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Kultur Die Höhepunkte 2012 im Sprengel Museum Hannover
Nachrichten Kultur Die Höhepunkte 2012 im Sprengel Museum Hannover
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18:59 13.12.2011
Von Johanna Di Blasi
„They are looking“ – sie schauen, dabei sind sie längst tot. In neuen Gemälden blickt der russische Konzeptkünstler Ilya Kabakov zurück auf die eigene Geschichte. Quelle: VG Bild-Kunst
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Hannover

Er gilt als einer der letzten großen Utopisten – und als lebende Legende: der russische Künstler Ilya Kabakov. Vielen noch in Erinnerung ist seine sowjetische „Toilette“, ausgestellt 1992 auf der documenta IX in Kassel: eine schäbige öffentliche Bedürfnisanstalt aus der russischen Provinz, die jemand zur Wohnung umfunktioniert hatte. Die Installation wurde als ironische Metapher für die Kluft zwischen offizieller Ideologie und Alltagsrealität in Sowjetzeiten gedeutet. Kabakov betrachtet die Sowjetunion als erste moderne Gesellschaft, die untergegangen ist. Ein anderes utopisch-modernes Gesellschaftsmodell ist für ihn der Kapitalismus.

Ulrich Krempel, der Direktor des Sprengel Museums, hat den mittlerweile 78-jährigen Künstler in dessen Domizil auf Long Island in den USA besucht – und stieß auf eine neue Wendung im kabakovschen Œuvre. In einer großen Ausstellung mit dem Titel „Eine Rückkehr zur Malerei. Gemälde von Ilya Kabakov, 1961–2011“ zeigt das Sprengel Museum vom 29. Januar bis 29. April 2012 rund 60 Gemälde Kabakovs, manche davon bis zu sechs Meter breit.

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Neu ist, dass der mit Installationen bekannt gewordene Künstler inzwischen ausschließlich malt. Ebenfalls neu ist, dass er davon abrückt, die eigene Identität in seiner Kunst ironisch zu verbergen. In der Chruschtschow-Ära hatte der Künstler in Moskau zum Teil unter fingierten Namen auftreten müssen – und das später zum Programm erhoben. Er schuf Werke fingierter Schüler im Kabakov-Stil oder erklärte gar den eigenen Namen zum Pseudonym. Inzwischen aber setzt er sich ganz offen mit der eigenen (Familien-)Geschichte auseinander.

In dem großformatigen Gemälde „They are looking“ (2010), das in Hannover ausgestellt sein wird, sieht man Kabakovs Mutter Bertha Solodukhina, die Jüdin war, und die Tanten Riva und Tania. Vom rechten Bildrand dringt Weiß, das das Bild zu überblinden und auszulöschen droht, ins Familienfoto. In „Three Paintings with the Black Spot“, einem anderen Großformat, verarbeitet Kabakov den Moment, in dem ihm und seiner Frau in Japan der Praemium Imperiale überreicht wurde, einer der wichtigsten Kunstpreise der Welt. Rembrandt, Pon-tormo, russische Avantgarde und Bildklischees sowjetischer Propaganda kollidieren in Kabakovs Malereien, deren Akzent nostalgisch ist.

Zweiter Ausstellungshöhepunkt 2012 ist die gemeinsam mit dem Kunstverein Hannover und der Kestnergesellschaft initiierte, große Überblicksschau über alles, was spannend, neu und jung in der deutschen Gegenwartskunst ist: „Made in Germany Zwei“. Mit rund 40 Künstlern werden in der Schau, die vom 17. Mai bis 19. August läuft, etwas weniger Künstler vertreten sein als bei der ersten Ausgabe 2007.

Neben „Made in Germany“ hofft das Museum, „Photography Calling“ als Markenname zu etablieren. Noch bis 15. Januar läuft die Fotografieausstellung mit Beständen vor allem der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. In Zukunft soll es regelmäßig „Photography Calling“-Schauen geben.

2012 ist 125. Geburtstag von Kurt Schwitters, doch im Sprengel Museum ist es ein Schwitters-freies Jahr. Erst 2013 wird es wieder eine große Schwitters-Schau geben, zusammen mit der Londoner Tate. Einen so unangepassten Geist wie Schwitters wolle man nicht in die Korsage runder oder halbrunder Jubiläen zwängen, hieß es am Dienstag im Sprengel Museum. Man feiere Schwitters lieber antizyklisch. So gab es beispielsweise eine große Retrospektive zum 99. Geburtstag. Dafür soll 2012 der Schwitters-Bestandskatalog mit rund 4000 Einträgen online gestellt werden.

Bereits Anfang Februar steht dem Sprengel Museum ein erster Umbau bevor. Er betrifft noch nicht den Erweiterungsbau, dieser wird erst im November 2012 in Angriff genommen, sondern das Restaurant. Bis kurz vor Beginn von „Made in Germany“ macht es dicht.

Mit der Bekanntgabe der Besucherzahlen für 2011 möchte Ulrich Krempel noch warten. Es seien „etwa 14 Prozent mehr“ als im Jahr davor. Noch eine freudige Nachricht: Die vom Sprengel Museum bestückte Niki-de-Saint-Phalle-Schau im Museum Würth in Schwäbisch Hall haben 200.000 Besucher gesehen. „Der Eintritt war frei. Für uns ist das leider unvorstellbar“, sagte Krempel.

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