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Kultur „Die Croods“ entdecken die Welt außerhalb ihrer Höhle
Nachrichten Kultur „Die Croods“ entdecken die Welt außerhalb ihrer Höhle
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00:15 23.03.2013
Von Stefan Stosch
Foto: Begeisterungsfähige Vorfahren: Papa Grug und seine Steinzeitsippe bestaunen die Wunder ihrer Welt.
Begeisterungsfähige Vorfahren: Papa Grug und seine Steinzeitsippe bestaunen die Wunder ihrer Welt. Quelle: 20th Century Fox
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Ein Steinzeit-Papa hatte es leichter als ein heutiger Erziehungsberechtigter. Wenn er seine aufmüpfige Tochter vor der gefährlichen Welt da draußen beschützen wollte, schob er einfach einen dicken Felsen vor die Höhle. Schon herrschte Ruhe im dunklen Rund, wo die Sippenmitglieder sich aneinanderklumpten, um Kälte und Angst zu trotzen. Draußen schlichen schließlich Viecher mit riesigen Augen und Zähnen durch die Nacht.

Ganz so einfach verhielt es sich aber wohl doch nicht, jedenfalls in der Phantasie Hollywoods. Wie kompliziert die Verhältnisse waren, zeigt Dreamworks nun auf unterhaltsame Art: Das bunte Spektakel „The Croods“ beschwört die Neugier als wesentliche Antriebskraft der Menschheitsentwicklung und entdeckt unsere Vorfahren zugleich als Zeitgenossen.

Erst einmal aber muss Croods-Papa Grug lernen, dass die nervige Dauerbeschwörung der Furcht seine Sippe nicht wird retten können. Die Familie muss raus aus der Höhle. Ein alles vernichtendes Erdbeben kündigt sich gegen Ende des Pleistozäns an, Vulkane brechen aus, der Boden tut sich auf. Der nächste Weltuntergang kommt bestimmt.

Das animierte 3D-Steinzeit-Abenteuer „Die Croods“ bietet mit rasanten Action-Sequenzen und einer Fülle an kreativen Ideen wunderbare Familienunterhaltung.

In diesem dramatischen Umfeld spielt der Animationsfilm der Regisseure Kirk DeMicco und Chris Sanders, der auch schon für „Drachenzähmen leicht gemacht“ verantwortlich zeichnete. Im Kern steckt in der Geschichte allerdings eine konventionelle, jedoch spektakulär inszenierte Familiengeschichte. Das Tempo ist so rasant, dass man manchmal um einen Moment Einhalt flehen möchte, wenn die Jagd nach einem Straußenei wie ein Footballspiel inszeniert wird, das gar nicht enden will. Das Säbelzahn-Eichhörnchen Scrat aus „Ice Age“ hätte an solcher Action gewiss Spaß gehabt.

Die Trickfilmer würfeln die Menschheitsgeschichte wild durcheinander und arbeiten nach Lust und Laune mit Anachronismen, erfinden mal eben das Feuer oder den weiblichen Hang zur Schuhmode, lassen Wale über Land platschen oder verwandeln riesige Säbelzahntiger in schnurrende Kätzchen. Einmal wird ganz nebenbei Platons Höhlengleichnis zitiert. Es gibt in diesem Universum nichts, was es nicht gibt. Und trotzdem bringen die Regisseure das verschüttete Schulwissen ihres Publikums ins Gedächtnis zurück, das sich fragt, was davon womöglich in den Unterrichtsbüchern gestanden haben könnte.

Dreamworks („Shrek“, „Madagascar“, „Der gestiefelte Kater“) beweist mit diesem Film Mut. In Hollywood wird die Lust an originellen Stoffen immer seltener. Hier diente zwar unverkennbar die Familie Feuerstein als Inspirationsquelle, aber Fred Feuerstein & Co. waren Couch-Potatoes, die vor dem Stein-Fernseher hockten. Sie hätten sich niemals auf den Weg durch den gefährlichen Dschungel ins Gelobte Land gemacht.

Ohne den Forscherdrang von Tochter Eep (in der deutschen Version gesprochen von Janin Reinhardt) wäre auch Sippenchef Grug (Uwe Ochsenknecht) mit seiner Sturheit bald aufgeschmissen. Eep hat bei einer ihrer heimlichen Fluchten Guy (Kostja Ullmann) getroffen, einen jungen Kreativen auf höherem Entwicklungsstand. Das sieht man schon an seiner tief sitzenden Jeans – pardon: Steinzeit-Fellbekleidung, die von einem Faultier am Rutschen gehindert wird. Erst will Eep nach alter Väter Sitte den Fremden töten, dann kommen sich die beiden bei einem Stammestanz näher.

Guy weist der Familie gegen Papas anfänglich wütenden Widerstand den Weg in eine farbenprächtige Zukunft. Alte Überzeugungen taugen nun nur noch bedingt. Obwohl, so ganz stimmt das nicht: In einer ordentlichen Hollywood-Großproduktion wie dieser werden selbstverständlich Familienwerte und Zusammenhalt hochgehalten, und ohne das zähe Stammesoberhaupt wären auch die anderen aufgeschmissen. Nur muss Papa akzeptieren, dass auch andere manchmal gute Ideen haben. Aber das fällt Familienpatriarchen mitunter ja bis heute schwer.

Zurück in die Vergangenheit: Animierte Zeitreise. Cinemaxx Nikolaistraße, Cinemaxx Raschplatz, CineStar.

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