Barnes) – zu bieder. Interessanteste Figur ist Cousin Eustachius (Will Poulter). Der ist fies und besserwisserisch und wird, fast gegen seinen Willen, zum Retter in der Not. Er verwandelt sich in einen Drachen und hilft der Schiffsbesatzung beim Kampf gegen ein Ungeheuer.

Bei Eustachius spürt man etwas vom Kampf mit inneren Dämonen und erkennt tatsächlich eine Entwicklung – das berührt den Zuschauer mehr als die ­brave Lucy und die gekonnt animierten Trickfiguren. Spannung, Tiefe, Unterhaltung: „Die Reise auf der Morgenröte“ hat von allem etwas, aber von allem zu wenig. Das reicht für solide Familien­unterhaltung, aber nicht, um „Herr der Ringe“ zu überholen.

Gute Animationen, betuliche Geschichte: Kreuzbraver Familienfilm. Cinemaxx Raschplatz, Cinemaxx Nikolaistraße, Utopia, CineStar.