Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur "Die Dreigroschenoper" im Staatstheater Braunschweig
Nachrichten Kultur "Die Dreigroschenoper" im Staatstheater Braunschweig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:28 22.02.2010
Von Stefan Arndt
Anzeige

Bei dem Stück kann man nicht viel falsch machen. „Die Dreigroschenoper“ von Brecht und Weill ist seit ihrer Uraufführung vor 82 Jahren ein Welterfolg, der überall für volle Häuser sorgt. Viel richtig machen kann man aber offenbar auch nicht. Selten ist aus dem beliebten Stück zuletzt ein rundum gelungener Theaterabend geworden: Der „Dreigroschenoper“ sieht man ihr Alter oft an. Es scheint schwierig geworden zu sein, den grell überzeichneten Figuren neues Leben oder zumindest neue Seiten abzugewinnen. Allerorten beherrschen Zwanziger-Jahre-Ganoven die Bühnen, die wie Max Raabe aussehen und sich auch so verhalten. Trotz bissigen Inhalts und schmissiger Musik kann ein Theaterabend sich dann in die Länge ziehen, das Stück dauert ungekürzt an die drei Stunden.

Am Staatstheater Braunschweig hat man dem langen Stück nun sogar noch einen Song (aus „Mahagonny“) hinzugefügt – und trotzdem eine kurzweilige Produktion auf die Bühne gebracht. Regisseur Robin Telfer hat das alte Stück auf dezente Art verjüngt. Viel braucht er dazu nicht, Telfer reichen schon Szenen wie die, in der Gangsterboss Mackie Messer ganz nebenher einen seiner Kleinkriminellen erschießt, um die verstaubte Ästhetik des Stückes der Gegenwart anzunähern. Hier wird nicht mehr die Oper parodiert, sondern der Film – Tarantino lässt grüßen. Bühnenbildner Siegfried E. Meyer kann daher ganz lässig mit der Theatertradition spielen: Die Brecht-Gardine, die Lampe vom Schnürboden, sogar ein verirrter Kreidekreis sind hier nur heitere Zitate.

Anzeige

Auf der anderen Seite besinnt sich der Regisseur auf eine althergebrachte Theatertugend: Er erzählt eine Geschichte. Bei ihm sind selbst die Nebenrollen klar entwickelte Charaktere, die dabei helfen, die schrille Handlung überhaupt als Handlung wahrzunehmen. Dass der Plot der „Dreigroschenoper“ längst nicht immer so logisch erscheint wie hier, liegt auch an dem Ensemble um Dirk Lang (Mackie) und Louisa von Spies (Polly), das nicht nur gut singt, sondern auch die vielen Chancen zum Spielen abwechslungsreich nützt.

Darum kann es sich Telfer schließlich sogar erlauben, die Geschichte ein wenig anders zu erzählen, als Brecht und Weill es vorgesehen haben. Statt des der Oper abgeschauten guten Endes gibt es in Braunschweig ein filmreifes Massaker. So tut der Regisseur der „Dreigroschenoper“ letztlich doch noch Gewalt an. Es tut ihr gut.

Staatstheater Braunschweig: "Die Dreigroschenoper" wird wieder am 21. und 26. März aufgeführt, Karten unter (05 31) 1 23 45 67.

Weitere Informationen auch im HAZ Kulturkalender

22.02.2010
Johanna Di Blasi 24.02.2010